13 Apr 2012

rabensturm: (wirbel)
Gestern haben wir uns im Staatsschauspiel Dresden mal wieder Shakespeare gegönnt. „Viel Lärm um Nichts“, eine der großen rasanten und wortwitzigen Komödien. Und um es gleich zu sagen: Wir haben uns ausgezeichnet amüsiert und viel gelacht. :)

Ich hab ein bisschen gestaunt, dass das Theater so mitten in der Woche tatsächlich fast voll war – andererseits sind ja noch Ferien und wir waren ja auch da, einfach so mitten in der Woche. Das Schauspielhaus selbst ist durchaus auch einen Besuch wert, die Räume sind wunderschön und der große Kristallkronleuchter beeindruckend das Klo hinter dem Vorhang hätten wir ohne Hilfe aber nicht gefunden .

Die Handlung ist schnell erzählt: Claudio, ein junger Graf, will Hero, die Tochter eines reichen Gouverneurs, heiraten. Claudios Dienstherr, Don Pedro, vermittelt die Verbindung und während sie den Hochzeitstermin abwarten, amüsiert sich die Gesellschaft damit, die spitzzüngige männerhassende Beatrice mit dem selbstverliebten frauenfeindlichen Benedikt zu verkuppeln. Derweil täuscht Don Juan, der Halbbruder von Don Pedro, einen schmählichen Verrat der Jungfer Hero vor, die daraufhin von Claudio in der Kirche vor versammelter Mannschaft als Hure beschimpft und verstoßen wird. Das arme Mädchen bricht ohnmächtig zusammen. Schließlich retten die tumben Herren von der Bürgerwehr die Lage und es gibt nach der Versöhnung eine fröhliche Doppelhochzeit.

Die Inszenierung war ziemlich modern – es gab keine rauschenden Gewänder und opulente Bühnenbilder, sondern schwarze Anzüge und Sonnenbrillen, die mehr an Blues Brothers oder Mafiosi denken ließ. Das Bühnenbild bestand aus einer schiefen Ebene, auf dem die Blumentöpfe manchmal beängstigend rasant auf das arme Publikum zurollten, und Lamellenwänden im mediterranen Stil, die Türen verbargen. Das machte lustige Tür-auf-Tür-zu-Spielchen möglich und passte gut zu den ganzen Irrungen und Wirrungen. Nur die Kakteen hab ich nicht verstanden. Auch die Sprache war ein bisschen modernisiert, auch wenn Shakespeare noch deutlich zu erkennen war. Die Dialoge waren schon von ihm, die Schimpfworte sicherlich nicht immer – und ich zweifle auch, dass der alte William was von einem Nasenhaartrimmer geschrieben hat. *g* Aber es passte gut und ohne Brüche zusammen und war sehr spaßig. Die Charaktere waren natürlich auch etwas überzeichnet und gerade bei Holzapfel und Schlehwein, den beiden Dorftrotteln von der Bürgerwehr, wurden die Dialoge mit den falschen und verdrehten Fremdworten und Redewendungen auf die Spitze getrieben, um „verdächtige Exkremente zu arschivieren“. *g* Sehr spaßig – und sehr beeindruckende Leistung, mit solchen Texten umzugehen.

Ich mochte den bösen Bruder Don Juan – oder vielmehr Don John, wie es hier hieß. Der war zwar auch nicht das hellste Licht am Leuchter, bot aber eine erfrischende Mischung aus Hasstiraden und lächelnder Abgeklärtheit. Beatrice und Benedikt sind allein schon durch die gekonnten wortgewandten Streitereien sehenswert – auch wenn er natürlich nicht so gut aussah, wie einst Kenneth Branagh . *g*

Insgesamt sehr lohnend – und wie üblich das Fazit, dass man viel öfters ins Theater gehen sollte. *g* Und Shakespeare geht ja bekanntlich immer. *g*


Stimmung:
kulturell fortgebildet

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