rabensturm: (Default)
Ich erzähle ja schon seit einigen Jahren, dass ich in dem Jahr, in dem ich 50 werde, nach Japan reisen möchte. Wenn schon die Zahl komisch ist, soll wenigstens was außergewöhnliches zum Freuen dabei sein. Außerdem wird man ja auch nicht jünger, so dass es vermutlich nicht sinnvoll ist, beschwerliche Langstreckenflüge auf irgendwann später zu verschieben. Also das der große Ausblick auf 2026.

Für 2025 bedeutete das, dass Silph Bestimmerin war für die Reiseziele, weil es ihr Jahr war, in dem sie 50 wurde. Es hat sich irgendwie ergeben, dass auf das ganze Reisejahr auszudehnen. Da sich unser gemeinsamer Reisegeschmack aber über viele Jahre bewährt hat, war es sicherlich kein Opfer unter diversen guten Optionen ihr die letzte Wahl zu lassen. Und die Entscheidung für das große Sommerurlaubsziel 2025 – 3 Wochen Wales. :)

Zuerst ging mein Jahr aber mal mit einer Auszeit an der Ostsee los – 3 Wochen Kur in Prerow – das war sehr schön, sehr entspannt – und erscheint mir schon gar nicht mehr wahr. Das fühlt sich an, als sei es schon wieder ewig her…



Zeit war aber gut gewählt, ich mag den Winter an der Ostsee und es war angenehm, den Januar im Arbeitsjahr zu überspringen, den ich immer sehr zäh und mühsam finde…

Mit Urlaub ging es dann schon im Februar los. Wir waren noch mal in Besancon, weil wir ja die noch geltenden Touristenpässe ausnutzen wollten. Das war sehr nett, ziemlich entspannt und bot noch mal schöne Erlebnisse. Besancon, Dijon, Dole.



Im Sommer dann Wales. Wir hatten viel Zeit, um im Land herumzureisen, neue Dinge zu entdecken, Sachen, die wir vor Jahren besucht haben, noch mal wiederzusehen.



Wir sind dazu mit dem Zug nach Großbritannien gefahren – etwas, was man durchaus öfters machen könnte, wenn ich nur immer nicht erst quer durch Deutschland dafür müsste… in Wales hatten wir dann wieder einen Mietwagen, sind viel herumgekurvt. Wir sind auch Bus gefahren, Straßenbahn, Gondelbahn und mit der historischen Zahnradbahn auf den Mount Snowdon. Mit dem Wetter hatten wir meistenteils Glück (natürlich nicht auf dem Snowdon), auch wenn es ein paar Tage lang grenzwertig heiß war. Aber ich war im Meer und wir haben viel Eis gegessen. ;)

Eins meiner Highlights war der Besuch auf Tre’r Ceiri, was wir bei der dritten reise dann endlich geschafft haben. Das war anstrengend, aber auch sehr lohnend.



Im Herbst haben wir dann unser 25jähriges Wanderjubiläum begangen. Das sind mal Zeiträume. Wir waren im Vogtland, und auch wenn wir nicht wirklich viel gewandert sind, war das doch ein schönes gemeinsames Wochenende.



Und im Raumfahrtmuseum in Morgenröthe-Rautenkranz waren wir bei der Gelegenheit auch gleich noch. *g*

Der nächste Urlaub – nach diversen Wochenendausflügen – führte dann im Herbst noch mal nach Frankreich. Wir haben uns die Schlösser der Loire angesehen – oder zumindest einige davon.



Hauptsehenswürdigkeit war natürlich Chambord, aber ich mochte auch Chinon, wo wir unser Quartier hatten. Und wir hatten bei der Gelegenheit auch ein bisschen Aufenthalt in Paris, so dass es für den Louvre und den Père-Lachaise gereicht hat. Das war nett, sehr viel mehr brauche ich von Paris aber auch nicht. Auch von der Loire haben wir einen für mich ausreichenden Eindruck bekommen, das muss gar nicht wochenlang im Sommer sein.

Und nächstes Jahr dann…

Wie gesagt, ich will nach Japan. Da das kein Ziel für den Sommer ist, wollen wir im Oktober fahren. Vorher sollte das noch für eine Woche im Frühling und eine Woche im Juni reichen, der Plan bzw. die Wunschliste sagt Prag und Dänemark. Prag ist schon so ziemlich geplant, mit dem Rest fangen wir an, wenn wir wieder richtig im Jahr angekommen sind. Noch hab ich mich nicht an die neue Jahreszahl gewöhnt. ;)

Stimmung:
vorfreudig
rabensturm: (Default)
Unser letzter Urlaubstag. Wir haben also Chinon verlassen – und dabei noch mal die Schönheit der Einbahnstraßen in verwinkelter Altstadt genossen. Auch der Himmel weinte bei unserer Abreise, das Wetter war leider sehr nass und ungemütlich. Für die Fahrt nur etwas unangenehm, für die nächste Besichtigung leider sehr schade. Wir hatten noch ein must-see auf dem Plan, Schloss Chenonceau:



Auch dieses Schloss liegt nicht an der Loire, der Fluss hier ist der Cher (so wie tags zuvor bei Villandry). Das Schloss liegt nicht nur am Fluss, sondern steht mit seiner Galerie mitten drin und bietet einen ausgesprochen malerischen Anblick.

Weil es so nass war, sind wir erst mal rein gegangen und haben uns die Innenräume angesehen. Hier war einiges eingerichtet, nicht originalgetreu, aber doch im Stile der Zeit.



Das Schloss wurde in seiner Geschichte vor allem von Frauen geprägt. Es wurde von einer Frau im 16. Jahrhundert erbaut. Dann schenkte es König Heinrich II. seiner berühmten Mätresse Diane von Poitiers – diese errichtete die Galerie, die auf den Cher hinausführt. Nach dem Tod Heinrichs übernahm dessen Witwe Katharina di Medici das Schloss (im Tausch gegen ein von Katharina weniger geschätztes Schloss). Und auch in den späteren Jahrhunderten wird das Schloss von seinen Besitzerinnen geprägt.

Ich mochte, dass die eingerichteten Innenräume alle mit kunstvollen Blumenarrangements geschmückt waren.



Ich mochte auch die Apotheke der Katharina di Medici. Dort haben wir gelernt, dass Nostradamus Katharinas Apotheker war. Er ist ja eher dafür bekannt, dass er Prophezeiungen für die Königin gemacht hat.



Die Apotheke war schon in einem Nebengebäude, wo es auch noch ein „Kabinett der Wissenschaften“ gab, in dem wissenschaftliche Instrumente und Maschinen aus dem 18. Jahrhundert gezeigt wurden.

In einem weiteren Nebengebäude haben wir dann erst mal was gegessen. Chenonceau ist eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges, da gab es was zu essen auf dem Gelände – man hatte die Wahl zwischen einem schicken Restaurant und einem Bistro mit Selbstbedienung. Wir haben in letzterem Fish & Chips gegessen, das war völlig in Ordnung.

Das Wetter hatte sich leider nicht gebessert, so dass wir auf ausgiebige Wanderungen durch die Gärten verzichtet haben. Das ist bei schönem Wetter bestimmt sehr sehenswert (alles voller Alpenveilchen!). Wir sind noch ein bisschen herumgelaufen und haben von außen geguckt, aber zu mehr hatten wir dann keine Lust mehr.



Wir hatten ja aber auch noch ein ganzes Stück Weg vor uns – nach Orleans, das Auto zurückgeben, dann zum Bahnhof zurück rollkoffern, dann einen Zug nach Paris zurücknehmen. Hat alles gut geklappt (da hat es dann auch nicht mehr geregnet), nur im übervollen Zug mussten wir stehen. Ging aber auch.

In Paris haben wir die letzte Nacht dann im Zentrum zwischen den Bahnhöfen Nord und Ost verbracht – das war mir ja schon eigentlich zu trubelig und großstädtisch, da hab ich fast unsere Müllverbrennungsanlage vermisst. Aber es war natürlich praktisch, am nächsten Tag zu Fuß zum Bahnhof zu kommen für die lange Rückreise nach Hause.

Es hat funktioniert mit nur einmal Umsteigen nach Dresden zu kommen – war aber schon sehr lang und zog sich am Ende doch ziemlich…

Insgesamt war es ein schöner entspannter Urlaub. Wir haben jeden Tag was angeschaut, ohne uns dafür sonderlich anstrengen zu müssen. Sicherlich hätte man mehr oder andere Schlösser anschauen können – gibt ja genug – aber ich bin sehr zufrieden mit unserer Auswahl und Abwechslung. Ich muss auch nicht zwingend mehr davon haben, was wir unbedingt sehen wollten, haben wir ja bekommen. Vielleicht mal irgendwann als Flusskreuzfahrt im Rentnermodus. ;)

Stimmung:
dokumentierend
rabensturm: (feder)
Auch das Schloss am nächsten Tag lag nicht an der Loire – der Fluss, an dem Schloss Villandry liegt, ist der Cher, ein Nebenfluss der Loire. Und das besondere hier bei diesem Schloss sind die kunstvoll restaurierten Renaissancegärten.



Man kann die Gärten auch einzeln besichtigen – wir wollten natürlich alles und wurden erst mal in die Innenräume geleitet.



Auch dieses Schloss ist in Privatbesitz. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem verarmten spanischen Adligen und seiner reichen amerikanischen Frau gekauft, die erst das Schloss in den Renaissancezustand zurückversetzten und später die Gärten. Die Räume zeugen durchaus von Wohnlichkeit, ich mochte die Zimmer von Ann Coleman und die Kinderzimmer, die noch (oder wieder) aussahen, wie man sie Anfang des 20. Jahrhunderts eingerichtet hatte.
Dann aber der Garten. Der ist wirklich groß und wird heute noch von 10 Gärtnern in Schuss gehalten. Das hier ist der Plan nur vom dekorativen Gemüsegarten:



Aber da gibt es auch noch ein Labyrinth und einen Ziergarten, einen Wasser- und einen Sonnengarten, Gewächshäuser und einen Pavillon.



Auch noch Ende Oktober sah das wunderbar grün und bunt aus, besonders die bunten Gemüsebeete haben mir gefallen. Auch die zeigen Vielfalt und sind sehr dekorativ. Ein bisschen schade, dass es davon nichts im Souvenirshop gab, aber gut, wenn man den schönen bunten Mangold erntet, sind die Flächen ja leer. ;)



Also, sehr schön und sehr sehenswert. Auch in dieser Jahreszeit. – Vielleicht sogar besser in dieser Jahreszeit, weil das im Sommer auf der offenen Fläche vermutlich sehr warm und sehr überlaufen ist. Also, gute Wahl, dieses Schloss zu besichtigen.

Wir haben dann draußen erst mal was gegessen – der Ort Villandry ist auf Touristen eingestellt, da gab es einige Möglichkeiten, mittags einzukehren. Wir haben gleich das erste Restaurant genommen, das ein Formule anbot und hatten dann Kürbissuppe, einen lokalen Auflauf und Pana Cotta. Sehr lecker und günstig.

Dann haben wir uns noch ein bisschen im Ort umgeschaut. Die Kirche hatten wir schon vom Schloss aus bewundert, das war nett, die von nahem und von innen zu sehen. Außerdem sind wir auch zum Cher hinüberspaziert, um noch ein bisschen Flusslandschaft zu bewundern.



Zurück in Chinon haben wir uns wieder ein Törtchen gegönnt. Eigentlich wollten wir auch nicht mehr raus, weil Halloween war und die Dekorationen schon einiges an Trubel verhießen… aber das Wetter war so schön. Also sind wir im schönsten Abendsonnenschein noch mal mit dem Fahrstuhl zur Burg Chinon hinaufgefahren und haben das güldene Licht genossen.



Sehr schön.

Stimmung:
sonnig
rabensturm: (feder)
Man hat im Tal der Loire (und Nebenflüssen) ja eine Menge Auswahl an malerischen Schlössern, man weiß nicht so recht, wonach wir uns entscheiden sollten. Für den nächsten Tag haben wir Château d’Usse ausgewählt, das nur etwa 10 km von Chinon entfernt am Ufer der Indre liegt (wieder nicht an der Loire).



Schon der erste Eindruck ist sehr schön – und lässt sehr gut nachvollziehen, warum das Schloss als Dornröschenschloss gilt. Das aber gar nicht mal wegen der verwunschenen Türmchen, sondern weil sich hier öfters der französische Märchenschriftsteller Charles Perrault aufgehalten hat, der hier zum Märchen La belle au bois dormant inspiriert worden sein soll. Deshalb gibt es im Turm auch eine Dornröschenausstellung – wir haben aber zuerst mal Innenräume angeschaut:



Man kann eine ganze Reihe von Innenräumen anschauen, die teils mit echtem Kaminfeuer beheizt und damit recht wohnlich sind. Es wird tatsächlich auch noch im Schloss gewohnt – es ist in Privatbesitz und wird zu bestimmten Zeiten des Jahres (z.B. Weihnachten) bewohnt.



So ein nettes kleines Anwesen mit einem netten kleinen Garten.

Am Tag vor Halloween hatten wir viel Vergnügen mit den überall verteilten Kürbissen, mal mit, mal ohne Gesicht. Das war schon sehr spaßig.



Und natürlich haben wir auch den Turm erklommen zur Dornröschenausstellung – nun ja, mit großen Puppen wurden Märchenszenen nachgestellt. Erheitert hat uns, dass der Prinz sich vor der Begegnung mit der Prinzessin offenbar noch mal umgezogen hat. Natürlich, wir sind in Frankreich, da kann man der Dame nicht im schnöden Reisegewand seine Aufwartung machen. *g*

Nach dem Dornröschen ging es dann über den Dachboden des Schlosses – das war spaßig und abenteuerlich und da möchte man doch wirklich nach Schätzen und Abenteuern suchen.



Draußen ist vor allem die Schlosskapelle sehenswert, die hinter zwei mächtigen Libanonzedern (Geschenken von Chateaubriand) befindet. Sie ist frisch restauriert in strahlendem Weiß und zeigt Elemente der Gotik und der Renaissance.



Außerdem kann man auf dem Gelände noch Weinkeller besichtigen, Stallungen und Nebengebäude und einem Bambuswäldchen. Das war spaßig, da Bambus ja viel schneller wächst, stellen wir uns vor, dass Dornröschen zuerst von Bambus eingeschlossen wurde, bevor es dann nach 100 Jahren doch mehr Rosen waren.



Das Schloss ist keine Hauptsehenswürdigkeit – deshalb gab es da nichts zu essen. Wir sind also in den Ort gegangen, um dort was zu finden und haben nach etwas ratlosem Herumstehen dann doch in einem Hinterhof ein Restaurant gefunden und guten Burger verspeist.

Auf dem Rückweg haben wir noch Halt in Candes-Saint-Martin gemacht. Das ist ein kleines Dörfchen am Zusammenfluss von Vienne und Loire, das besonders mit dem Heiligen Martin von Tours verbunden ist. – Das ist der vom Martinstag mit dem halben Mantel. St. Martin in im hohen Alter hier in der Kirche verstorben, als er auf Rundreise in seinem Bistum war. Man kann die Stelle in der Kirche heute an einer Bodenplatte noch sehen.



Mich erheitert vor allem die Geschichte, dass der tote Martin dann nachts von seinen Brüdern zum Fenster hinausgehoben wurde, um eilends über die Loire nach Tour verschifft zu werden. Man kann die Reliquien ja nicht woanders aufbewahren. ;)

Candes ist auch außerhalb der Kirche ein charmantes Örtchen. Wir sind ein bisschen herumgelaufen, am Schlösschen vorbei zu einem Aussichtspunkt.



Die Loire hat man da auch wieder nicht gesehen – aber Aussicht immerhin. :)

Stimmung:
romantisch
rabensturm: (feder)
Am nächsten Tag waren wir wieder auf den Spuren von Eleonore von Aquitanien und Richard Löwenherz unterwegs – wir haben die Abtei Fontevraud besucht. Die liegt knapp 20 km von Chinon entfernt und ist die Grablege der Plantagenets. Hier wurden Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien bestattet, auch Richard Löwenherz (zumindest die Körperteile, die nicht in Poitou oder in Rouen liegen) und wohl auch noch andere Familienmitglieder.



In Frankreich wurden alle Klöster bekanntlich in der französischen Revolution enteignet und geschlossen. Manche wurden verkauft, manche zerstört – Fontevraud wurde zum Gefängnis, als das es bis 1963 genutzt wurde. Dafür wurden Zwischendecken in die hohen Kirchenräume eingezogen und diverse Umbauten vorgenommen. Im Rahmen der Restaurierung wurde das meiste davon wieder zurückgebaut.



Es ist innen sehr leer, sehr hell. Es gibt ein bisschen Kunst, ein paar schöne Fresken im ehemaligen Speiseraum, ein bisschen was zu Handwerk und Archäologie und zum Gefängnisleben im umgenutzten Kloster.



Außerdem gibt es einen sehr schönen Kreuzgang:



In der Abteikirche kann man schließlich die Grablegen der Plantagenets sehen. Es waren einst sehr viel mehr Statuen, aber immerhin die wichtigsten sind noch erhalten: Eleonore von Aquitanien, Heinrich II., Richard Löwenherz und Isabella von Angoulême, die die Gattin von Johann Ohneland war. Die Figuren sind nicht nur Platzhalter für die Bestatteten, sie sind auch selbst Kunstwerke aus dem 12./13. Jahrhundert. Eleonore wurde dabei in der Blüte ihres Lebens dargestellt (sie starb mit über 80) und hält als Zeichen ihrer Gelehrsamkeit ein Buch in der Hand. Die erste (bekannte) nichtreligiöse Darstellung einer lesenden Frau.



Es war auch Eleonore, die das Kloster gefördert hat – es war ein gemischtes Kloster mit Männern und Frauen, wobei die Frauen jedoch die Mehrheit stellten und auch die Verwaltung und Leitung.

Ein besonders markantes Gebäude des Klostergeländes ist die romanische Küche:



Achteckig mit vielen Nischen, in denen sich die einzelnen Kochstätten befanden. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts restauriert, so wie man sich da eine mittelalterliche Kirche vorstellt.

Wir waren inzwischen hungrig, das nasse Wetter lud auch nicht zu ausgedehnten Spaziergängen auf dem Gelände ein. Immerhin fanden wir etwas zu essen – in einem Nebengebäude wurden einfache Gerichte angeboten, die man sich selbst in bereitstehenden Mikrowellen aufwärmen konnte. Das war spaßig.

Kunst gibt es auch noch. In einem großen Nutzgebäude des ehemaligen Klosters befindet sich seit 2021 ein Museum für Moderne Kunst. Wir haben es uns angeschaut, mit neuer Kunst war es ein Kontrast zum Louvre davor, tatsächlich ist mir da aber nichts als unbedingtes must-see in Erinnerung geblieben.



Aber draußen regnete es eh, da konnten wir uns auch die Kunst anschauen.

Auch danach regnete es noch, so dass sich unsere Motivation auf weitere Besichtigungen in Grenzen hielten. Wir haben es uns also lieber im Quartier gemütlich gemacht und die Freuden der französischen Patisserie genossen.

Skurrile Nebenbeobachtungen des Tages: die Militärpräsenz im Ort Fontevraud und auf dem Weg dorthin. *irx* Und natürlich das Atomkraftwerk von Chinon, an dem wir vorbeigekommen sind.

Stimmung:
nass

Chinon

14 Nov 2025 04:44 pm
rabensturm: (feder)
Chinon zählt zu den Schlössern der Loire – wobei es eine Burg ist und kein Schloss und an der Vienne liegt und nicht an der Loire. Es ist ein bedeutender Ort für die französische und englische Geschichte – wir waren hier aber hauptsächlich, weil es auch als ein Wohn- und Begräbnisort von Sir Kai aus der Artussage gilt. Site of special interest. *g*

Auch strategisch war der Ort gut gewählt, groß genug, dass man alle Infrastruktur hat und genug zum Ansehen in der näheren Umgebung, darunter noch ein Ziel, was auf unserer must-see-Liste stand. Darüber hinaus war Chinon ein sehr malerisches Städtchen mit charmanten Altstadtgässchen, Sandstein- und Fachwerkhäusern, Platanenalleen und lauschigen kleinen Plätzen. Zum Parken eher schwierig, aber wir haben uns arrangiert. So weit war es dann auch wieder nicht zu den kostenfreien Parkplätzen am Fluss.

Unser Quartier lag direkt unterhalb der Burg in einem Altstadthaus. Passenderweise hieß sie „Cave“ Höhle, weil es so verwinkelt war und eher wenig Zugang zu Tageslicht hatte. Aber für eine Woche hatte das durchaus Charme.

Die Burg:



Bereits im 5. Jahrhundert bestand hier eine römische Befestigung, 1044 fiel die Festung an die Grafen von Anjou und damit (über die Herrschaft der Normandie) an die englischen Könige aus dem Haus Plantagenet. Berühmteste Vertreter sind König Heinrich II., dessen Lieblingsburg Chinon war und der auch hier starb. Seine Frau Eleonore von Aquitanien und die Söhne Richard Löwenherz und Johann Ohneland. Nach Ende des angevinischen Reiches wurde Chinon französische Krondomäne. Hier traf Jeanne d’Arc den französischen König Karl VII. Unter König Heinrich IV. (das ist der von Navarra mit der Bartholomäusnacht) wurde Chinon zum Gefängnis, ging später in den Besitz von Kardinal Richelieu über, dessen Erben sie bis zur Französischen Revolution hielten. Gefängnis war die Burg aber auch schon im 14. Jahrhundert gewesen, als man hier hochrangige Mitglieder des Templerordens inhaftierte, die später auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Eine Menge Geschichte also und ein sehr malerisches Bauwerk, das einen schönen Ausblick die Stadt und den Fluss bietet.



Den Saal, wo Johanna den König wundersam erkannt hat, gibt es nicht mehr – schon aber noch einige restaurierte Räume im Donjon, die der Zeit Heinrichs und Eleonores nachgestellt wurden.



Man kann auf Türme steigen und in Verliese hinab, wo man geheimnisvolle Ritzzeichnungen der gefangenen Tempelritter sehen kann.



Eine sehr vielfältige Anlage, die von den verschiedenen geschichtlichen Epochen zeigt. Das war spannend – und natürlich auch special interest. ;) Wir mochten auch die Zypressen, die dem ganzen einen mediterranen Touch geben.

Praktischerweise muss man den Burgberg nicht erklimmen, wenn man hinauf oder hinab möchte – man kann mit einem kostenlosen gläsernen Fahrstuhl fahren. Das haben wir gemacht und dann natürlich auch noch die Stadt durchschlendert.



Wir haben zu Mittag eine Quiche gegessen und sind später am Nachmittag noch mal zur Kapelle der Heiligen Radegunde gelaufen. Die war zwar schon für den Winter geschlossen, aber der Weg war trotzdem schön.



An der Kirche des Collegiale St. Mexme geht es hinauf auf den Weinberg, wo in die weichen Tuffsteinwände überall Höhlen und Keller eingegraben wurde. Auch die Kapelle von Radegunde befindet sich so mitten im Hang. Ein malerischer Anblick. Auch innen soll sie sehr hübsch sein, mit alten Fresken, die Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien zeigen sollten. Nun ja, nicht mehr nach September.

Wir sind den Weinberg wieder hinabgestiegen (Chinon ist auch berühmte Weingegend). Unten ging es noch ein Stück am Fluss entlang, der sehr schön von Pappelalleen gesäumt ist. Da unten steht auch ein Denkmal von Rabelais, einem berühmten Sohn der Stadt und berühmten französischen Autor.



Doch, sehr schöne Stadt und sehr guter Stützpunkt.

Stimmung:
historisch
rabensturm: (feder)
Am nächsten Tag ging es dann an die Loire – dazu mussten wir erst mal aus Paris raus und an unser Auto kommen; ich hatte ja schon berichtet, dass wir mit der Bahn Richtung Orlean gefahren sind. Von da aus war es dann ein ganzes Stück bis zu unserem ersten Ziel, auch wenn Orleans selbst bereits an der Loire liegt und zur Schlössergegend gehört.

Unser erstes Ziel war das große must-see der Reise, Schloss Chambord:



Das Schloss wurde unter König Franz I. als Prunk- und Jagdschloss errichtet und gilt als das prächtigste aller Loireschlösser. Außerdem ist es mit da Vinci verbunden, weil der auf Einladung von König Franz seinen Lebensabend in der Gegend beschloss (mit der Mona im Gepäck) und angeblich die berühmte Treppe von Chambord entworfen hat.

Wir haben erst mal nur einen Blick von außen auf das Schloss geworfen – und dann erst mal was gegessen. Es war Mittag und wir hofften, so vor die große Welle zu kommen. War auch noch gerade rechtzeitig, kaum dass wir saßen, füllte sich das Restaurant umgehend. Auch daran merkte man, dass es eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges war: es gab Essensversorgung auf dem Gelände und das auch sehr gut und preislich okay. Wir hatten ein zweigängiges Mittags-Formule mit Hühnchen als Hauptgericht und Schokoküchlein als Dessert.

Dann aber rein ins Schloss. Da ist natürlich die große doppelläufige Wendeltreppe beeindruckend, die sich in zwei sich nicht berührenden Spuren wie eine Doppelhelix über alle Etagen erstreckt. Lässt sich natürlich nicht brauchbar fotografieren…



Dann beeindruckt die Dachlandschaft, wo man zwischen den Türmchen und Schornsteinen, der großen Laterne und Ecken und Zipfelchen herumlaufen kann.



Und Ausblick gibt es von da oben natürlich auch. Auf die Gärten und den Wassergraben, vor allem auf den Wald, der immer noch als große unberührte Fläche das Schloss umgibt. Das Jagdrevier von König Franz, groß wie die Fläche von Paris.



Wetter war dann auch besser, so dass es am Ende noch zu ein paar Schönwetterbildern gereicht hat.



Das Schloss sieht aber auch von jeder Seite anders aus…

Was die Innenräume angeht – da sind ein paar eingerichtet, eher random in historischem Stil, in ein paar sind Kunstinstallationen oder Ausstellungen. Das liegt nicht daran, dass das historische Mobiliar verloren gegangen ist – das Schloss war nie wirklich möbliert. König Franz verbrachte nicht viel Zeit hier und wenn er als König reiste, brachte er für seinen Hofstaat alles mit von Möbeln bis Geschirr.

Im 18. Jahrhundert logierte zuerst der exilierte polnische König Stanislaus I. Leszczyński hier, Schwiegervater des Königs – und der mochte Chambord nicht, weil es so kalt und mückenverseucht war. Danach lebte hier Moritz von Sachsen, Maréchal de Saxe, der es sich mit einigen Kaminen und Holzvertäfelungen an den Wänden wohnlich machte und auch die sumpfige Umgebung trockenlegen ließ. Spaßig die Anekdote, die ich gerade auf Wikipedia lese, dass er sich für das Jagdrevier Chambord aus der sächsischen Heimat 100 Rehe erbat, die über Torgau nach Hamburg nach Frankreich verschifft werden sollte. – Spaßig finde ich auch, dass diese beiden Bewohner Bezug zu Sachsen hatte: August der Starke hatte dem einen den polnischen Thron weggeschnappt und war der (außereheliche) Vater des anderen. Außerdem ist Moritz von Sachsen auch der Urgroßvater von George Sand, die damit Ururenkelin von August dem Starken ist.



Überall die Salamander von König Franz.

Wir sind noch ein bisschen draußen herumgelaufen, um den blauen Himmel und das schöne Herbstlaub zu bewundern – haben uns dann aber doch auf den Weg zu unserem Quartier gemacht. Immer entlang der Loire, durch die Großstadt Tours hindurch… die Strecke zog sich dann doch noch und wurde am Ende im Dunklen und bei Regen auch nicht angenehmer zu fahren. Von der Loire haben wir nicht viel gesehen, von Chinon auch nicht, nur die hektisch blinkende Bordstein- und Zebrastreifenbeleuchtung.

Chinon war also unser neuer Stützpunkt, das haben wir am nächsten Tag angeschaut, aber das ist ein anderer Reisebericht. ;)

Stimmung:
doch noch sonnig

Louvre

7 Nov 2025 05:15 pm
rabensturm: (wirbel)
Diesmal wollten wir in den Louvre, wenn wir schon in Paris sind – sonst haben wir immer nur kopfschüttelnd vor der langen Schlange gestanden. Diesmal haben wir uns vorab ein Zeitticket gebucht – standen aber trotzdem in der Schlange für unseren Timeslot. Und wurden auf den letzten Metern zum Einlass auch noch angeregnet. :p

Aber erst mal außen:



Da ist es ja die markante Glaspyramide, die sofort alle Blicke auf sich zieht. Seit den 1980iger Jahren dient sie als Eingang in das Museum, da sich auf mehreren Ebenen im historischen Schloss befindet. Die Sammlung geht auch auf die königlichen Sammlungen zurück, dann später auf die Sammlungswut von Napoleon. Es finden sich Kunstwerke vom 7. Jahrtausend vor Christus bis in die 1850iger Jahre. Viel berühmte Kunst.



Natürlich die Mona Lisa. Ehrlich gesagt mag ich das Bild gar nicht soo besonders, ich finde es nicht besonders mystisch oder bezaubernd… aber wenn man schon mal da ist… Wir hatten den ersten Timeslot des Tages, sind auch zielstrebig und flott als erstes zur Mona Lisa geeilt, um das obligatorische Foto machen zu können. – Auch um die Zeit schon in ziemlichem Gedrängel. – Danach konnten wir das Museum entspannt durchstreifen. Ein paar Dinge wollten wir schon auch gezielt sehen, aber das war weniger bedrängt als bei der Mona.



Die Nike von Samotrake, die Venus von Milo. Die Stele von Hamurapi. Gilgamesch. Ein bisschen Rembrandt und Ingres, Delacroix und Holbein.



Dabei ist der Louvre sehr geeignet, um sich da drin zu verlaufen, die Pläne halfen nur bedingt weiter zur Orientierung. Es sind drei Flügel: Denon, Richelieu und Sully, über vier Ebenen. Wenn man sich von der ersten Etage entfernt hat, war man eigentlich auch die Menschenmengen los, da konnte man entspannter schlendern.

Es gab einige Kunst, vor der ich überrascht stand: „Ach, das ist hier?“ (Holbeins Anna von Cleve), „Das ist aber klein“ (Vermeers Spitzenklöpplerin oder Delacroix‘ „Die Freiheit führt das Volk“) oder „Das sind aber viele Bilder“ (Rubens Zyklus über Maria di Medici). Das war schon sehr interessant, spannend und sehenswert. Natürlich ist so große Kunst sehenswert und eine so große Vielfalt. Der Louvre ist ja ein Kunstmuseum, ein Palast mit prächtiger Ausstattung, eine Skulpturensammlung, eine Orientsammlung und was immer noch in einem.



Da sind wir extra noch mal hin, ich mag die geflügelten Stiere und Ishtars Gänseblümchen, das ist auf jeden Fall sehenswert, selbst wenn da unsere Aufmerksamkeit schon etwas gelitten hatte. Immerhin hatten wir was gegessen. – Dazu sind wir aus dem Museumsbereich raus (als wir endlich rausgefunden hatten, dass unsere Karte uns wieder reinlässt) und da gab es diverse Bistros, die in Massenabfertigung Sandwiches, belegte Baguettes, Salate und dergleichen angeboten haben. Man konnte sich aber nicht wirklich hinsetzen damit, es gab nur so blöde Anlehnbänke, damit man es sich auch nur nicht zu bequem macht in der Massenabfertigung. :p Das war blöd, denn bei einem langen Museumsbesuch wird man – also ich jedenfalls – schnell fußlahm und da ist Ausruhen im Sitzen schon wichtig. In den Kunsträumen gab es reichlich Gelegenheiten zum Sitzen, aber im Außenbereich war es schon sehr ungastlich…

Was den Diebstahl angeht… eine Woche vor unserem Besuch war ja in den Louvre eingebrochen worden, um Juwelen zu stehlen.



Da war kaum was von zu merken. Die Sicherheitskontrolle am Eingang war eher lax, es hat auch niemanden wirklich interessiert, ob man Getränke mit rein nimmt. Der Bereich des Diebstahles – die Apollongalerie – war abgesperrt, sonst hat man nichts von dem Ganzen mitbekommen.

Die leeren goldenen Rahmen haben auch nichts mit Verbrechen dazu – die waren lediglich Hinweis darauf, dass auch die Rahmen Kunstwerke und große Handwerkskunst sind, die man gleichfalls mit Aufmerksamkeit würdigen sollte.

Also insgesamt sehr sehenswert, aber auch anstrengend. Wenn man unbedingt irgendwas spezielles sehen will, sollte man sich vorher entsprechend informieren, ansonsten fanden wir es netter, uns einfach so durch die Räume treiben zu lassen. Die Räume selbst sind übrigens auch sehenswert, Gold und Prunk der französischen Könige und Kaiser.



Vielleicht auch mal nach oben schauen oder unscheinbare Wendeltreppen benutzen. ;) Und auf jeden Fall sollte man sich vor der Mona Lisa mal umdrehen, weil der gegenüber Veroneses monumentale Hochzeit von Kana hängt – was man sich immer dabei gedacht hat, da ist die Wahrscheinlichkeit wirklich gering, dass es jemand bemerkt oder würdigt.

Am Ende waren wir dann fußlahm und die Aufmerksamkeit erschöpft. Wir waren ein bisschen vom Shop enttäuscht und haben uns im Untergrund auf der Suche nach dem Ausgang noch mal verlaufen… also sind wir erst mal in unser Quartier an der lauschigen Müllverbrennungsanlage gefahren, um uns etwas zu erholen.

Am frühen Abend sind wir dann noch mal aufgebrochen Richtung Notre Dame, Innenstadt und weiter nach Les Halles, um uns etwas zu essen zu besorgen. Mitten rein ins Touristengetümmel.



In einem netten bretonischen Bistro haben wir Galettes bekommen – aber sonst war es mir eigentlich schon zu trubelig, voll und laut da im Touristenzentrum. Aber wir hatten ja auch wirklich genug angeschaut für einen Tag.


Stimmung:
ko
rabensturm: (feder)
Als wir das letzte Mal mit dem Gedanken an den Friedhof Père-Lachaise gespielt haben, war das Wetter so scheußlich, dass wir uns stattdessen in ein Ausflugsboot auf die Seine gesetzt haben und die Stadt durch nasse Scheiben betrachtet haben. Diesmal war das Wetter besser, noch am Ankunftstag haben wir uns aufgemacht zum Friedhofsbesuch. Dafür sind wir Bus gefahren – offenbar leider schwarz, weil es die Fahrten nicht von den Tickets abgebucht haben… aber der Busfahrer hat nix gesagt, so dass wir uns keine Schuld bewusst waren. Beim Busfahren sieht man mehr von der Stadt als bei der Metro, das war super, auch wenn man sich natürlich immer erst auf die Suche nach einer Haltestelle machen muss. Dafür sind wir einfach mal einem Bus hinterhergelaufen und haben an der Haltestelle dann auf den nächsten gewartet.

Der Friedhof Père-Lachaise ist sehr berühmt – für schöne Grabstätten, für berühmte Personen, die dort bestattet wurden. Er ist dabei (lerne ich bei Wikipedia) die erste als Parkfriedhof angelegte Begräbnisstätte der Welt.



Ich fand den Friedhof überraschend hangig, das ging ganz schön bergauf, über breite oder schmale Wege oder Treppen und verschiedene Ebenen. Ziemlich weit oben ist dann das Kolumbarium und das Krematorium.



Durch die Höhe über der Stadt gab es auch eine schöne Aussicht über die Stadt.



Schöne Grabstätten gab es eine Menge, außerdem war es sehr schön grün und herbstlich verwunschen. Grabstätten berühmter Personen haben wir nicht besonders aktiv gesucht – an dem von Oscar Wilde sind wir vorbeigekommen, auf das von Chopin hat uns eine nette Dame hingewiesen. Das von Jim Morrisson haben wir nicht gefunden, war aber nicht schlimm.



Das ist das von Oscar Wilde – mit großem Gedränge und Glasplatte zum Schutz vor Kussmündern.

Ich mochte die Vielfältigkeit der Grabstätten und die Natur drumrum – wir haben Krähen beobachtet und grüne Papageien gesehen.



Außerdem waren wir überrascht, dass alte und neue Bestattungen so durcheinander sind und, dass offenbar auch überall noch neue Gräber angelegt werden. Ein wenig befremdlich immer die Grabsteine und Statuen von Personen, die noch gar kein Sterbedatum haben.

Doch, ein sehr lohnender Besuch. Da kann man bestimmt auch noch bei vielen Besuchen viel mehr malerische und spannende Ecken entdecken. Und zeichnen bestimmt auch, aber dafür war vor Ort natürlich keine Zeit. ;)

Natürlich sind eine ganze Menge Menschen unterwegs, viele Führungen und Gruppen, auch wenn sich das durchaus auf der riesigen Fläche verläuft. Ich mag mir aber gar nicht vorstellen, wie das im Sommer ist, wenn da noch mal mehr Menschen unterwegs sind…

Wir sind noch ein bisschen herumgelaufen, dann (nicht schwarz) mit der Metro zurückgefahren und haben an der Metrostation noch eine Bowl verspeist.

Stimmung:
Natur in der Stadt
rabensturm: (kompass)
Für die Woche Herbsturlaub wollten wir an die Loire, wo wir schon längst mal die Schlösser besichtigen wollten. Dazu gab es zwei Tage Paris, um endlich mal in den Louvre zu kommen und der Stadt noch mal eine Chance zu geben. Bisher waren wir ja immer bei „Frankreich ist schön, aber Paris ist seltsam“, nicht zuletzt durch den Koffer, den wir einstmals an einem der Pariser Bahnhöfe eingebüßt haben. :p

Diesmal hat sich Paris von seiner guten Seite gezeigt – nichtsdestotrotz ist es eine sehr große Großstadt und da komme ich mir doch immer ein bisschen unbehaglich vor als Dorfkind.



Aber erst mal ein paar Eckdaten:

Wir sind mit dem Zug angereist – ich am Freitag bis Köln, wo wir noch einmal übernachtet haben. Am Samstag ging es mit dem Zug weiter nach Paris (was deutlich schneller geht als die Strecke quer durch Deutschland).

In Paris haben wir zwei Nächte in der Nähe der Müllverbrennungsanlage übernachtet – das war eine spaßige Wegmarke, aber im Grunde nicht hinderlich. Das Viertel machte einen neu gebrauten Eindruck, aufgeräumt und großzügig und über die Metrostation an der Bibliothèque Francois Mitterrand waren wir auch gut angebunden.

Am Montag reisten wir mit dem Zug vom Bahnhof Austerlitz Richtung Orleans, wo wir etwas außerhalb in Fleury-les-Aubrais unseren Mietwagen abgeholt haben. Das war ein bisschen mühselig, weil der Weg vom Bahnhof in den Außenbereich sich doch ganz schön zog und auch die Adresse nicht so ganz stimmte… aber am Ende hat es doch geklappt und das auch schneller als erwartet. Wir hatten ja auch einen Zug früher erwischt als geplant (und sind nicht sicher, ob der eigentlich geplante dann nicht doch ausgefallen war).

Auto jedenfalls. Wir haben es Hattie getauft und waren nun mobil und haben uns aufgemacht in Richtung Loire. Also Orleans liegt an der Loire, aber da sich das Gebiet mit den Schlössern doch über eine beachtliche Strecke ausbreitet, hatten wir uns weiter westlich eingerichtet. Die Besichtigungsziele weiter östlich haben wir dann eben auf dem Weg mitgenommen. Das heißt, auf dem Hinweg Château Chambord und auf dem Rückweg Château Chenonceau. Das hat geklappt, mit dieser Besichtigung waren wir dann aber doch eine ganze Weile unterwegs (mautpflichtige Autobahn vermeidend), um schließlich unser Quartier in Chinon zu erreichen.

Chinon ist ein historisch bedeutsamer Ort, mit einer Burg statt Schloss, und gelegen an der Vienne und nicht der Loire. Aber ein guter Stützpunkt und eine nette, über 3 Etagen verwinkelte Ferienwohnung.

Rückzu dann das selbe – das Auto in Fleury-les-Aubrais abgeben, durch den endlosen Tunnel zum Bahnhof rollkoffern, zurück nach Paris fahren (diesmal ohne Sitzplatz weil voller Zug) und dann da noch mal übernachten.

Für den Rückweg nach Hause habe ich es dann mit der direkten Verbindung über Frankfurt versucht, mit sportlicher Umsteigezeit von 15 Minuten. – Auf dem Hinweg hatte ich mich das nicht getraut, weil wenn der französische Zug weg ist, ist es blöd – aber von Frankfurt nach Dresden fährt ja immer wieder was. Ich habe den Anschluss aber mit einem Spurt bekommen – nur um da erst mal festzusitzen, weil der Lokführer fehlte. Immerhin hatte ich einen Sitzplatz, was in dem sehr vollgestopften Zug nicht für jeden galt… Nach einer Stunde etwa gab es einen Lokführer, wir fuhren bummelig los und sind dann mit etwa anderthalb Stunden Verspätung in Dresden angekommen. Im Grunde kann man darüber nicht meckern bei einer so langen Strecke (ich bezweifle, dass man mit dem Auto von Paris bis Dresden pünktlicher wäre), aber anstrengend ist es dann doch so lange. Von Köln nach Dresden macht die letzte Stunde immer keinen Spaß mehr – von Paris aus hatte ich schon 2 Stunden vor dem Ziel keine Lust mehr. :p

Aber gut, im Grunde hat alles wie geplant geklappt, kein Grund zu klagen, außer natürlich, dass die Zeit immer zu schnell vorbeigeht. :p Die Reisezeit war aber sehr gut gewählt – übersichtliche Touristenströme, dafür wunderbar herbstfarbige Allee und rieselndes Laub. Okay, Regen auch, aber das kann einem ja auch im Sommer passieren.

Das Reiseziel war schön, wir haben viele schöne Dinge gesehen – wir haben uns aber auch angeguckt und gesagt, dass wir das nicht unbedingt noch mal brauchen, weil die Schlösser doch schon alle irgendwie ähnlich aussehen. Mal von Chambord und Chenonceau abgesehen, können wir die vermutlich nicht auseinanderhalten… aber wer weiß, vielleicht mal als eine Flusskreuzfahrt mit vollem Touristenverwöhnprogramm. *g*



Das ist übrigens die Vienne, nicht die Loire, weil man von letzterer doch eher selten was zu sehen bekam.

Stimmung:
dokumentierend
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Ich war am Wochenende in NRW zum Klassentreffen der Kleinenkunstklasse. Das war in der Katholischen Akademie Schwerte, in einem beeindruckenden Bau des Backsteinbrutalismus – und war sehr schön in kreativer Geselligkeit. :)

Und weil ich schon mal so weit im Westen war, hatte ich Silph gefragt, ob sie Zeit und Lust hat, den Sonntag und Montag noch was gemeinsam zu unternehmen. Hatte sie, also haben wir mit Kunst weitergemacht und sind nach Essen gefahren. Dort gibt es zum einen das berühmte Museum Folkwang, zum anderen das Weltkulturerbe der Zeche Zollverein.

Museum Folkwang

Das Museum Folkwang ist ein Kunstmuseum, das auf die Sammlung eines Hagener Mäzens Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Dieser Herr sammelte moderne Kunst, vor allem deutscher und französischer Meister, traf unter anderem Matisse, Rodin, Renoir, Cézanne persönlich, um direkt deren Werke zu erwerben. Das Museum erwarb damit früh Werke des Impressionismus und später Expressionismus.



Van Gogh, Rodin, Gauguin und Signac in einem Raum (wer hat, der kann).

Auch moderner Moderne Kunst wird gezeigt – in thematischer Hängung, die sich uns nicht immer ganz erschloss. Aber sehenswert war es auf jeden Fall, nur mit Videokunst kann ich persönlich nichts anfangen und hab da lieber einen Bogen drum gemacht.



Das Gebäude ist auch spannend, ein klotziger Nachkriegsbau mit viel Glas und teils verwirrenden Gängen. Ich bin auch nicht ganz sicher, ob wir wirklich alles gesehen haben… Die Sonderausstellung haben wir uns gespart, uns hat die Dauerausstellung gereicht – die erfreulicherweise keinen Eintritt kostet.



Das ursprüngliche Gebäude des Museums Folkwang wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Die Sammlung war dabei ausgelagert – aber von der war schon vor der Zerstörung einiges als „Entartete Kunst“… verschwunden. Nicht zuletzt deswegen sind wohl die hängenden Kunstwerke mit einen „Provenienzampel“ ausgestattet, die in rot, gelb oder grün auf bedenkliche Lücken aufmerksam macht.

Also, lohnender Besuch – und animiert mich, auch in Dresden mal wieder ins Museum zu gehen – um wertzuschätzen, was wir so an Schätzen haben. *g*

Auf dem Weg durch die Stadt sind wir am Essener Münster vorbeigekommen. – Ja, Essen hat eine Geschichte vor der Industrialisierung, das Gebäude hier geht genau gesagt auf ein Frauenstift aus dem Jahre 845 zurück. Ecken sehen noch romanisch aus, die Hallenkirche ist aber wohl gotisch und wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut.



Sehr hübsch, besonders der Kreuzgang.

Zeche Zollverein

Mit der Straßenbahn sind wir zum Gelände der Zeche Zollverein gefahren. Das Förderturmdings hat man ja schon mal gesehen – wie groß das Gelände ist, davon hatte ich aber keine Vorstellung.



Die Zeche Zollverein war ein von 1851 bis 1986 betriebenes Steinkohlebergwerg und wurde 2001 mit der mit der unmittelbar benachbarten Kokerei und den Schachtanlagen UNESCO Weltkulturerbe. Es gibt ein Museum, zu dem man mit orange beleuchteter Rolltreppe hinauffahren kann und diverse Ausstellungen, Informationspunkte, Cafés, Werkstätten…

Ich wollte nicht in noch ein Museum, Füße und Kopf waren durch Folkwang schon reichlich ausgelastet, also sind wir nur so über das Gelände gelaufen. Und Treppen gestiegen. Und obskure Metallwege auf Förderbandhöhe. Da freute sich bisweilen die Höhenangst. *irx*



Aber das ist schon sehr beeindruckend. Industriekultur und Industrieromantik mit tollen Motiven in alle Richtungen. Eine Führung lohnt sich da sicher auch, viele Sachen blieben für uns rätselhaft. Vermutlich lohnen sich auch mehrere Führungen, thematisch aufgeteilt auf dem riesigen Gelände. Aber man kann nicht alles haben, Sonntag wäre ich auch nicht mehr aufnahmefähig genug gewesen für eine lange geführte Runde. Um fußlahm zu werden, hat schon unsere Runde gereicht.

Mit der Straßenbahn und der Regionalbahn ging es dann wieder zurück nach Dortmund – ein Hoch auf das Deutschlandticket – und am nächsten Tag zurück nach Hause.

Stimmung:
dokumentierend
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Fürs Zwischenwelttreffen brauchen wir immer was mittig in Deutschland – wenn man da was sucht, kommt man üblicherweise in der Gegend von Bad Hersfeld raus. Dann also gleich Bad Hersfeld oder Gegend drumrum, wo es ein passendes Quartier gab. In unserem Falle führte uns das nach Nentershausen in eine sehr schöne Ferienwohnung. Nentershausen ist dabei spaßig, weil ich da schon mal zu einem Weltenbastlertreffen war, eher rustikal in Häuschen einer Feriensiedlung.

Für uns jetzt war es praktisch mit guter Infrastruktur für Einkauf und Essengehen. Außerdem gibt es in Nentershausen eine Burg, die zufälligerweise an dem Wochenende Burgfest hatte.



Die Burg Tannenberg ist eine wirklich schöne Burg, charmant belebt mit dem Fest, mit Händlern und Rittern und Gauklern und Pilgern und Handwerkern. Das war lebendig und machte auch einen mehr historischen Eindruck als Fantasykulisse. Wir lernten dann auch ein bisschen was über die Herren von Buchenau und Berlepsch, weil ich mit der Frage nach den Sittichen sofort in einer offenen Wunde gestochert habe. Das war sehr spaßig, die genealogischen Verwicklungen werden wir aber vermutlich zeitnah wieder vergessen.

Am nächsten Tag haben wir uns Bad Hersfeld angesehen. Normalerweise kennt man die Stadt nur vom Stau und der Baustelle auf der Autobahn – aber es ist überraschend hübsch da. Da ist noch einiges an Altstadt mit hübschen Fachwerkhäusern rund um die Stiftsruine. Da gibt es auch ein schick renoviertes Industrieviertel nahe am Zentrum.



Dort haben wir angefangen mit einem Besuch im wortreich. Das ist eine Wissens- und Erlebnisausstellung, die sich mit der deutschen Sprache befasst und auf Konrad Duden beruft, der in Bad Hersfeld wirkte (auch Konrad Zuse kam zu Wort als anderer berühmter Mensch der Stadt).

Das Museum war durchaus unterhaltsam, es gab auch viel zum Mitmachen, Spielen und Ausprobieren… aber so richtig mitgerissen hat es uns nicht. Wir haben nicht wirklich was Neues erfahren, aber wir sind vielleicht auch nicht Zielgruppe… auch wenn uns nicht so richtig klar ist, wer oder was da Zielgruppe sein mag.

Ansonsten bietet Bad Hersfeld auch noch einen Kurpark mit Trinkwasserquelle, hübschen Wegen entlang der Flussauen der Fulda. Und die schon erwähnte Stiftsruine, die im Sommer als Open Air Theater genutzt wird. Genug zu sehen, falls man sich noch mal in der Gegend treffen will – die Wohnung war ja schon sehr einladend und geeignet. Und letztendlich geht es bei einem solchen Treffen ja um die Geselligkeit und die gemeinsam verbrachte Zeit. :)



Stimmung:
dokumentierend
rabensturm: (drei)
Unser Quartier war ja nicht weit weg von der Talsperre Pöhl, wir sind auch schon vorbeigefahren, aber es war dann erst am Montag soweit, die Talsperre in all ihren touristischen Ausprägungen zu würdigen. ;)

Erste Station – Minigolf. ;) Ich bin da leider ganz schlecht drin, deshalb mache ich lieber immer die Schriftführerin, als mich bei endlosen Fehlversuchen selbst zu frustrieren. So hat es Spaß gemacht und es hatten auch alle Spaß dabei. Die Anlage direkt an der Talsperre war sehr schön und bot bei weitem nicht nur Minigolf – es gab auch Platz zum Sitzen und Picknicken, ein großes Schachfeld und ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Feld und natürlich auch gastronomische Versorgung.



Das war sehr nett man hat nur nie Sechsen gewürfelt mit dem großen Würfel.

Es war davon auch nicht weit bis zur Bootsanlegestelle der Ausflugsboote. Mit denen sind wir gefahren, bei strahlendem Sonnenschein, der schnell erbarmungslos brennend wurde. Da haben wir uns lieber ein bisschen eingehüllt – während die muntere Orchestertruppe um uns herum lieber dem Alkohol zusprach… okay…



Aber die Talsperre war sehr schön – sie ist (nach Größe des Speicherraums) die zweitgrößte Talsperre Sachsens (nach Wasserfläche immerhin noch die drittgrößte). Sie wurde 1964 in Betrieb genommen und dient dem Hochwasserschutz, der Brauchwasserversorgung und dem Freizeitvergnügen. Daher also Bootsverkehr und Wassersport und zahlreiche (Dauer)Campingplätze rund ums Wasser. Vor allem der FKK-Strand löste großes Hallo bei der Orchestertruppe aus…

Ich fand es viel lustiger, dass die Talsperre unter der Autobahn durchführt – und dass die Autobahn zuerst da war, das Wasser wurde erst später angestaut.

Wir haben uns nach der Bootsfahrt erst mal noch einen Eiskaffee/Eisbecher am Strandcafé gegönnt und die Talsperre bzw. Sperrmauer von oben angeschaut. Die Tiefe bzw. Höhe lässt sich fotografisch nur leider immer nicht so gut festhalten.



Am Abend waren wir dann in einem Gasthof nicht weit von der Staumauer entfernt, da hatte ich leckeres Curry.

Und dann war das Wochenende auch schon wieder vorbei. Am nächsten Morgen schwärmten wir alle wieder auseinander – und es war eigentlich ganz nett, mal nur einen kurzen Heimweg zu haben.

Stimmung:
sommerlich
rabensturm: (drei)
Für den nächsten Tag wählten wir einen Museumsbesuch und vertagten die Bootsfahrt auf der Talsperre noch mal. Talsperre läuft nicht weg, Museen haben aber gerne mal montags zu.

Also sind wir am Sonntag zur Deutschen Raumfahrtausstellung nach Morgenröthe-Rautenkranz gefahren.



Ich nehme mal an, dass jedem DDR-Kind Morgenröthe-Rautenkranz was sagt als Geburtsort von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im Weltraum. Genau wegen dessen Weltraumflug 1978 wurde hier bereits 1979 eine Ausstellung zu Weltraum und Raumflug gegründet. Ich war zu frühen Schulzeiten mal da, zuletzt Anfang der 90iger mit dem Astronomiekurs am Gymnasium – und habe jetzt quasi nix wiedererkannt. ;) Die MIG vielleicht, die vor dem Museum steht… die ist übrigens ein Original und war ein Geschenk bereits in den 80iger Jahren als Andenken daran, dass Sigmund Jähn seine Raumkarriere als Jagdflieger begonnen hat.

Inzwischen befindet sich die Raumfahrtausstellung in einer Halle in einem ansprechend gestalteten Gelände (ich fand ja auch den Steampunk-Bahnhof nebenan sehr ansprechend). In den nächsten Jahren soll es noch mal ein neues Gebäude geben und eine Umgestaltung der Ausstellung.

Mir hats gut gefallen. Es gab Einblicke in die Geschichte der Raumfahrt und Weltraumforschung und dem Nutzen der Raumfahrt für die Erde. Es gab Informationen über Raumfahrtprojekte, an denen sich Deutschland beteiligt und einen Überblick über deutsche Forscher, Ingenieure, Wissenschaftler, Kosmonauten und Astronauten. Und dazu eine Menge beeindruckender Originalobjekte: Ein begehbarer Basisblock der MIR, originale Raumanzüge und diverse Souvenirs und Erinnerungen verschiedener Kosmonauten und Astronauten.



Das war interessant und macht deutlich, dass die deutsche Raumfahrt eben nicht nur die bundesdeutsche Raumfahrt ist, sondern schon viel früher begann. Natürlich waren die sowjetischen Raumfahrtprogramme auch pathetisch und propagandistisch – aber das waren die amerikanischen auch. Und immerhin brachte das sowjetische Raumfahrtprogramm sehr viel früher auch Frauen in den Weltraum und Kosmonauten befreundeter Länder. Das hab ich vorher nicht gewusst, neben unserem Siegmund gab es auch polnische, tschechische, rumänische und bulgarische Kosmonauten und sogar kubanische, vietnamesische und mongolische.



Neben den zahlreichen Exponaten und Informationen gab es auch Dinge zum Ausprobieren und auch einen sehr gut gemachten Film. Man merkt, wie viel Herzblut und Engagement die Wissenschaftler und Astronauten in ihre Projekte stecken. – Viele von den deutschen Wissenschaftlern und Astronauten sind übrigens auch am Betrieb der Raumfahrtausstellung beteiligt, die wird nämlich vom
Verein Deutsche Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e. V. betrieben, der über 250 nationale und internationale Mitglieder hat, darunter fast alle deutschen Astronauten und Kosmonauten.

Ein lohnender Besuch, vielleicht noch mal, wenn sie alles neu gestaltet haben.

Wir sind nach kurzem Picknick nach Treuen weitergereist, um dort ein weithin bekanntes Eiscafé zu besuchen. Man opfert sich eben für touristische Erkundungen. ;) War lecker und es war auch viel los.

Für einen Spaziergang durch Treuen hat es dann auch noch gereicht und einen Blick auf das dortige Schloss.



Beendet haben wir den Ausflugstag dann an der Talsperre Pöhl, um schon mal ein bisschen am Ufer entlangzuschlendern und die Gegend zu erkunden.



Da gab es auch Abendessen mit Seeblick.

Astronomisch wurde es dann später noch mal mit Sonnenuntergang, Mondfinsternis und Blutmond.



Stimmung:
astronomisch
rabensturm: (Default)
Es war einmal vor vielen Jahren, dass wir beschlossen, wie Frodo über Land zu wandern mit Gepäck und Nahrung, um zu sehen, wie das so ist im Wald. Das war im Jahr 2000 und wir wanderten im Vogtland von Morgenröthe-Rautenkranz nach Adorf. Regen und Wegewirrnis schreckten uns nicht ab – hinterher ist es ja immer ein Abenteuer, von dem man sich noch lange Geschichten erzählen kann. *g* Wir wanderten also weiter, es wurde zum traditionellen Mädelswanderwochenende, auch wenn sich das Wandern zwischendurch gewandelt hat. Vom Wild campen im Wald zum Wandern mit Gepäcktransport zu einem zentralen Quartier mit täglichen Wandertouren… sind wir jetzt bei einem zentralen Quartier mit einem Wandertag, einem Museumstag und einem Touristentag mit Bootfahren und Minigolf. Und Torte natürlich. Aber wir sind auch alle 25 Jahre älter. ;)

Es ist eher Zufall, dass wir im 25. Jahr wieder im Vogtland gelandet sind (und auch in Morgenröthe-Rautenkranz), wir haben vielmehr ein zentrales Quartier gesucht (Schnittmenge zwischen Rheinland, Karlsruhe, Wien und Dresden) und dann berücksichtigt, dass Antje nur tageweise vorbeikommen kann und Katja nur auf dem Heimweg von Südtirol… auf diese Weise sind wir an der Talsperre Pöhl gelandet, auf dem Schafhübel mit Kamerunschafen vor der Tür. Es war ein wirklich schönes Haus mit toller Einrichtung und Aussicht und es war wirklich am Ende der Welt, am Ende einer Straße.



Seit meine Eltern aus dem Erzgebirge weggezogen sind, kann ich ja jetzt behaupten Erzgebirge/Vogtland als Tourist und nicht als Ortskundige zu besuchen… ein bisschen spaßig ist es aber trotzdem, so ein Ziel vor der Haustür. Dabei war ich noch nie an der Talsperre Pöhl – und es war ein wirklich schönes Ziel mit schöner Gegend und reichlich Besichtigungsmöglichkeiten (und perfektes Wetter).

Wandertag

Unser Wandertag führte uns von kurz hinter der Göltzschtalbrücke nach Greiz, eine überschaubare Strecke von knapp 10 km, die aber ein bisschen Kletterei und Abenteuer bot. Zuerst aber haben wir uns die Göltzschtalbrücke angeschaut, die immerhin die größte Ziegelsteinbrücke der Welt ist.



Die Brücke wurde 1851 als Eisenbahnbrücke eröffnet, sie ist fast 80 Meter hoch und hat in der obersten Ebene 29 Bögen. In gerade mal 6 Jahren wurde sie aus 29 Millionen Ziegeln errichtet. – Ich finde ja vor allem das Vertrauen in die neue Technik der Eisenbahn bemerkenswert, nur wenige Jahre nach den ersten (kurzen) Strecken gleich so ein Großbauwerk in Angriff zu nehmen.



Auch heute führt noch Bahnbetrieb über die Brücke (die Sachsen-Franken-Magistrale), allerdings sieht man von der Bahn aus vermutlich nicht viel von dem eindrucksvollen Bauwerk, da ist die Sicht von unten schon deutlich lohnender.

Wir haben uns die Brücke von unten und verschiedenen Seiten angeschaut – extra noch dekoriert mit einem Treff von Oldtimer-Motorädern. Das machte schon was her. *g*

Dann ging es mit dem Auto noch ein Stückchen bis zum Einstieg in die Wanderung auf dem Panoramaweg/Köhlersteig. Der führte mal höher, mal niedriger am Ufer der Göltzsch entlang immer durch den Wald. Es war schon ziemlich hangig, zwischendurch auch mit etwas Kletterei verbunden.



Köhlersteig heißt es übrigens nicht, weil da einstmals Köhler tätig waren – sondern als Andenken an einen Herrn Köhler, ich meine, er war Heimatforscher und Naturfreund.

Höchste Stellen sind die Köhlerspitzen mit um die 350 m, die einen tollen Ausblick auf das Vogtland und die Göltschtalbrücke bieten.



An den Köhlerspitzen war explizit Trittfestigkeit gefragt, das war nicht die einzige Stelle, wo es schmal und steinig war. Sturz gab es aber auf nicht-felsiger Strecke, aber immerhin ist nix schlimmeres passiert. :p

Bei Greiz sind wir dann wieder aus dem Wald gekommen – haben uns aber am Baumarkt abholen lassen, anstatt noch kilometerweise durch die Stadt zu schlappen. Susann und Michaela hatten inzwischen Besichtigungsprogramm gemacht und das offenbar sehr sehenswerte Schloss besucht. Sie konnten uns einsammeln und hatten auch schon eine Eisdiele zur Erfrischung ausgespäht. ;)

Es gab also noch Eis und Geselligkeit, einen kurzen Blick auf die Stadt. Dann Pause im Quartier und am Abend noch eine kurze Fahrt zum Gasthaus Schweizerhaus, wo es leckere Roulade mit Wickelklößen gab und als Nachtisch köstliche Tonkabohne-Mousse.

Stimmung:
wandern
rabensturm: (feder)
Der Rückweg ging in Etappen. Von unserer Autobahnraststätte bei Stafford ging es mit Cookie, unserem Mietwagen, zum Flughafen von Birmingham. Deutlich zeitiger, als wir es gebucht hatten, aber so wirklich Lust und Muße, was zu besichtigen, haben wir für dem Rückgabetermin immer nicht. Außerdem war trübes Regenwetter, das auch nicht zu Besichtigungen einlud. Also waren wir… 4 Stunden früher mit allem fertig und versuchten einfach mal, ob wir einen früheren Überlandbus nach Heathrow nehmen könnten. Das hat tatsächlich geklappt, freundlicherweise durften wir schon im vorvorherigen Bus mitfahren (es hat aber auch niemand das Ticket kontrolliert, vielleicht hätte man auch ohne mitfahren können).

Nächstes Etappenziel war also Heathrow, wo wir zwei Bushaltestellen entfernt vom Terminal noch eine Übernachtung hatten. Mit Blick auf den Flughafen (vom Restaurant aus), das war schon sehr stylisch. Dort gab es dann auch das letzte gemeinsame Abendessen, ich hatte noch mal leckeres Curry und ein Zitronentörchen als Nachtisch. Mjam.
Am nächsten Tag trennten sich dann unsere Wege. :( Ich bin von Heathrow aus nach Berlin geflogen, Silph ist von London aus wieder in den Zug durch den Tunnel gestiegen. Das hieß für uns beide vor allem warten – was alleine natürlich deutlich langweiliger ist als zu zweit.

Es hat aber alles geklappt. Mein Flieger kam ein bisschen später los, aber ich hatte von Berlin aus ein Flexticket, so dass das kein Problem sein sollte. Als optimale Zugverbindung hatte ich eine 16.29 Uhr ab Flughafen im Blick – ich bin 15.58 Uhr gelandet und hab den Zug tatsächlich gekriegt. Mit Passkontrolle, Gepäckrückgabe und Pinkelpause. Yay!

Ich bin problemlos und pünktlich nach Hause gekommen… und war dann halt zu Hause. Eigenes Bett ist ja immer schön, aber der Urlaub war zu Ende. :(

Aber schön wars. Wir haben tolle Sachen gesehen und eine wirklich schöne Zeit gehabt. :)

Zum heiteren Abschluss noch Wales in Schildern. *g*





Stimmung:
abschiedstrübsinnig
rabensturm: (feder)
Die Gegend nördlich und westlich von Birmingham, in den West Midlands, nennt man Black Country. Hier wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts im großen Stil Kohle und Eisen im Tagebau abgebaut, hier nahm die Industrielle Revolution Fahrt auf und prägte die Gegend bis in die Neuzeit. Um daran zu erinnern und die Gebäude und Strukturen dieser Zeit zu bewahren wurde 1975 das Black Country Living Museum (BCLM) gegründet, das einen auf 10 ha in die Viktorianische Zeit mitnimmt.



Das ist wirklich sehr schön und anschaulich gemacht. Es gibt ca. 40 Gebäude und eine Menge industrielle Strukturen, wie eine Mine und Kanäle mit Kanalbooten, auf denen die Industrieprodukte zur Küste gebracht wurden und von dort aus in die ganze Welt.

Das Beste war aber, dass das Museum belebt ist. In den Läden gibt es Personal und Waren aus der jeweiligen Zeit, die alten Doppelstockbusse fahren, in der Schule wird unterrichtet, im Pub kann man im Stile der Zeit einkehren und essen und trinken.



Das war wirklich super. Man kommt in ein Gebäude und als ersten sagt dort jemand: „Wir befinden uns im Jahr… 1948…“

Wir haben zuerst an einem Tanzkurs teilgenommen, bei dem wir kurze Schrittfolgen aus den verschiedenen Jahrzehnten einstudiert haben – 20iger, 30iger, 40iger, 50iger und 60iger. Das war spaßig und nicht unanstrengend.

Wir haben an einer Demonstration für Frauenrechte teilgenommen.



Es ging um den Streik der Kettenmacherinnen aus dem Jahr 1910, als diese unter der Führung von Mary Macarthur für ihre Recht und mehr Geld gekämpft haben. Das haben wir auch getan, wir sind in einem gar nicht mal so kleinen Demo-Zug durch den Ort gezogen, haben Parolen gerufen und „Rouse, ye Women!“ gesungen. Wie meine Mama sagen würde: Du immer mit deinen Demonstrationen! Weil es wichtig ist und auch damals war – die Kettenmacherinnen waren übrigens erfolgreich mit ihrem Streik.

Wir haben auch im Gewerkschaftshaus der Frauen gegessen – Jacked Potato mit Coronation Chicken, das ist sehr 1953. *g*

Wir haben auch an einer Schulstunde teilgenommen, da waren wir noch im 19. Jahrhundert. Die Lehrerin war entsprechend streng mit Rohrstock und zackigen Anweisungen, Aufgaben im Rechnen und Lesen. Sehr anschaulich und auch ein bisschen gruselig angesichts der alten Pädagogik. Und trotzdem war Bildung die Möglichkeit den harten Lebensbedingungen zu entkommen.

Über die harten Lebensbedingungen haben wir dann noch mehr erfahren bei einer Führung durch die Docks.



Die war auch sehr informativ und sehr unterhaltsam. Wir haben viel über die frühe Industrialisierung gelernt und deren Transportwege. – Es ist eine blöde Idee, Schwerindustrie mitten im Land, weit weg von jeder Küste einzurichten… aber hier waren nun mal die Rohstoffe. Hier waren die Tage schwarz vor Ruß und die Nächte rot von den Feuern. Alles, was produziert wurde, wurde zunächst über Kanäle mit von Pferden gezogenen Booten an die Küste gebracht. Es gibt hier noch Reste der Kanäle, sogar einen, wo man mit den Booten durch einen Tunnel fahren kann. – Im Tunnel ging das mit den Pferden nicht, deshalb wurden die Boote da von „Läufern“ angetrieben, Männern, die rücklings auf den Dächern der Boote lagen und an der Decke des Tunnels gelaufen sind… Liebe Güte…

Wir waren im Tunnel nicht drin (den kann man auch ohne das BCLM angucken, der wird von einem Verein betrieben und hat auch Zugang von außen). Wir haben uns nur die Kanalboote in den Docks angeschaut, in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Irgendwann wurden auch die motorisiert… und irgendwann kamen auch die aus der Mode. Gar nicht mal unbedingt, weil die Eisenbahn sie verdrängte, eher weil die Infrastruktur irgendwann nicht mehr unterhalten wurde und das Land nach dem 2. Weltkrieg von (amerikanischen) LKW überschwemmt war.

Wie überall in Europa hat auch im Black Country die Schwerindustrie im 20. Jahrhundert ihren Niedergang erlebt, so dass die Gegend immer noch mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. Es ist jedenfalls schön, dass die Geschichte hier im Museum dokumentiert und bewahrt wird.

Ein sehr lohnender Besuch und eher spontan, weil ich das kurz vor der Reise erst gesehen hatte (wir hatten zuvor walisische Sehenswürdigkeiten vorbereitet und das ist ja auf der englischen Seite). Es war allerdings wieder sehr heiß. Sonnenschein macht sich auf den Fotos gut, aber das war ganz schön anstrengend.

Von daher haben wir kein weiteres Tagesprogramm gebraucht. Wir sind zu unserer Autobahnraststätte zurückgefahren (über die nächste Abfahrt hin und zurück) und haben dort bei einem asiatischen Imbiss was gegessen.

Stimmung:
hitzegeschädigt
rabensturm: (feder)
Wir verlassen Wales. Großbritannien noch nicht, aber in Wales hatten wir erst mal alles gesehen, was wir auf der Wunschliste hatten. Ein must see sollte es aber auch an diesem Tag geben, eben auf der englischen Seite.

In eher trübem Wettern machten wir uns auf den Weg nach Osten Richtung Midlands. Unser erstes Ziel war dort ein Waldgebiet des National Trust beim Örtchen Alderly Edge. Hier könnte man historische Kupferminen besichtigen und in Höhlen kriechen, die außergewöhnliche Geologie bewundern… oder durch den Wald laufen auf der Suche nach einer magischen Quelle.



Aussicht und Wald gab es reichlich, auch wenn die Sichtverhältnisse an dem Tag eher mäßig waren. Aber The Egde bietet hier von einem Sandsteinplateau aus einen durchaus beeindruckenden Überblick über das Land. Der Aussichtspunkt nannte sich Stormy Point… und wir sind auf der Suche nach der Quelle da ein paar Mal vorbeigekommen. Dafür, dass es ein berühmtes Wandergebiet mit vielen Themenwegen (und vielen Besuchern) ist, war die Beschilderung aber bemerkenswert nutzlos. Am Ende musste uns dann das Handy helfen, um zur magische Quelle zu kommen.



Also eigentlich ist es keine magische Quelle sondern die Quelle des Zauberers, Wizards Well, und als solche mit Merlin (oder beliebigem anderen graugekleideten Zauberer) verbunden. Die Legende besagt, dass ein Bauer einst eine weiße Stute auf dem Markt verkaufen wollte. Auf dem Weg dahin begegnete er einem graugekleideten bärtigen Alten, der ihm anbot, das Pferd zu kaufen. Der Bauer wollte nicht, der Alte sagte, dass er es auf dem Markt nicht loswerden würde, beim Rückweg nach erfolglosem Markttag willigte der Bauer schließlich doch ein. Der Alte nahm ihn und das Pferd mit zu einem Felsen, wo plötzlich ein eisernes Tor erschien und wo in einer Höhle barbarossahaft Ritter schliefen, um einstmals das Land in höchster Not zu befreien. Artus‘ Ritter und Merlin, wenn man das so interpretieren möchte. Der Bauer zog mit reichem Lohn davon, die Höhle wurde nicht mehr gesehen.

Wie gesagt, wir hatten etwas Mühe, die Quelle zu finden, das war auch anstrengender als gedacht, hangauf, hangab, und da wir nicht wussten, ob wir die richtige Quelle gefunden haben, waren wir von der Mystizität des Ortes dann doch eher unterwältigt. ;)

Bevor wir weitergezogen sind, haben wir uns noch mit einem Süppchen gestärkt und aufgewärmt, dann ging es über verschlungene Pfade und winzig enge Straßen zur Grünen Kapelle.



Lud’s Church. Auch das eine arthurianische Sehenswürdigkeit. Das ist ein möglicher Ort, wo Sir Gawain dem Grünen Ritter begegnete, um dem seinen Kopf anzubieten. Wir waren vor 15 Jahren schon mal hier, die Straße war damals schon eng und schlecht. Inzwischen war aber die Mühle, als Ausgangspunkt der Wanderung renoviert – und inzwischen ist auch deutlich mehr los hier.



Durch einen Wald, über eine Brücke kommt man schließlich zum Eingang der Klamm, die sich zwischen hohen Felswänden dahinzieht. Es gehört ein bisschen Kletterei zum Abstieg, dann aber kann man sich im grüngoldenen Licht ganz wie in einer grünen Kapelle fühlen.



Wir waren nicht alleine, man musste also immer mal ein bisschen warten, um ein menschenloses Foto machen zu können. Trotzdem ist der Ort wirklich zauberhaft mit all dem Grün und der Schluchtigkeit.



Zurück an der Mühle, am Beginn des Weges, hat es noch für ein Eis gereicht. Dann sind wir sorgsam durch die engen Straßen zurückgekurvt (und dabei durch Flash, den höchstgelegenen Ort Großbritanniens gekommen, das überraschte uns hier in Mittelengland ein bisschen).

Ich hatte keine Lust mehr, unterwegs zum Quartier noch ein Herrenhaus zu besichtigen – das war auch ganz gut, weil uns der Weg durch Stoke-on-Trent doch mehr Zeit kostete, als erwartet. Stau in der Stadt, Stau auf der Autobahn… Auch unser nächstes Quartier lag an der Autobahn, eine Raststätte bei Stafford. Das war nicht idyllisch, aber praktisch. Nicht so praktisch war, dass wir fürs Abendessen nur zu McD gehen konnten… aber einmal geht das schon.

Stimmung:
mystisch
rabensturm: (feder)
Am Morgen zeigte sich die Menai Street vor unserem Hotel von ihrer melancholischen Seite.



Wir hatten es nicht weit bis zum nächsten Quartier. Zeit genug also, auf Anglesey noch was anzuschauen. Wir hatten hier vor 15 Jahren schon mal sehr ausgiebig prähistorische Stätten besichtigen, konnte es daher entspannt angehen lassen. Kein wirkliches must see.

Wir begannen bei einer Sehenswürdigkeit ohne Öffnungszeiten, dem Hügelgrab Bryn Celli Ddu.



Inzwischen gibt es einen richtigen Parkplatz mit Info-Schildern zum Hügelgrab und seiner Zeit. Es gibt einen Weg zwischen Hecken… deutlich länger, als wir das in Erinnerung hatten, aber vermutlich mag es der Landwirt auf Dauer nicht, wenn Touristen über seinen Hof latschen.

Da wir früh waren, hatten wir das Grab fast für uns alleine und konnten es von allen Seiten bewundern.



Auch von innen. ;)

Das Hügelgrab ist etwa 4000 Jahre alt (der Henge noch mal 1000 Jahre älter) und mit dem Eingang ungefähr auf die Sommersonnenwende ausgerichtet. Es gibt auch noch mehrere Gräber und stehende Steine in der Umgebung, was alles für eine bedeutende Stätte in der Vergangenheit spricht. Heutzutage ist es eher idyllisch – dann kam eine große Reisegruppe mit Klemmbrettern und wir sind lieber wieder gegangen. ;)

Das nächste Ziel hatte Öffnungszeiten, das war Plas Newydd, direkt am Ufer der Menai Street. Auch zu diesem Herrenhaus gehörte wieder eine große Park- und Gartenanlage – aber es ist auch von innen sehenswert. Von außen ist das Haus selbst ja eher… kastig.



Wohl berühmtester Besitzer des Anwesens war Henry Paget, 5. Marquess of Anglesey, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen exzentrischen Vergnügungen ein enormes Vermögen verschleuderte. Sein Nachfahre vernichtete alle persönlichen Unterlagen und ließ das Haus nach seinen Vorstellungen wieder umgestalten. Innen zeigt es sich also eher im Stand der Umbauarbeiten der 1930iger und 4oiger Jahre.



Noch immer hat die Familie des Marquess ein Wohnrecht in den oberen Räumen des Anwesens. Vom vorherigen Marquess, der ein Militärhistoriker war, kann man das Arbeitszimmer besichtigen, so wie er es 2013 hinterlassen hatte. Militärische Objekte kann man im Haus auch sehen, zum Beispiel ein Holzbein des 1. Marquess, der sein Bein in der Schlacht bei Waterloo verloren hatte.

Wir sind weitergezogen. Letztes Ziel auf Anglesey war Penmon Point an der Ostküste. An die Küste selbst kamen wir nicht, aber es gibt da trotzdem was zu sehen. Ein historisches Taubenhaus, die heilige Quelle des Heiligen Seiriol und die Reste einer Abtei und ihre hübsche Kirche.



Wir hatten überlegt, auch in Beaumaris anzuhalten und vielleicht was zu picknicken. Beaumaris liegt malerisch an der Küste, ist ein hübsches Örtchen und hat die wohl schönste der Edwardinischen Burgen. – Es war uns da aber zu viel los, also sind wir direkt zurück aufs Festland gefahren.

Unser nächstes Ziel war Gwrych Castle, in dessen Torhaus wir prinzessinnengleich übernachten wollten. Gwrych ist eine sehr beeindruckende und sehr große Anlage:



Innen ist es aber so gut wie leer. Es gibt nur einzelne erhaltene Räume, der Rest sind Fassade und dachloses Gemäuer. Man versucht, es zu erhalten, ein Wiederaufbau erscheint aber illusorisch.



Man kann vom Castle aus das Meer sehen, das ist auch sehr schön.

Auch dieses Castle stammt übrigens nicht aus dem Mittelalter. Es wurde im 19./20. Jahrhundert im neogotischen Stil erbaut und verfiel, weil es der Gatte der letzteren Besitzerin seiner Frau heimzahlen wollte. Also zumindest so unsere Deutung der Familiengeschichte der Winifred Cochrane, Countess of Dundonald… traurig, dass damit kaum 50 Jahre gereicht haben, das einst prächtige Anwesen in ein hohles Gerippe zu verwandeln.

Ein Torhäuschen am Ende des Geländes wurde immerhin wieder hergerichtet – da kann man übernachten in einem Raum oder in einer Ferienwohnung – sehr stylisch mit eigenem Code für das Zugangstor.



Stylisch auch die Wohnung mit dem Bad im Schrank. *g*

Wir haben als nächstes einen Spaziergang zum Meer gemacht, auch in der Hoffnung, da in der Mobile Home-Siedlung was zu essen zu finden. Essen gabs keins in fußläufiger Entfernung, aber schöne Aussicht.



Gegessen haben wir dann im Nachbarort Abergele. Im ersten Pub, den wir gefunden haben, the Harp Inn, wo ich ein ausgezeichnetes vegetarisches Mushroom Stroganoff hatte. Immer wieder erstaunlich, wenn man in so rustikalen Lokalitäten so leckere Gerichte bekommt (immer frisch gekocht, oft mit vegetarischer Auswahl).

Stimmung:
am Meer
rabensturm: (feder)
Der Himmel weinte, als wir Snowdonia verließen… wir wollten einen Garten anschauen, das ist bei Regen nicht so schön – aber beim Wandern in den Bergen wäre es weitaus unangenehmer gewesen. Wir ließen uns also nicht verdrießen und ganz so nass, wie es aussah, war es dann gar nicht. Wir haben die Schirme zwar mal aufgeklappt, aber meistenteils ging es so.



Wir besuchten Bodnant Garden, einen botanischen Garten mit Arboretum von 32 ha Größe. Es ist – laut Wikipedia – einer der spektakulärsten und am meisten bewunderten Gärten im Vereinigten Königreich und bekannt für seine Pflanzensammlungen. Er befindet sich im Besitz des National Trust. Hier wachsen einige der höchsten Urweltmammutbäume des Vereinigten Königreichs.

Wir sind ohne besonderes Ziel durch den Garten geschlendert, amüsiert von den Ferienaktionen, für die Wallace und Gromit Pate standen und immer mal wieder zu Spielen aufriefen.

Wir haben schöne alte Bäume gesehen, den See mit dem Bootshaus, viel Gelände mit Blick auf das Herrenhaus, das immer noch im Besitz der Familie ist.



Wir haben einen verwunschenen Turm entdeckt, Treppen und Klippen.



Und eine italienische Mühle.



Überall blühten Hortensien. Das war sehr schön. Es müsste auch irgendwo Rhododendron geblüht haben, da es ein Anliegen bei der Gartengestaltung war, das immer Rhododendron blüht. Man hat viele verschiedene Sorten angepflanzt und sehr viele neue Züchtungen… gezüchtet.

Davon haben wir in der Mühle erfahren, in der eine kleine Ausstellung zum Garten und seiner Geschichte gezeigt wurde. Das war nett.

Weiter am Haus wurde es dann weniger wild und baumig, da gab es wieder blumig bepflanzte Terrassen, einen Lilienteich und einen Rosengarten mit Sphingen.



Besonders gerühmt wurde die Aussicht von der Terrasse, von wo einst die Herrschaften ihr ganzes Land überblicken konnten.



Nun ja.

Wir haben den Besuch nicht allzu sehr ausgedehnt, es war nun wirklich nicht gemütlich. Richtung Nordküste wurde das Wetter dann aber besser, so dass wir Conwy dann ohne Schirm besichtigen konnten.

Conwy ist eine Stadt mit einer Burg von König Edward (ich berichtete schon von seinen Burgen rund um Wales). Die Burg ist heute noch beeindruckend, so wie die Stadtmauer, die immer noch die Stadt umschließt. Vor allem ist es beeindruckend, wenn man sich mit dem Auto durch die schmalen Stadttore quetscht und einem dann ein Müllauto entgegen kommt… Auch die Parkplatzsuche war etwas abenteuerlich, aber wir haben doch ein Plätzchen gefunden und dann die Stadt angeschaut.

Das Castle kannten wir schon, deshalb haben wir das links liegen gelassen und statt dessen ein Stadtpalais aus der Elisabethanischen Zeit angeschaut, Plas Mawr.



Das Renaissancegebäude aus dem 16. Jahrhundert wurde in den 1990iger Jahren aufwendig restauriert – wir haben ein Filmchen gesehen, wie sie einen 6 Meter langen Balken ins Gefüge eingezogen haben. Aber es wurden auch die Farben restauriert und vor allem die aufwendigen Stuckarbeiten.



Historische Zimmer in frischen Farben sehen immer etwas seltsam aus, ungewohnt, aber so konnte man einen Gesamteindruck bekommen. Einige Räume sind auch der Zeit entsprechend eingerichtet und bieten auf diese Weise einen Einblick in die Vergangenheit.

Wohnräume, Wirtschaftsräume und auch ein Innenhof mit historisch hergerichtetem Garten. Man kann im Haus bis auf den Dachboden hochsteigen. Auch der ist als Wohnraum eingerichtet, so wie er im 19. Jahrhundert vermietet war. Lange Zeit war das prächtige Herrenhaus ein Wohnhaus mit zusätzlich eingezogenen Wänden.

Sehr spannend also und eine Zeit, mit der man nicht so vertraut ist. Sonst hat man ja eher Mittelalter in Schlössern oder Herrenhäuser aus dem 18. oder 19. Jahrhundert.

Durch Conwy sind wir dann auch noch ein bisschen gelaufen, bis zum Hafen mit Blick auf das Castle – und auf der Mauer entlang mit Blick auf das Castle.



Castle und Mauer sind überall. ;)

Für unser Quartier sind wir dann über die Menai Street auf die Insel Anglesey gefahren. Wir hatten ein Quartier direkt am Wasser mit Zimmer mit Seeblick. – Man musste nur erst mal hinkommen, weil eine schmale und unübersichtliche Singletrackroad hinführte, auf der einem wirklich keiner entgegenkommen durfte. *irx*



Also sind wir den Abend dort geblieben, sind noch ein bisschen am Ufer entlang geschlendert und haben dann im Hotel gegessen. Sehr gut gegessen, ich hatte Lamm Hotpot.

Stimmung:
nass
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