Weltkulturerbe Corvey
12 Sep 2026 03:29 pmDa wir aus dem Alter raus sind, wo wir mehrere Tage am Stück lange Wanderungen machen, suchen wir uns an dem langen Wochenende auch immer was Kulturelles, was man besichtigen kann. Hier an der Weser war das Kloster Corvey, das im benachbarten NRW bei Höxter liegt.
Corvey war ein bedeutendes karolingisches Kloster, wurde später Fürstabtei und schließlich Schloss, nachdem das Anwesen nach Napoleon und dem Wiener Kongress in den Besitz der Herzöge von Ratibor kam. Der herzöglichen Familie gehört das Anwesen noch heute, sie wohnt da auch noch (Nordflügel, Erdgeschoss).

Wir haben den ganzen Tag in Corvey verbracht. Wir haben mit einer Führung angefangen, im Café zu Mittag gegessen. Dann haben wir die Gärten angeschaut und noch mal in Ruhe das Gebäude. Dann haben wir Kaffee getrunken… und dann waren wir doch ein bisschen fußlahm. Aber der Guide war erfreut, als er uns am späten Nachmittag noch mal gesehen hat, dass wir uns so gründlich mit der Materie beschäftigen. ;) Der Guide war ohnehin sehr unterhaltsam, mit sehr trockenem Humor brachte er uns viel Wissenswertes nahe. Das Jahr der Klostergründung war prüfungsrelevant (822!), das merken wir uns noch eine Weile. ;)

Das ist das Westwerk von Corvey, der karolingische Gebäudeteil, der hauptsächlich das Weltkulturerbe bildet (genauer: Karolingisches Westwerk und Civitas Corvey). Die Fassade besteht also bereits seit dem 9. Jahrhundert, als das Kloster von Ludwig dem Frommen, einem Sohn Karls des Große, gegründet wurde (822!). Es waren benediktinische Mönche aus dem Kloster Corbie, in Frankreich, die die Gegend besiedelten, und die Abtei zu einem kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum im Gebiet der Sachsen machten.
Das Westwerk war ursprünglich eine Dreiturmanlage, heute bestehen nur noch die beiden Flankentürme. Aber man sieht noch romanische Bauteile und die verschiedenen folgenden Bauphasen. Innen gibt es noch alte originale Säulen und im Obergeschoss romanische Fresken. Das Westwerk war nicht nur Kirchengebäude, es war auch Repräsentationsbau, in dem die deutschen Kaiser auf ihren Reisen Station machten und Hof hielten.

Über der Tür steht noch immer (als Replik, das Original ist drinnen) die Tafel mit der Botschaft: CIVITATEM ISTAM TV CIRCVMDA DNE ET ANGELI TVI CVSTODIANT MVROS EIVS (Herr, umgib diese Stadt und lass deine Engel Wächter ihrer Mauern sein).
Der Dreißigjährige Krieg machte dem Kloster sehr zu schaffen, aber im 17. Jahrhundert erfolgte der Wiederaufbau im Barockstil. So sieht dann auch die Kirche aus, viel Gold und viel barocke Pracht.

Gleich daneben der Kreuzgang, wieder deutlich schlichter und angenehmer.
Berühmt war Corvey auch für seine Klosterbibliothek, die einzigartige Schätze enthielt, schuf und vervielfältigte. Auch heute ist Corvey für seine Bibliothek berühmt – das ist aber eine andere. Die Klosterbibliothek ist leider verbrannt, die Bibliothek heute ist die größte und kostbarste Privatbibliothek Deutschlands. Sie wurde von den Fürsten von Ratibor gesammelt und von den im Osten liegenden Schlössern hierher verbracht. Berühmter Bibliothekar war Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der viel Mühe damit verbrachte den bestand, der viel aus Trivialromanen und Reiseliteratur bestand mit intellektuellen Schriften aufzuwerten.

Heute ist gerade die Trivialliteratur aus dem Biedermeier und der Romantik spannend, weil das eben üblicherweise nicht in hochherrschaftlichen Bibliotheken erhalten wurde.
Es sind 15 schön restaurierte Räume mit Büchern über Büchern… wir hatten die Nase an vielen Buchrücken, bis wir dann in den letzten beiden Räumen dann doch noch die historischen Schmachtfetzen und Nackenbeißer fanden. *g*
Also sehr schön das ganze Gebäude. Und auch der Garten war sehr schön, den wir als nächstes angeschaut haben: den Remtergarten.

Da ist jetzt natürlich eine sehr passende Jahreszeit, es blüht und duftet im Blumengarten. Die Obstbäume tragen Früchte, Gemüse reift.

Da sind wir eine ganze Weile herumgeschlendert, haben geguckt und geschnuppert oder auch einfach mal nur ein Weilchen auf einer Bank gesessen.
In unserem Kombi-Ticket wäre auch noch der Archäologiepark drin gewesen – da wir dazu aber keine Lust mehr hatten, wissen wir nicht, ob und was es da archäologisches zu sehen gibt.
Insgesamt jedenfalls ein sehr lohnender Ausflug zu einer wirklich schönen Anlage. Und ein Weltkulturerbe mehr, dass wir jetzt mal mit eigenen Augen gesehen haben. :)
Stimmung:
informiert
Corvey war ein bedeutendes karolingisches Kloster, wurde später Fürstabtei und schließlich Schloss, nachdem das Anwesen nach Napoleon und dem Wiener Kongress in den Besitz der Herzöge von Ratibor kam. Der herzöglichen Familie gehört das Anwesen noch heute, sie wohnt da auch noch (Nordflügel, Erdgeschoss).

Wir haben den ganzen Tag in Corvey verbracht. Wir haben mit einer Führung angefangen, im Café zu Mittag gegessen. Dann haben wir die Gärten angeschaut und noch mal in Ruhe das Gebäude. Dann haben wir Kaffee getrunken… und dann waren wir doch ein bisschen fußlahm. Aber der Guide war erfreut, als er uns am späten Nachmittag noch mal gesehen hat, dass wir uns so gründlich mit der Materie beschäftigen. ;) Der Guide war ohnehin sehr unterhaltsam, mit sehr trockenem Humor brachte er uns viel Wissenswertes nahe. Das Jahr der Klostergründung war prüfungsrelevant (822!), das merken wir uns noch eine Weile. ;)

Das ist das Westwerk von Corvey, der karolingische Gebäudeteil, der hauptsächlich das Weltkulturerbe bildet (genauer: Karolingisches Westwerk und Civitas Corvey). Die Fassade besteht also bereits seit dem 9. Jahrhundert, als das Kloster von Ludwig dem Frommen, einem Sohn Karls des Große, gegründet wurde (822!). Es waren benediktinische Mönche aus dem Kloster Corbie, in Frankreich, die die Gegend besiedelten, und die Abtei zu einem kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum im Gebiet der Sachsen machten.
Das Westwerk war ursprünglich eine Dreiturmanlage, heute bestehen nur noch die beiden Flankentürme. Aber man sieht noch romanische Bauteile und die verschiedenen folgenden Bauphasen. Innen gibt es noch alte originale Säulen und im Obergeschoss romanische Fresken. Das Westwerk war nicht nur Kirchengebäude, es war auch Repräsentationsbau, in dem die deutschen Kaiser auf ihren Reisen Station machten und Hof hielten.

Über der Tür steht noch immer (als Replik, das Original ist drinnen) die Tafel mit der Botschaft: CIVITATEM ISTAM TV CIRCVMDA DNE ET ANGELI TVI CVSTODIANT MVROS EIVS (Herr, umgib diese Stadt und lass deine Engel Wächter ihrer Mauern sein).
Der Dreißigjährige Krieg machte dem Kloster sehr zu schaffen, aber im 17. Jahrhundert erfolgte der Wiederaufbau im Barockstil. So sieht dann auch die Kirche aus, viel Gold und viel barocke Pracht.

Gleich daneben der Kreuzgang, wieder deutlich schlichter und angenehmer.
Berühmt war Corvey auch für seine Klosterbibliothek, die einzigartige Schätze enthielt, schuf und vervielfältigte. Auch heute ist Corvey für seine Bibliothek berühmt – das ist aber eine andere. Die Klosterbibliothek ist leider verbrannt, die Bibliothek heute ist die größte und kostbarste Privatbibliothek Deutschlands. Sie wurde von den Fürsten von Ratibor gesammelt und von den im Osten liegenden Schlössern hierher verbracht. Berühmter Bibliothekar war Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der viel Mühe damit verbrachte den bestand, der viel aus Trivialromanen und Reiseliteratur bestand mit intellektuellen Schriften aufzuwerten.

Heute ist gerade die Trivialliteratur aus dem Biedermeier und der Romantik spannend, weil das eben üblicherweise nicht in hochherrschaftlichen Bibliotheken erhalten wurde.
Es sind 15 schön restaurierte Räume mit Büchern über Büchern… wir hatten die Nase an vielen Buchrücken, bis wir dann in den letzten beiden Räumen dann doch noch die historischen Schmachtfetzen und Nackenbeißer fanden. *g*
Also sehr schön das ganze Gebäude. Und auch der Garten war sehr schön, den wir als nächstes angeschaut haben: den Remtergarten.

Da ist jetzt natürlich eine sehr passende Jahreszeit, es blüht und duftet im Blumengarten. Die Obstbäume tragen Früchte, Gemüse reift.

Da sind wir eine ganze Weile herumgeschlendert, haben geguckt und geschnuppert oder auch einfach mal nur ein Weilchen auf einer Bank gesessen.
In unserem Kombi-Ticket wäre auch noch der Archäologiepark drin gewesen – da wir dazu aber keine Lust mehr hatten, wissen wir nicht, ob und was es da archäologisches zu sehen gibt.
Insgesamt jedenfalls ein sehr lohnender Ausflug zu einer wirklich schönen Anlage. Und ein Weltkulturerbe mehr, dass wir jetzt mal mit eigenen Augen gesehen haben. :)
Stimmung:
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