Louvre

7 Nov 2025 05:15 pm
rabensturm: (wirbel)
Diesmal wollten wir in den Louvre, wenn wir schon in Paris sind – sonst haben wir immer nur kopfschüttelnd vor der langen Schlange gestanden. Diesmal haben wir uns vorab ein Zeitticket gebucht – standen aber trotzdem in der Schlange für unseren Timeslot. Und wurden auf den letzten Metern zum Einlass auch noch angeregnet. :p

Aber erst mal außen:



Da ist es ja die markante Glaspyramide, die sofort alle Blicke auf sich zieht. Seit den 1980iger Jahren dient sie als Eingang in das Museum, da sich auf mehreren Ebenen im historischen Schloss befindet. Die Sammlung geht auch auf die königlichen Sammlungen zurück, dann später auf die Sammlungswut von Napoleon. Es finden sich Kunstwerke vom 7. Jahrtausend vor Christus bis in die 1850iger Jahre. Viel berühmte Kunst.



Natürlich die Mona Lisa. Ehrlich gesagt mag ich das Bild gar nicht soo besonders, ich finde es nicht besonders mystisch oder bezaubernd… aber wenn man schon mal da ist… Wir hatten den ersten Timeslot des Tages, sind auch zielstrebig und flott als erstes zur Mona Lisa geeilt, um das obligatorische Foto machen zu können. – Auch um die Zeit schon in ziemlichem Gedrängel. – Danach konnten wir das Museum entspannt durchstreifen. Ein paar Dinge wollten wir schon auch gezielt sehen, aber das war weniger bedrängt als bei der Mona.



Die Nike von Samotrake, die Venus von Milo. Die Stele von Hamurapi. Gilgamesch. Ein bisschen Rembrandt und Ingres, Delacroix und Holbein.



Dabei ist der Louvre sehr geeignet, um sich da drin zu verlaufen, die Pläne halfen nur bedingt weiter zur Orientierung. Es sind drei Flügel: Denon, Richelieu und Sully, über vier Ebenen. Wenn man sich von der ersten Etage entfernt hat, war man eigentlich auch die Menschenmengen los, da konnte man entspannter schlendern.

Es gab einige Kunst, vor der ich überrascht stand: „Ach, das ist hier?“ (Holbeins Anna von Cleve), „Das ist aber klein“ (Vermeers Spitzenklöpplerin oder Delacroix‘ „Die Freiheit führt das Volk“) oder „Das sind aber viele Bilder“ (Rubens Zyklus über Maria di Medici). Das war schon sehr interessant, spannend und sehenswert. Natürlich ist so große Kunst sehenswert und eine so große Vielfalt. Der Louvre ist ja ein Kunstmuseum, ein Palast mit prächtiger Ausstattung, eine Skulpturensammlung, eine Orientsammlung und was immer noch in einem.



Da sind wir extra noch mal hin, ich mag die geflügelten Stiere und Ishtars Gänseblümchen, das ist auf jeden Fall sehenswert, selbst wenn da unsere Aufmerksamkeit schon etwas gelitten hatte. Immerhin hatten wir was gegessen. – Dazu sind wir aus dem Museumsbereich raus (als wir endlich rausgefunden hatten, dass unsere Karte uns wieder reinlässt) und da gab es diverse Bistros, die in Massenabfertigung Sandwiches, belegte Baguettes, Salate und dergleichen angeboten haben. Man konnte sich aber nicht wirklich hinsetzen damit, es gab nur so blöde Anlehnbänke, damit man es sich auch nur nicht zu bequem macht in der Massenabfertigung. :p Das war blöd, denn bei einem langen Museumsbesuch wird man – also ich jedenfalls – schnell fußlahm und da ist Ausruhen im Sitzen schon wichtig. In den Kunsträumen gab es reichlich Gelegenheiten zum Sitzen, aber im Außenbereich war es schon sehr ungastlich…

Was den Diebstahl angeht… eine Woche vor unserem Besuch war ja in den Louvre eingebrochen worden, um Juwelen zu stehlen.



Da war kaum was von zu merken. Die Sicherheitskontrolle am Eingang war eher lax, es hat auch niemanden wirklich interessiert, ob man Getränke mit rein nimmt. Der Bereich des Diebstahles – die Apollongalerie – war abgesperrt, sonst hat man nichts von dem Ganzen mitbekommen.

Die leeren goldenen Rahmen haben auch nichts mit Verbrechen dazu – die waren lediglich Hinweis darauf, dass auch die Rahmen Kunstwerke und große Handwerkskunst sind, die man gleichfalls mit Aufmerksamkeit würdigen sollte.

Also insgesamt sehr sehenswert, aber auch anstrengend. Wenn man unbedingt irgendwas spezielles sehen will, sollte man sich vorher entsprechend informieren, ansonsten fanden wir es netter, uns einfach so durch die Räume treiben zu lassen. Die Räume selbst sind übrigens auch sehenswert, Gold und Prunk der französischen Könige und Kaiser.



Vielleicht auch mal nach oben schauen oder unscheinbare Wendeltreppen benutzen. ;) Und auf jeden Fall sollte man sich vor der Mona Lisa mal umdrehen, weil der gegenüber Veroneses monumentale Hochzeit von Kana hängt – was man sich immer dabei gedacht hat, da ist die Wahrscheinlichkeit wirklich gering, dass es jemand bemerkt oder würdigt.

Am Ende waren wir dann fußlahm und die Aufmerksamkeit erschöpft. Wir waren ein bisschen vom Shop enttäuscht und haben uns im Untergrund auf der Suche nach dem Ausgang noch mal verlaufen… also sind wir erst mal in unser Quartier an der lauschigen Müllverbrennungsanlage gefahren, um uns etwas zu erholen.

Am frühen Abend sind wir dann noch mal aufgebrochen Richtung Notre Dame, Innenstadt und weiter nach Les Halles, um uns etwas zu essen zu besorgen. Mitten rein ins Touristengetümmel.



In einem netten bretonischen Bistro haben wir Galettes bekommen – aber sonst war es mir eigentlich schon zu trubelig, voll und laut da im Touristenzentrum. Aber wir hatten ja auch wirklich genug angeschaut für einen Tag.


Stimmung:
ko
rabensturm: (Default)
Ich war am Wochenende in NRW zum Klassentreffen der Kleinenkunstklasse. Das war in der Katholischen Akademie Schwerte, in einem beeindruckenden Bau des Backsteinbrutalismus – und war sehr schön in kreativer Geselligkeit. :)

Und weil ich schon mal so weit im Westen war, hatte ich Silph gefragt, ob sie Zeit und Lust hat, den Sonntag und Montag noch was gemeinsam zu unternehmen. Hatte sie, also haben wir mit Kunst weitergemacht und sind nach Essen gefahren. Dort gibt es zum einen das berühmte Museum Folkwang, zum anderen das Weltkulturerbe der Zeche Zollverein.

Museum Folkwang

Das Museum Folkwang ist ein Kunstmuseum, das auf die Sammlung eines Hagener Mäzens Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Dieser Herr sammelte moderne Kunst, vor allem deutscher und französischer Meister, traf unter anderem Matisse, Rodin, Renoir, Cézanne persönlich, um direkt deren Werke zu erwerben. Das Museum erwarb damit früh Werke des Impressionismus und später Expressionismus.



Van Gogh, Rodin, Gauguin und Signac in einem Raum (wer hat, der kann).

Auch moderner Moderne Kunst wird gezeigt – in thematischer Hängung, die sich uns nicht immer ganz erschloss. Aber sehenswert war es auf jeden Fall, nur mit Videokunst kann ich persönlich nichts anfangen und hab da lieber einen Bogen drum gemacht.



Das Gebäude ist auch spannend, ein klotziger Nachkriegsbau mit viel Glas und teils verwirrenden Gängen. Ich bin auch nicht ganz sicher, ob wir wirklich alles gesehen haben… Die Sonderausstellung haben wir uns gespart, uns hat die Dauerausstellung gereicht – die erfreulicherweise keinen Eintritt kostet.



Das ursprüngliche Gebäude des Museums Folkwang wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Die Sammlung war dabei ausgelagert – aber von der war schon vor der Zerstörung einiges als „Entartete Kunst“… verschwunden. Nicht zuletzt deswegen sind wohl die hängenden Kunstwerke mit einen „Provenienzampel“ ausgestattet, die in rot, gelb oder grün auf bedenkliche Lücken aufmerksam macht.

Also, lohnender Besuch – und animiert mich, auch in Dresden mal wieder ins Museum zu gehen – um wertzuschätzen, was wir so an Schätzen haben. *g*

Auf dem Weg durch die Stadt sind wir am Essener Münster vorbeigekommen. – Ja, Essen hat eine Geschichte vor der Industrialisierung, das Gebäude hier geht genau gesagt auf ein Frauenstift aus dem Jahre 845 zurück. Ecken sehen noch romanisch aus, die Hallenkirche ist aber wohl gotisch und wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut.



Sehr hübsch, besonders der Kreuzgang.

Zeche Zollverein

Mit der Straßenbahn sind wir zum Gelände der Zeche Zollverein gefahren. Das Förderturmdings hat man ja schon mal gesehen – wie groß das Gelände ist, davon hatte ich aber keine Vorstellung.



Die Zeche Zollverein war ein von 1851 bis 1986 betriebenes Steinkohlebergwerg und wurde 2001 mit der mit der unmittelbar benachbarten Kokerei und den Schachtanlagen UNESCO Weltkulturerbe. Es gibt ein Museum, zu dem man mit orange beleuchteter Rolltreppe hinauffahren kann und diverse Ausstellungen, Informationspunkte, Cafés, Werkstätten…

Ich wollte nicht in noch ein Museum, Füße und Kopf waren durch Folkwang schon reichlich ausgelastet, also sind wir nur so über das Gelände gelaufen. Und Treppen gestiegen. Und obskure Metallwege auf Förderbandhöhe. Da freute sich bisweilen die Höhenangst. *irx*



Aber das ist schon sehr beeindruckend. Industriekultur und Industrieromantik mit tollen Motiven in alle Richtungen. Eine Führung lohnt sich da sicher auch, viele Sachen blieben für uns rätselhaft. Vermutlich lohnen sich auch mehrere Führungen, thematisch aufgeteilt auf dem riesigen Gelände. Aber man kann nicht alles haben, Sonntag wäre ich auch nicht mehr aufnahmefähig genug gewesen für eine lange geführte Runde. Um fußlahm zu werden, hat schon unsere Runde gereicht.

Mit der Straßenbahn und der Regionalbahn ging es dann wieder zurück nach Dortmund – ein Hoch auf das Deutschlandticket – und am nächsten Tag zurück nach Hause.

Stimmung:
dokumentierend
rabensturm: (Default)
Fürs Zwischenwelttreffen brauchen wir immer was mittig in Deutschland – wenn man da was sucht, kommt man üblicherweise in der Gegend von Bad Hersfeld raus. Dann also gleich Bad Hersfeld oder Gegend drumrum, wo es ein passendes Quartier gab. In unserem Falle führte uns das nach Nentershausen in eine sehr schöne Ferienwohnung. Nentershausen ist dabei spaßig, weil ich da schon mal zu einem Weltenbastlertreffen war, eher rustikal in Häuschen einer Feriensiedlung.

Für uns jetzt war es praktisch mit guter Infrastruktur für Einkauf und Essengehen. Außerdem gibt es in Nentershausen eine Burg, die zufälligerweise an dem Wochenende Burgfest hatte.



Die Burg Tannenberg ist eine wirklich schöne Burg, charmant belebt mit dem Fest, mit Händlern und Rittern und Gauklern und Pilgern und Handwerkern. Das war lebendig und machte auch einen mehr historischen Eindruck als Fantasykulisse. Wir lernten dann auch ein bisschen was über die Herren von Buchenau und Berlepsch, weil ich mit der Frage nach den Sittichen sofort in einer offenen Wunde gestochert habe. Das war sehr spaßig, die genealogischen Verwicklungen werden wir aber vermutlich zeitnah wieder vergessen.

Am nächsten Tag haben wir uns Bad Hersfeld angesehen. Normalerweise kennt man die Stadt nur vom Stau und der Baustelle auf der Autobahn – aber es ist überraschend hübsch da. Da ist noch einiges an Altstadt mit hübschen Fachwerkhäusern rund um die Stiftsruine. Da gibt es auch ein schick renoviertes Industrieviertel nahe am Zentrum.



Dort haben wir angefangen mit einem Besuch im wortreich. Das ist eine Wissens- und Erlebnisausstellung, die sich mit der deutschen Sprache befasst und auf Konrad Duden beruft, der in Bad Hersfeld wirkte (auch Konrad Zuse kam zu Wort als anderer berühmter Mensch der Stadt).

Das Museum war durchaus unterhaltsam, es gab auch viel zum Mitmachen, Spielen und Ausprobieren… aber so richtig mitgerissen hat es uns nicht. Wir haben nicht wirklich was Neues erfahren, aber wir sind vielleicht auch nicht Zielgruppe… auch wenn uns nicht so richtig klar ist, wer oder was da Zielgruppe sein mag.

Ansonsten bietet Bad Hersfeld auch noch einen Kurpark mit Trinkwasserquelle, hübschen Wegen entlang der Flussauen der Fulda. Und die schon erwähnte Stiftsruine, die im Sommer als Open Air Theater genutzt wird. Genug zu sehen, falls man sich noch mal in der Gegend treffen will – die Wohnung war ja schon sehr einladend und geeignet. Und letztendlich geht es bei einem solchen Treffen ja um die Geselligkeit und die gemeinsam verbrachte Zeit. :)



Stimmung:
dokumentierend
rabensturm: (drei)
Für den nächsten Tag wählten wir einen Museumsbesuch und vertagten die Bootsfahrt auf der Talsperre noch mal. Talsperre läuft nicht weg, Museen haben aber gerne mal montags zu.

Also sind wir am Sonntag zur Deutschen Raumfahrtausstellung nach Morgenröthe-Rautenkranz gefahren.



Ich nehme mal an, dass jedem DDR-Kind Morgenröthe-Rautenkranz was sagt als Geburtsort von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im Weltraum. Genau wegen dessen Weltraumflug 1978 wurde hier bereits 1979 eine Ausstellung zu Weltraum und Raumflug gegründet. Ich war zu frühen Schulzeiten mal da, zuletzt Anfang der 90iger mit dem Astronomiekurs am Gymnasium – und habe jetzt quasi nix wiedererkannt. ;) Die MIG vielleicht, die vor dem Museum steht… die ist übrigens ein Original und war ein Geschenk bereits in den 80iger Jahren als Andenken daran, dass Sigmund Jähn seine Raumkarriere als Jagdflieger begonnen hat.

Inzwischen befindet sich die Raumfahrtausstellung in einer Halle in einem ansprechend gestalteten Gelände (ich fand ja auch den Steampunk-Bahnhof nebenan sehr ansprechend). In den nächsten Jahren soll es noch mal ein neues Gebäude geben und eine Umgestaltung der Ausstellung.

Mir hats gut gefallen. Es gab Einblicke in die Geschichte der Raumfahrt und Weltraumforschung und dem Nutzen der Raumfahrt für die Erde. Es gab Informationen über Raumfahrtprojekte, an denen sich Deutschland beteiligt und einen Überblick über deutsche Forscher, Ingenieure, Wissenschaftler, Kosmonauten und Astronauten. Und dazu eine Menge beeindruckender Originalobjekte: Ein begehbarer Basisblock der MIR, originale Raumanzüge und diverse Souvenirs und Erinnerungen verschiedener Kosmonauten und Astronauten.



Das war interessant und macht deutlich, dass die deutsche Raumfahrt eben nicht nur die bundesdeutsche Raumfahrt ist, sondern schon viel früher begann. Natürlich waren die sowjetischen Raumfahrtprogramme auch pathetisch und propagandistisch – aber das waren die amerikanischen auch. Und immerhin brachte das sowjetische Raumfahrtprogramm sehr viel früher auch Frauen in den Weltraum und Kosmonauten befreundeter Länder. Das hab ich vorher nicht gewusst, neben unserem Siegmund gab es auch polnische, tschechische, rumänische und bulgarische Kosmonauten und sogar kubanische, vietnamesische und mongolische.



Neben den zahlreichen Exponaten und Informationen gab es auch Dinge zum Ausprobieren und auch einen sehr gut gemachten Film. Man merkt, wie viel Herzblut und Engagement die Wissenschaftler und Astronauten in ihre Projekte stecken. – Viele von den deutschen Wissenschaftlern und Astronauten sind übrigens auch am Betrieb der Raumfahrtausstellung beteiligt, die wird nämlich vom
Verein Deutsche Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e. V. betrieben, der über 250 nationale und internationale Mitglieder hat, darunter fast alle deutschen Astronauten und Kosmonauten.

Ein lohnender Besuch, vielleicht noch mal, wenn sie alles neu gestaltet haben.

Wir sind nach kurzem Picknick nach Treuen weitergereist, um dort ein weithin bekanntes Eiscafé zu besuchen. Man opfert sich eben für touristische Erkundungen. ;) War lecker und es war auch viel los.

Für einen Spaziergang durch Treuen hat es dann auch noch gereicht und einen Blick auf das dortige Schloss.



Beendet haben wir den Ausflugstag dann an der Talsperre Pöhl, um schon mal ein bisschen am Ufer entlangzuschlendern und die Gegend zu erkunden.



Da gab es auch Abendessen mit Seeblick.

Astronomisch wurde es dann später noch mal mit Sonnenuntergang, Mondfinsternis und Blutmond.



Stimmung:
astronomisch
rabensturm: (feder)
Die Gegend nördlich und westlich von Birmingham, in den West Midlands, nennt man Black Country. Hier wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts im großen Stil Kohle und Eisen im Tagebau abgebaut, hier nahm die Industrielle Revolution Fahrt auf und prägte die Gegend bis in die Neuzeit. Um daran zu erinnern und die Gebäude und Strukturen dieser Zeit zu bewahren wurde 1975 das Black Country Living Museum (BCLM) gegründet, das einen auf 10 ha in die Viktorianische Zeit mitnimmt.



Das ist wirklich sehr schön und anschaulich gemacht. Es gibt ca. 40 Gebäude und eine Menge industrielle Strukturen, wie eine Mine und Kanäle mit Kanalbooten, auf denen die Industrieprodukte zur Küste gebracht wurden und von dort aus in die ganze Welt.

Das Beste war aber, dass das Museum belebt ist. In den Läden gibt es Personal und Waren aus der jeweiligen Zeit, die alten Doppelstockbusse fahren, in der Schule wird unterrichtet, im Pub kann man im Stile der Zeit einkehren und essen und trinken.



Das war wirklich super. Man kommt in ein Gebäude und als ersten sagt dort jemand: „Wir befinden uns im Jahr… 1948…“

Wir haben zuerst an einem Tanzkurs teilgenommen, bei dem wir kurze Schrittfolgen aus den verschiedenen Jahrzehnten einstudiert haben – 20iger, 30iger, 40iger, 50iger und 60iger. Das war spaßig und nicht unanstrengend.

Wir haben an einer Demonstration für Frauenrechte teilgenommen.



Es ging um den Streik der Kettenmacherinnen aus dem Jahr 1910, als diese unter der Führung von Mary Macarthur für ihre Recht und mehr Geld gekämpft haben. Das haben wir auch getan, wir sind in einem gar nicht mal so kleinen Demo-Zug durch den Ort gezogen, haben Parolen gerufen und „Rouse, ye Women!“ gesungen. Wie meine Mama sagen würde: Du immer mit deinen Demonstrationen! Weil es wichtig ist und auch damals war – die Kettenmacherinnen waren übrigens erfolgreich mit ihrem Streik.

Wir haben auch im Gewerkschaftshaus der Frauen gegessen – Jacked Potato mit Coronation Chicken, das ist sehr 1953. *g*

Wir haben auch an einer Schulstunde teilgenommen, da waren wir noch im 19. Jahrhundert. Die Lehrerin war entsprechend streng mit Rohrstock und zackigen Anweisungen, Aufgaben im Rechnen und Lesen. Sehr anschaulich und auch ein bisschen gruselig angesichts der alten Pädagogik. Und trotzdem war Bildung die Möglichkeit den harten Lebensbedingungen zu entkommen.

Über die harten Lebensbedingungen haben wir dann noch mehr erfahren bei einer Führung durch die Docks.



Die war auch sehr informativ und sehr unterhaltsam. Wir haben viel über die frühe Industrialisierung gelernt und deren Transportwege. – Es ist eine blöde Idee, Schwerindustrie mitten im Land, weit weg von jeder Küste einzurichten… aber hier waren nun mal die Rohstoffe. Hier waren die Tage schwarz vor Ruß und die Nächte rot von den Feuern. Alles, was produziert wurde, wurde zunächst über Kanäle mit von Pferden gezogenen Booten an die Küste gebracht. Es gibt hier noch Reste der Kanäle, sogar einen, wo man mit den Booten durch einen Tunnel fahren kann. – Im Tunnel ging das mit den Pferden nicht, deshalb wurden die Boote da von „Läufern“ angetrieben, Männern, die rücklings auf den Dächern der Boote lagen und an der Decke des Tunnels gelaufen sind… Liebe Güte…

Wir waren im Tunnel nicht drin (den kann man auch ohne das BCLM angucken, der wird von einem Verein betrieben und hat auch Zugang von außen). Wir haben uns nur die Kanalboote in den Docks angeschaut, in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Irgendwann wurden auch die motorisiert… und irgendwann kamen auch die aus der Mode. Gar nicht mal unbedingt, weil die Eisenbahn sie verdrängte, eher weil die Infrastruktur irgendwann nicht mehr unterhalten wurde und das Land nach dem 2. Weltkrieg von (amerikanischen) LKW überschwemmt war.

Wie überall in Europa hat auch im Black Country die Schwerindustrie im 20. Jahrhundert ihren Niedergang erlebt, so dass die Gegend immer noch mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. Es ist jedenfalls schön, dass die Geschichte hier im Museum dokumentiert und bewahrt wird.

Ein sehr lohnender Besuch und eher spontan, weil ich das kurz vor der Reise erst gesehen hatte (wir hatten zuvor walisische Sehenswürdigkeiten vorbereitet und das ist ja auf der englischen Seite). Es war allerdings wieder sehr heiß. Sonnenschein macht sich auf den Fotos gut, aber das war ganz schön anstrengend.

Von daher haben wir kein weiteres Tagesprogramm gebraucht. Wir sind zu unserer Autobahnraststätte zurückgefahren (über die nächste Abfahrt hin und zurück) und haben dort bei einem asiatischen Imbiss was gegessen.

Stimmung:
hitzegeschädigt

St. Fagans

4 Aug 2025 08:52 pm
rabensturm: (feder)
Dieser Tag war noch heißer angesagt mit Temperaturen deutlich über 30 Grad. Unser Plan sah den Besuch in einem Freiluftmuseum vor – wir machten uns Hoffnung, dass es da schattig sei und auch immer mal Innenräume zum Erholen bieten würde. Es war natürlich heiß, klappte aber doch ganz gut.

Das Freiluftmuseum war das St. Fagans Museum of Welsh Life. Das Museum wurde im Jahr 1946 mit der Stiftung des Grundstücks und des Schlosses durch den Earl of Plymouth gegründet und soll walisische Kultur zeigen und bewahren.



Das machen sie erst mal schon sehr gut, indem das Freiluftmuseum kostenlos ist. Der Parkplatz kostet zwar stattliche 7,50 £, aber dafür bietet sich einem eine große Fläche mit viel zu entdecken. Häuser und Gehöfte aus der Eisenzeit, aus dem Mittelalter, bis hin zur Industrialisierung und bis in die Nachkriegszeit. Das war eine gute Mischung und bot wirklich sehr viele sehr sehenswerte Ein- und Ausblicke.



Das hier sind die eisenzeitlichen Hütten, die wir eine Weile gesucht haben. Sie waren eingerichtet, es saß auch ein junger Mann drin, der bei Bedarf etwas dazu erzählt hat. Schön, wenn man in den Hütten mal drin stehen kann, von denen man sonst immer nur die Fundamente sieht. ;)

Alt, aber restauriert, war auch Llys Llewelyn, die Königshalle aus dem 13. Jahrhundert – ich bin gerade nicht sicher, welchem Llewelyn die zugeschrieben wurde:



Spaßig jedenfalls mit den bemalten Wänden und der Ausstattung.

Es gab auch eine Kirche aus ähnlicher Zeit, die ebenfalls mit Fresken und Bemalung geschmückt war – fröhliche Schädel und Häuschen auf Hühnerbeinen:



Natürlich spielte die ländliche Kultur in der Geschichte von Wales eine große Rolle, es gab also Gehöfte und Bauernhäuser, Scheunen und Ställe aus den verschiedenen Zeiten, Gegenden und Schichten.



Sehr schön immer die bepflanzten und bewirtschafteten Gärten. Es gab auch Mühlen, aber auch einen Schweinestall und eine Hahnenkampfarena. Ein Cockpit – das ist doch mal was anderes.

Außerdem gab es auch eher städtische Anlagen, eine Straßenzeile mit Läden und einem Pub, mit klassischerweise mit Sägespänen eingestreutem Fußboden. Und es gab auch ein Versammlungshaus einer Gewerkschaft, als man in den 70iger und 80iger Jahren dann doch allmählich realisierte, welche Bedeutung Industrie und Städte für die walisische Geschichte haben. Das Haus selbst wurde ursprünglich 1917 errichtet, das Oakdale Workmen's Institute aus Oakdale.



Allen alten Freiluftmuseen liegt ja eine gewisse romantische Verklärung des Landlebens nahe, die gute alte Zeit in Einklang mit Natur und Tierwelt. Aber in Wales lebte eben schon im 18. und 19. Jahrhundert ein großer Teil der Bevölkerung in Städten und arbeitete in der Industrie oder im Bergbau. Das hat die walisische Kultur geprägt und tut es auch heute noch.

Das Gewerkschaftshaus war aber auch spannend, weil oben Filme gezeigt wurden, wie das Haus relokalisiert wurde, wie man es erst auseinandergenommen und dann wieder zusammengebaut hat. Das war sehr spannend und interessant – und es war auch angenehm temperiert. ;)

Wir haben ein Eis gegessen, uns dann auch noch das Schloss von St. Fagans angeschaut.



Wie schon erwähnt, war das Gelände eine Schenkung des Earl of Plymouth, dazu gehörte auch das Castle, das in einer schönen Gartenanlage über dem Museumsgelände thront. Man kann es auch innen besichtigen und seine Pracht bewundern.

Und hat das Castle mit der Anlage ein bisschen an das irische Freiluftmuseum bei Turlough. Vermutlich durch die Kombination von einem Schloss/Herrenhaus, Park und sehr modernem Museumsgebäude.

Im Museum waren wir natürlich auch noch drin und haben uns wohl temperiert noch Ausstellungen zu walisischem Leben angesehen.

Alles sehr schön. :)

Wir waren nun gar gekocht und haben uns so zu unserem nächsten Quartier aufgemacht. Es ging aus den Bergen in Richtung Meer – dazu mussten wir nur erst mal um Cardiff herumkreisen. Wir haben Cowbridge und unseren Bungalow aber problemlos gefunden und waren da auch gut aufgehoben. Natürlich war es auch da warm, so ein hölzerner Bungalow hat großer Hitze nicht viel Dämmung entgegenzusetzen – aber im Schatten konnte man dann draußen sitzen und den Abend genießen.

Wir sind am Abend auch in den Ort Cowbridge spaziert – über eine obskure Treppe am Abhang einer Schnellstraße. Cowbridge machte einen charmanten Eindruck, viele kleine Läden und gemütliche Pubs. Wir sind für das Abendessen im Hotel Wellington eingekehrt, ich hab leckeren Pie gegessen.

Stimmung:
heiß
rabensturm: (feder)
Die Brecon Beacons sind ein Mittelgebirge im Südosten von Wales. Dort gibt es auch einen Nationalpark, der seit 2023 nicht mehr Brecon-Becons-Nationalpark heißt, sondern ausschließlich den walisischen Namen Bannau-Brycheiniog-Nationalpark (kann ich mir leider immer noch nicht merken).

Wir wussten schon, dass die Beacons sehr schön sind, sie waren also als Reiseziel gesetzt, wir würden ein paar Tage dort verbringen, bei Crickhowell, einem Ort zwischen Brecon (Aberhonddu) und Abergavenny (Y Fenni). Aber erst mal waren wir ja noch in Llandrindod und natürlich wollten wir auf dem Weg zum nächsten Quartier was anschauen.

Raglan Castle

Da waren wir noch nicht, als wir vor Jahren ausgiebig um Monmouth herumgekreist sind, haben wir das irgendwie ausgelassen, vermutlich, weil die Ruine renoviert wurde und noch gar nicht so lange wieder in diesem Zustand erstrahlt. Das ist schon eine eindrucksvolle Anlage.



Raglan gehört CADW. Im 14. Jahrhundert ist sie eine der letzten erbauten Burgen, diente mehr zur Repräsentation als zur Festung. Der mächtige Keep ist noch erhalten, die Tortürme, die Prunktreppe und noch einiges an feiner Steinmetzkunst. Außerdem ist es eine Wasserburg und hat noch Wasser (und Seerosen und Teichhühner) im Graben. Man kann in viele Höfe schauen, Treppen hoch und runter klettern und viel entdecken.



Das ist alles sehr spannend. Außerdem hatten sie auch einen Kindertrail aufgebaut, es gab also allerhand spaßige Dinge zu entdecken, um das Leben im Mittelalter anschaulicher zu veranschaulichen.



Ein sehr schönes Castle.

Das nächste Ziel war dann was ganz anderes – die Eisenhütte von Blaenavon Ironworks.



Es handelt sich um ein Weltkulturerbe, denn hier begann 1789 die industrielle Revolution. Hier haben Sidney Gilchrist Thomas und sein Vetter Percy Gilchrist die Experimente durchgeführt, welche zur Stahlerzeugung nach dem "Thomas-Verfahren" geführt haben. Es war also plötzlich möglich, günstig Stahl zu erzeugen; die Rohstoffe, Kohle und Erz gab es in den walisischen Bergen ringsum.



Im Museum wird zum einen die historische Stahlerzeugung erklärt, Hochofen, Balanceturm, das konnte man sich anschauen.

Außerdem wurden die Lebensbedingungen der Arbeiter hier gezeigt – sehr anschaulich hatte man die Wohnungen der Eisenwerkarbeiter zu unterschiedlichen Zeiten eingerichtet, 18. Jahrhundert und dann immer weiter bis in die 1960iger Jahre.



Schon im 19. Jahrhundert verlor die Eisenhütte an Bedeutung, als sich die Technologie der Stahlerzeugung in der Welt verbreitete und an anderen Orten der Welt – z.B. Ruhrgebiet – günstiger möglich war. Nichtsdestotrotz hat die Stahlindustrie die Gegend geprägt, der Bergbau und auch die Wasserversorgung der Werke hat ganze Berge umgegraben und umgestaltet.

Im Museum war das alles sehr anschaulich und spannend dargestellt, das hat mir gut gefallen. Außerdem hatten alle Erklärung ein gewisses Steampunk-Design, sowas spricht mich ja auch an. *g* Sehr spannend – und weil wir nur hin sind, weil es grad am Weg lag, auch ein überraschendes Highlight.

Dazu passend der Stopp auf dem Weg zum Quartier, da wir oben in den Bergen über Blaenavon spontan an einem Parkplatz anhielten, um ein bisschen in den Bergen herumzuspazieren. Da war ein See, sehr malerisch – der sich als Staubecken zur Wasserversorgung der Bergwerke herausstellte. Keepers Pond. Alles war hübsch restauriert und lud zum Spazieren ein – es gab aber auch Leute, die beim sehr warmen Sommerwetter munter im Teich herumpaddelten.



Unser Quartier war ein altes Inn an der Durchgangsstraße von Brecon nach Abergavenny, ein schönes kühles Steinhaus mit toller Aussicht.



Abendessen haben wir uns etwas außerhalb von Brecon gesucht, es gab Burger. Und dann machten wir uns mit besorgniserregend quietschenden Bremsen auf den Heimweg. Wir haben schon überlegt, ob wir das Auto würden tauschen müssen – aber zum nächsten Tag hatten sich die Bremsen wieder gefangen und dann ging es meistenteils ohne seltsame Geräusche.

Stimmung:
historisch vielfältig
rabensturm: (Default)
Was ich schon immer mal machen wollte: mir den Codex Dresdensis anschauen, der in der Staats- und Landesbibliothek (SLUB) aufbewahrt und gezeigt wird. Es handelt sich um eine Maya-Handschrift, ursprünglich als Leporello auf einer Art Bastpapier. Es ist eine von nur 4 bekannten Maya-Kodizes, die die Vernichtungswut der spanischen Inquisitoren überstanden haben. Ursprünglich muss es bei den Maya eine reiche Schriftkultur gegeben haben, es sind leider nur noch sehr wenige Stücke erhalten.

Der Dresdner Kodex kam 1739 in die Kurfürstliche Bibliothek, später dann in die Landesbibliothek. Mit dem Kodex (und den anderen natürlich) konnte zunächst das Zahl- und Kalendersystem entziffert werden, später auch die Schrift entziffert werden. Man kann damit den größten Teil der Handschrift entziffern, es ist eine Art Ritual- und Weihekalender.

Aber von Anfang an.

Man kann den Maya Kodex in der SLUB täglich im Buchmuseum in der Schatzkammer besichtigen. Es gibt aber auch Schatzkammerführungen, mit denen man samstags einen tieferen Einblick in die Schatzkammer und die Ausstellungen des Buchmuseums geboten bekommt. Die aktuelle Ausstellung heißt: „Der verschlossene Garten. Zugänge zur Klosterbibliothek der Zisterzienserinnen von St. Marienthal“. Das klingt auch nett, aber angezogen hat mich hauptsächlich der Maya-Kodex und beides war endlich mal Motivation, mich aufzuraffen.

Allerdings… kam der Guide für die Führung nicht. :( Schade, aber kann man nichts machen. Zumal es sich um Ehrenamtliche handelt, denen natürlich auch mal was dazwischenkommen kann. Trotzdem schade, mit Führung erfährt man ja immer mehr, egal, wie gut eine Ausstellung beschildert ist. :(

Also die Bücher der Zisterzienserinnen:



In einem Rundgang um die eigentliche Schatzkammer wurden die Zisterzienserinnen vorgestellt und die Entwicklung des Klosters Marienthal. Das Kloster befindet sich bei Ostritz in der Lausitz und ist das älteste Frauenkloster des Ordens in Deutschland, das seit seiner Gründung ununterbrochen besteht. Die historische Klosterbibliothek des Klosters wurde neulich von der SLUB erworben und hat Eingang in die Sammlung gefunden. Besondere Stücke wurden hier ausgestellt, die Schätzchen dann im Inneren der Schatzkammer.



Diese Tür muss extra von der Aufsicht aufgeschlossen werden, dahinter kommt man in einen abgedunkelten Raum, wo sich inmitten der Klosterbuchausstellung eine eher unscheinbare Vitrine mit dem Maya Kodex befindet.



Der ist so klein! Ich hatte mir irgendwas Großes vorgestellt, vielleicht fehlgeleitet vom Teppich von Bayeux… aber hier die Handschrift ist klein, die einzelnen Blätter maximal A5 und entsprechend winzig die Schrift und die Zeichnung. Sehr feine Zeichnungen und massenhaft Zeichen, das ist schon handwerklich beeindruckend, von der Historie, der Bedeutung und dem Wert ganz zu schweigen.



Bedauerlicherweise sind meine Augen in dieser Entfernung nicht mehr wirklich scharf, so dass ich eher mühselig blinzelnd über der Vitrine hing und versuchte, die ganzen tollen Details zu erfassen. :p

Man kann sich aber bei der SLUB hier eine digitalisierte Version ansehen und über die Inhalte und die Entzifferung informieren. Ich hab auch einen Flyer eingeheimst, der die wichtigsten Dinge auch noch mal zusammengefasst hat.

Also, allein für den Kodex ist der Besuch sehenswert, trotzdem ist es natürlich schade, dass das mit der Führung nicht geklappt hat. Vielleicht ein andermal ein neuer Versuch, wenn es eine neue Ausstellung gibt (ich glaube, es wechselt Ende Mai).

Stimmung:
historisch interessiert
rabensturm: (feder)
Dijon ist die Hauptstadt der Region Bourgogne-Franche-Comté und befindet sich gut 80 km westlich von Besançon. Es gibt eine Zugverbindung, für die man auch nicht erst an den TGV-Bahnhof hinaus muss. Die Züge fahren stündlich oder sogar halbstündlich, sind aber gar nicht mal so günstig. Aber für einen Tagesausflug kann man das schon mal machen.

In Dijon sind wir dann der Eule gefolgt:



Der Rundgang mit der Eule führt in 22 Stationen an den Sehenswürdigkeiten der Innenstadt vorbei, man kann auch noch zusätzliche Schlenker ranhängen in andere Stadtgebiete. Da wir kein konkretes Ziel hatten sondern nur die Stadt kennenlernen wollten, konnten wir der Eule bequem folgen (haben sie zwischendurch aber auch mal verloren).

Dijon hat wirklich schöne alte Fachwerkhäuser, eine Hauptpost im Jugendstil, eine Markthalle aus dem 19. Jahrhundert und einen großen Palast und mehrere beeindruckende Kirchen.



Im Zentrum der Altstadt liegt der Herzogspalast, der mit seinem halbrunden Vorplatz ein sehr eindrucksvolles Ensemble bildet. Im Palast findet sich heute das Rathaus der Stadt und das Museum der schönen Künste.



Der Turm, der über den Palast hinausragt, ist der Tour Philippe-le-Bon, der aus dem 15. Jahrhundert stamm. Man kann da hochsteigen – das haben wir auch gemacht, zumal das Ticket in unserem Museumspass enthalten war. Man kommt allerdings nur mit einer geführten Tour hoch, was sich nach einigen Erklärungsbemühungen bei der Touristinformation buchen ließ. Durch die Führung haben wir dann auch einiges über die Herzöge von Burgund erfahren und der Geschichte des Turms und der Stadt.



Außerdem war es nicht ganz so anstrengend, wenn die Besteigung des Turmes durch Informationen unterbrochen wurde, da musste man die 300 (?) Stufen nicht auf einmal hochsteigen…

Es gab übrigens nur vier Herzöge der Bourgogne: Philipp II. der Kühne, Johann Ohnefurcht, Philipp III. der Gute (das ist der mit dem Turm) und Karl, der Kühne. Letzterer hatte nur eine Tochter, Maria, über die das Herzogtum dann an die Habsburger ging.

Also, Turm haben wir bestiegen, im Palast waren wir zuerst mal nur zum Mittagessen, wo es im Museumsrestaurant sehr nobles (und gut bezahlbares) Mittagsmenü gab. Im Museum waren wir erst nach der Turmbesteigung – zu unserer Überraschung war das kostenlos. Das Museum ist innen auch ziemlich modern, es wurde erst 2013 (?) wieder neu eröffnet.



Die hübsche Eule stammt von François Pompon, einem Bildhauer, der in Dijon wirkte und hauptsächlich für seine Tierdarstellungen bekannt wurde. Ihm war ein ganzer Raum gewidmet, seine Tiere sind wirklich sehr schön.

Was Kirchen angeht, da haben wir auf dem Eulenrundweg Notre Dame angeschaut (die spitze, die man vom Turm aussieht), St. Michael (die große hinter dem Theater), St. Etienne (die mit den Skulpturen von François Rude), St. Jean (die jetzt ein Kulturzentrum ist), St. Philibert (das war die mit der Baustelle) und St. Benigne (die Kathedrale). Letzteres überrascht ein bisschen, weil die doch ein Stück abseits liegt und man als Kathedrale doch eher was im Zentrum erwarten würde.



Von der Kirche Notre Dame stammt übrigens auch die Eule, die dem Rundweg den Namen gab – eine kleine, abgegrabbelte Figur an der Kirchenwand, die Glück bringt, wenn man sie mit der linken Hand berührt und sich was wünscht.



Kein Wunder, dass sich überall in der Stadt Eulenmotive wiederfinden. ;)

Doch, das war ein sehr lohnender Tagesausflug. Wir haben eine Menge von der Stadt gesehen, waren dann am Ende aber auch ein bisschen fußlahm – also ich zumindest. ;) Aber der Zug hat uns dann wieder gut nach Besançon zurückgebracht.

Auch unsere Planung war sehr glücklich, es hatte die ganze Nacht und auch den Morgen in Besançon geregnet, in Dijon war das Wetter sonnig und blieb den ganzen Tag gut. In Besançon hatte sich der Regen dann auch verzogen.

Besondere Erwähnung: Dijon ist im Zentrum autofrei (also theoretisch, praktisch kurvten immer noch ein paar Lieferwagen herum). Der öffentliche Personennahverkehr wird im Stadtzentrum von diesen niedlichen Elektrobussen bestritten, die mit dem Klingeln einer Straßenbahn durch die engen Gassen surrten.



Meine Mama war eine Straßenbahn und mein Papa ein Bus… ;)

Stimmung:
dokumentierend
rabensturm: (feder)
Wir waren also für eine Woche in Besancon einquartiert – genug Zeit also, sich die Sehenswürdigkeiten nach und nach zu besichtigen. Muss man nicht alles an einem Tag machen.

Zitadelle

Wir haben wieder mit der Zitadelle angefangen, die wir im Sommer schon mal besucht haben (und 17 Jahre vorher). Die Zitadelle war dankenswerterweise noch mal in unserem Pass drin, diesmal waren die Temperaturen auch deutlich angenehmer als in Sommerhitze – und mit blauem Himmel sieht es auch noch spektakulärer aus. ;)



Wir haben uns diesmal den kleinen Zoo genauer angeschaut, da gibt es vor allem Affen, aber auch ein paar Schafe und Ziegen, Mufflons und Esel, sogar Kängurus. Und es gibt einen Nachtzoo mit sehr niedlichen Mäusen und Nagetieren.



Außerdem waren wir diesmal auch im Resistance-Museum, dass sich in der Zitadelle befindet. Besancon befand sich zur Zeit der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg in einer Pufferzone, Vichy (und damit das „freie“ Frankreich) ist nicht weit weg. Macht natürlich keinen Spaß, sich das anzusehen – gerade angesichts der sich zuspitzenden Weltlage – aber es war auch mal ein tieferer Einblick in die französische Weltkriegsgeschichte. Man hat sonst ja mehr den eigenen Fokus auf die deutsche Entwicklung. Trotzdem bleibt gerade bei der Geschichte des Widerstandes die Frage, was man selbst getan hätte – und was einem heute zu tun bleibt. Viele Dinge, die damals schwer waren – Informationsweitergabe, Passfälschen, Geld- und Waren schmuggeln – wären heute vermutlich gar nicht mehr möglich in Zeiten der Digitalisierung…

Wait for the memo…

Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon

Da waren wir am nächsten Tag. – Ich lerne gerade bei Wikipedia, dass es das älteste öffentliche Museum Frankreichs ist, mit Gründungsdatum 1694 fast hundert Jahre älter als der Louvre.

Das Gebäude macht jedenfalls keinen alten, angestaubten Eindruck. Das historische Bauwerk an dem schönen Platz hat man innen entkernt und mit einem futuristischen Betonbau ergänzt. Das macht spannende Einblicke möglich, abwechslungsreiche Hängungen und Ausstellungskonzepte – ist aber zugegeben auch etwas verwirrend. Wo geht es bloß weiter…?



Wie der Name sagt, zeigt das Museum archäologische Funde – Frühzeit bis zu den Römern, da endet es allerdings, so dass wir schon scherzten, dass das Mittelalter nicht stattgefunden hat und die Stadtgeschichte erst bei Vauban wieder einsetzte. Dann zeigen sie Kunst, vage zeitlich geordnet mit immer mal modernen Stücken zwischendurch. Ich mochte sehr, dass berühmte und weniger bekannte Kunst gleichrangig nebeneinander hängen, sich also beispielsweise ein Monet ganz beiläufig zwischen anderen Blumenbildern findet.



Ich hab leider gar nicht so viel fotografiert im Museum – sie hatten schon sehr schöne Sachen, das lohnt durchaus den Besuch.

Musée du Temps

Dieses Museum befindet sich in einem schicken Stadtpalais und widmet sich der Geschichte als Ablauf der Zeit, vor allem aber der Zeitmessung und den Uhren – das Jura (und Besancon als Hauptstadt) war einst Zentrum der französischen Uhrenherstellung. Es gibt also Sanduhren, Sonnenuhren, Standuhren – aber auch höchst komplexe Luxusuhren wie die Leroy 01 von 1901, die zu ihrer Zeit die komplizierteste Uhr der Welt war.

Wir fanden da das foucaultsche Pendel spannender, das sich im oberen Stock befindet. Da kann man meditativ zuschauen, auch wenn sich uns das Arrangement mit den Lichtern und Zeigern nicht erschlossen hat.



Doch, kann man anschauen, ist aber eher kein must see, wenn man nur für einen Tag in der Stadt ist.

Ein bisschen neidisch bin ich ja immer auf die französischen Schüler, die man vielfach in den Museen trifft und die dort scheinbar sehr spannende Führungen und Aktionen erleben. Ich versteh ja sprachlich nicht viel davon, hätte aber immer große Lust, mich dazuzusetzen. *g*

Ansonsten bemerkenswert das Restaurant am Museum, die „Brasserie Granvelle“ – gehobene Küche zu sehr moderaten Preisen, alles war lecker. Da steppte mittags der Bär, so dass uns auch der Service beeindruckte, der alles im Griff hatte.

Ein bisschen was zur Stadt kommt noch, aber das waren erst mal die Museen.



Stimmung:
dokumentierend
rabensturm: (wirbel)
Am nächsten freien Samstag bin ich mit dem Bus nach Riebnitz-Damgarten gefahren. Mit dem Bus braucht man für eine Strecke fast anderthalb Stunden – aber kostet ja nix mit dem Deutschlandticket und man sieht die Landschaft mal aus einer anderen Perspektive. Eine sehr nasse Landschaft, das Wetter war ausgesprochen mäßig, grau und nass.

Aber gut, es ist besser, bei schlechtem Wetter eine Stadt und ein Museum zu besichtigen, als am Strand zu spazieren. ;)

Riebnitz-Damgarten ist eine Stadt auf dem Festland, an der anderen Seite des Boddens, der Fischland-Darß zur Halbinsel macht. Ich lerne soeben, dass historisch Ribnitz zu Mecklenburg gehörte und Damgarten zu Vorpommern und die beiden Teile 1950 vereinigt wurden. Ich hab den Riebnitzer Teil angeschaut, der scheint das Zentrum zu sein.

Um genau zu sein, hab ich mir erst den Hafen angeschaut, in der Hoffnung, dort gleich was leckeres zu Mittag zu bekommen.



Macht alles einen etwas monochromen Eindruck.

Gegessen hab ich dann sehr leckeren Fisch beim Riebnitzer Fischhafen – mit Blick auf eben jenen Hafen und das hübsche Segelschiff.

Dann zurück zum Marktplatz und weiter zum alten Kloster – das sind alles keine weiten Wege, Riebnitz ist doch recht überschaubar. Im alten Kloster jedenfalls befindet sich heute das Bernsteinmuseum – Riebnitz-Damgarten nennt sich offiziell auch Bernsteinstadt (vor allem wegen des im Stadtteil Ribnitz liegenden ehemaligen VEB Ostseeschmuck, des Museums und der im Stadtteil Damgarten gelegenen Bernstein-Schaumanufaktur).

Das Museum war dann tatsächlich ganz hübsch. Es gab Informationen zum Bernstein allgemein, seiner Entstehung an der heutigen Ostsee, auch zum Abbau im Wandel der Zeiten und seiner Verwendung.



Spannend der Teil über die Einschlüsse im fossilien Harz – es gab Blätter und Insekten, aber auch eine Schnecke, eine Spinne und sogar ein halber Gecko. Die alle wurden vom Harz eingeschlossen und so erhalten (waren aber meistens zu klein, um ein brauchbares Foto davon zu machen).

Spannend fand ich die Abbaugeschichte, die in der jüngeren Geschichte sogar industrielle Züge angenommen hat, es gab Bernsteintagebau und sogar Abbau in Stollen. Dabei hat die Suche nach den Bernsteinen schon eine sehr lange Geschichte, schon in prähistorischer Zeit wurde der leuchtende Stein geschätzt und Schmuck oder Figuren daraus geschaffen.


Das sind doch wirklich ganz entzückende Figuren. :)

Schmuck wird natürlich auch heute noch aus Bernstein hergestellt – zufällig gab es auch einen Verkaufsstand im Museum – andere Produkte sind (vielleicht) nicht mehr so gefragt: Rauchwaren wie Zigarettenspitzen, religiöse Artikel, aber auch Bootslack oder Parkettlack aus geschmolzenem Bernstein. Letzteres finde ich ja immer sehr schade…

Ansonsten konnte man vom Museum aus auch noch einen Blick in die Klosterkirche werfen. Die ganze Anlage wurde im 14. Jahrhundert von Heinrich dem Löwen als Klarissenkloster gegründet. Nach der Reformation wurde es evangelischer Damenstift; die letzte Stiftsdame, die noch im Kloster lebte, starb 1961.



Für einen weiteren Stadtspaziergang war es mir dann aber doch zu nass und ungemütlich. Bei besserem Wetter lohnt sich das bestimmt, da kann man bestimmt auch schön am Hafen sitzen und aufs Wasser gucken.



Ich bin noch eine Weile durch die nasse Stadt getappt, hab mir vom Bäcker was für den späteren Nachmittag mitgenommen und bin dann zurückgefahren. Das dauerte wieder ein anderthalb Stunden, wobei ich mich dann auch ganz nett mit dem Busfahrer unterhalten habe.

Doch, auch das ein netter Ausflug, trotz Regen.

Stimmung:
nass
rabensturm: (wirbel)
Silph hat ja sicher nichts dagegen, wenn ich mir ihre Titelstruktur für Museumsposts ausleihe – zumal ich tatsächlich nicht so viel mehr gemacht habe in Stralsund, als ins Museum zu gehen. ;)

Aber von vorn: ich bin jetzt 3 Wochen im Januar in der Kur in Prerow auf dem Darß. Drei Tage noch, deshalb will ich dazu noch keine Zusammenfassung schreiben. Aber weil ich die freien Wochenenden zu Ausflügen genutzt habe, will ich damit wenigstens schon mal beginnen. :)

Letzten Samstag war ich also in Stralsund. Der nebligste Tag der Woche, aber besser schlechtes Wetter in einer Stadt und einem Museum, als am Strand, nicht wahr?

Ich bin mit dem Zug gefahren – mit dem Deutschlandticket kostet es ja nüscht – von Barth aus mit Umstieg in Velgast und der Regionalbahn von Rostock nach Stralsund. Das hat problemlos geklappt, auch wenn ich inzwischen gehört habe, dass die Anschlussbahn auch schnell mal nicht fährt, wenn Personal fehlt. :p

Es ist schon länger her, dass ich/wir mal in Stralsund waren, trotzdem hatte ich nicht die Absicht, die Stadt komplett neu zu erkunden. Zumal das Wetter auch nicht dazu einlud. Ich wollte zum Hafen, ich wollte ins Ozeaneum und von der Altstadt bekommt man beim Durchlaufen ja auch genug mit. Die Orientierung anhand der Kirchen war immerhin schon mal… diffus.



Heutzutage kann man sich ja aber mit dem Handy orientieren und ist nicht auf freie Sicht angewiesen. Der Hafen war also nicht schwer zu finden, sehr malerische Gegend, am nebeligen Samstag auch recht ausgestorben. Ich habe aber sehr leckere Fish & Chips gegessen und die alten Gebäude und die Gorch Fock bewundert, die da vor Anker liegt.



Direkt da am Hafen befindet sich auch das Ozeaneum Stralsund. Es wurde 2008 eröffnet, ich war noch nie drin, ich glaube beim letzte Stralsundbesuch waren wir im Meereskundemuseum. Keine Ahnung, ob es das Ozeaneum da noch nicht gab oder wir lieber in das andere wollten. *kopfkratz*



Das moderne Gebäude soll „von Meerwasser umspülte Steine symbolisieren“. Ich finde, es ganz hübsch, im Hafenbereich nicht all zu störend, und innen sehr geräumig. Durch die verschiedenen „vom Meer umspülten“ Gebäudeteile ist es allerdings auch recht verwirrend – immer schön den Pfeilen folgend – und man muss ständig irgendwelche Treppen hoch oder runter. Klar gibt es auch Fahrstühle, aber so richtig bequem barrierefrei erscheint mir das nicht…

Im Ozeaneum befinden sich verschiedene Dauerausstellungen zu Weltmeeren allgemein, zur Ostsee und deren Lebewesen, zu Problemen wie Fischfang, Müll und Klimawandel. Vor allem gibt es aber auch zahlreiche große und sehr große Aquarien, die das Unterwasserleben vom Stralsunder Hafen über die Nordsee zum Nordpolarmeer zeigen.



Ich persönlich finde Fische im Aquarium ja schnell langweilig, aber es war schon spannend, hier mal vorbeizuspazieren. Vor allem, weil es Fische der „näheren“ Umgebung sind und eben keine Tropenfische. Man sieht damit auch die Fische, die man hier sonst vom Teller kennt – und ein bisschen leid taten sie mir da schon, wie sie da so groß und majestätisch herumschwammen…

Was ich hingegen immer stundenlang angucken könnte (und nie ist ein Stuhl davor), sind Quallen. *g* Und hier gab es sogar ein Becken mit Babyquallen, die da ganz engagiert drin herumpaddelten.



Auch die Korallen, Seepferdchen und Krabben fand ich spannend. :)

Und dann – für mich überraschend – gab es oben auf dem Dach des Ozeaneums keine Aussicht und Pinguine. Die sind da in dem Becken herumgerast und aus dem Wasser gesprungen, dass ich mich schon gefragt habe, wie oft die wohl aus dem Becken springen… Aber immerhin haben die sich in dem kalten nassen Wetter wohl gefühlt.

Doch, war ein netter Museumsbesuch. Ich hab mich nicht stundenlang aufgehalten und alles gelesen, sondern bin nur gemütlich durchgeschlendert, das kann man gut machen. Bei freundlicherem Wetter kann man bestimmt auch gemütlich im Hafen sitzen und gucken. Oder gemütlich durch die Stadt bummeln. Ich bin schon auch durch die Altstadt gelaufen, aber so richtig gemütlich war es nicht.


Meine Motivation, für längere Spaziergänge, hielt sich also in Grenzen – ich war auch in keiner Kirche. Ich hab mir nur noch Kaffee und Kuchen gegönnt und mich dann auf den Rückweg mit der Bahn gemacht. Kein ewig langer Tagesausflug, aber nett und für mich völlig ausreichend. :)

Stimmung:
trüb
rabensturm: (wald)
Letztes Wochenende war ich noch mal in Hessen – Zwischenwelttreffen – und da waren wir sehr historisch unterwegs. Auch da hatten wir wieder eine sehr hübsche Ferienwohnung in Florstadt, in einem hübschen Fachwerkhaus. Da haben wir viel gespielt und gequatscht und darum ging es ja hauptsächlich.

Als historische Sehenswürdigkeit haben wir uns zuerst den Glauberg und das Keltenmusem dort angeschaut. Wir waren da 2011 schon mal, auch wenn einige von uns sich daran nicht mehr erinnern konnten. ;)

Der Glauberg ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt, es gibt Zeugnisse der Urnenfelderkultur, der Kelten, es gab hier eine alemannische Höhensiedlung und eine fränkische Großburg und noch im Mittelalter gab es eine Befestigung und Besiedlung. Berühmt ist der Ort aber für den keltischen Grabhügel aus dem 5. Jahrhundert und die dort gefundene Steinfigur eines keltischen Kriegers.



Der Grabhügel war im Laufe der Zeit eingeebnet worden. Luftbildarchäologie machte ihn wieder bekannt, er wurde archäologisch ausgegraben und wieder rekonstruiert. Ob das ursprünglich so aussieht, ist natürlich wieder nicht eindeutig geklärt, insbesondere die Pfähle können (vielleicht eher) Teile von Häusern, Speichern oder Brücken sein als ein Mondobservatorium.

Im Museum gibt es einen Überblick über die Kelten und ihre Zeit – für uns war das alles nicht übermäßig informativ, aber nett war es doch. Und man konnte die Funde sehen, insbesondere die Figur des „Keltenfürsten“.



Man weiß natürlich nicht genau, wen die Figur darstellt – da ihre Ausstattung aber dem entspricht, was an Grabfunden des Bestatteten gefunden wurde, nimmt man an, dass es ein Abbild dieses Kriegers ist. Bemerkenswert ist dabei die haubenförmige Kopfbedeckung, die meist als „Mistelblattkrone“ gedeutet wird. Finde ich ja nicht besonders naheliegend, aber bitte. Neu war mir an der Stelle, dass auf dem Gelände noch Teile von weiteren Figuren gefunden wurden, die ebenfalls eigenwillige Kopfbedeckungen trugen. Vielleicht kommt da noch mehr, es ist längst noch nicht alles ausgegraben und erforscht.

Wir waren im Museum, wir waren im Garten und dann auf dem Gelände des Grabhügels. Dann sind wir Richtung Glauberg gegangen und dann haben wir erst mal ausprobiert, ob uns da ein Rettungswagen findet. :p Aufregung und Abenteuer, auf die wir gern hätten verzichten können, aber es war zum Glück nichts Schlimmes oder Langwieriges.

Am nächsten Tag dann Römer:



Das ist das Kastell Saalburg. Ein Weltkulturerbe, das um 1900, finanziert von Kaiser Wilhelm II., rekonstruiert und aufgebaut wurde. Das bestehende Bauwerk entspricht also dem Forschungsstand des 19./20. Jahrhunderts und steht selbst schon wieder unter Denkmalschutz.



Wie man sieht, war es sehr neblig – das fand ich sehr passend, um einen Ausflug in eine andere Zeit zu machen. Mystisch und historisch. ;)

Es gibt ein parkartiges Gelände innerhalb der Mauern, außen Fundamente der ursprünglichen Siedlung. Auf den Fundamenten des Kastells wurden die heutigen Gebäude wieder aufgebaut mit Stabsgebäude, Speicher, Fahnenheiligtum, Wohngebäuden und Taverne. Es gibt Ausstellungen darin zur Römerzeit und dem Leben der Römer – und auch eine Führung, die uns durchs Gelände geführt hat (aber auch nicht riesig informativ für uns).



Und es gibt die „Sonntags-Römer“, die am Wochenende das Kastell beleben. Da waren die beiden germanischen Söldner am Tor und dann die Truppe an den Backöfen, die Brote nach historischem Rezept buken (genauer gesagt Brot nach Analysen von verbrannten Broten in Pompeji). Das haben wir natürlich gekostet – und da haben wir auch die Sache mit den Hosen und Socken geklärt. Ja, in Germanien trugen auch die Römer Hosen, selbst wenn sie das bei ihrer Ankunft noch barbarisch und weibisch fanden. Das Klima war doch zu unwirklich und unfreundlich, für so zivilisierte Ansichten. ;)



Wir haben in der Taverne den Teller historischer Spezialitäten gegessen, das war auch sehr passend und sehr lecker. :)

Wir sind noch ein bisschen über das Gelände gelaufen, in malerischer Nebel- und Herbststimmung. Sehr schön. :)




Stimmung:
historisch
rabensturm: (wirbel)
Ich hatte gesehen, dass es in den Neuen Meistern eine Ausstellung gab, die nett klang: „Himmelblau. Über den Himmel in der Kunst des 19. Jahrhunderts.“ Also bin ich mal wieder hingegangen, das Museum mag ich wirklich gerne, und es ist auch nicht schlimm, dass ich vieles schon kenne. Schöne Kunst kann man sich auch immer wieder anschauen. :)

Himmel in der Kunst des 19. Jahrhunderts hieß vor allem Landschaftsgemälde – ich geb aber zu, es machte keinen Unterschied, diese ausgewählten Landschaftsgemälde anzusehen oder die anderen der romantischen Landschaftsmaler in den anschließenden Räumen. Insofern hat mich die Ausstellung eher unterwältigt, wenn es auch nett ist, dass mal ein paar andere Bilder aus dem Depot ans Licht dürfen.



Es war nur ein Raum, glaub ich, der dann in die Romantik überging. Es Amüsiert mich ja immer ein bisschen, dass da ein ganzer Schwung von Caspar David Friedrich ganz unspektakulär herumhängt, während seine Bilder in anderen Museen heißumkämpfte Schaustücke sind. Gerade jetzt, wo er dieses Jahr 250. Geburtstag hat. Das hier ist mein Lieblings-Friedrich in den Neuen Meistern:



Von der Romantik ging es Richtung Symbolismus und Impressionismus, ich hab mich gefreut, dass es seit der Zwintscher-Ausstellung ein Teil seiner Werke in die dauerhafte Ausstellung geschafft hat. Die sind immer wieder toll, von denen könnten noch viel mehr gezeigt werden.

Ich bin durch die Neuen Meister geschlendert und dann – natürlich – durch den Klingnersaal. Hab hier und da etwas fotografiert, hab mich gefreut, neue Dinge zu entdecken und alte Bekannte wieder zu sehen.



Auch das Schaudepot mag ich immer sehr, wo (scheinbar) ungeordnet Skulpturen verschiedener Zeiten, verschiedener Stile wild durcheinander stehen. Da kann man immer viele Sachen entdecken und ich finde immer, es hat auch etwas sehr verbindendes, wenn so unterschiedliche Sachen so gut zusammengehen.



Ganz am Ende noch ein Blick auf eine David-Kopie, von der wir ja erst im Sommer in Florenz diverse Versionen gesehen haben.



Hier war spaßig, dass es daneben an einem Bildschirm ein Filmchen vom Aufbau gab: es ist ein Gipsabdruck, der aus einzelnen Teilen zusammengepuzzelt wurde. Vermutlich wiegt auch aus Gips so eine Hand eine Menge, so dass das durchaus ein anstrengendes Unterfangen gewesen sein mag. ;)

Stimmung:
Dokumentation
rabensturm: (feder)
Auf zu großer Kunst: Wir hatten Tickets für die Uffizien vorgebucht, das berühmteste Kunstmuseum von Florenz, neben den Vatikanischen Museen vielleicht sogar das berühmteste Kunstmuseum von Italien. Wir hatten Karten vorgebucht, um genau zu sein, Kombi-Tickets, die für die Uffizien, den Palazzo Pitti mitsamt Garten und das Archäologische Museum galt (34 Euro pro Nase + 4 Euro Vorbuchungsgebühr). Hat problemlos funktioniert, wir konnten das Ticket an den Uffizien abholen und sind sogar ein bisschen vor Beginn des Zeitfensters reingekommen.

Die Uffizien sind ein berühmtes Museum – das heißt, sie sind gut besucht und selbst außerhalb der Saison und mit Zeitfenster war es da drin ziemlich voll. Vor besonderen Kunstwerken knubbelten sich die Leute, es gab immer mal Gruppen, die in den Räumen herumströmten. Aber gut, natürlich hat man solche Kunst nicht für sich alleine, weil alle all das sehen wollten. ;)



Ursprünglich war der Gebäudekomplex im 16. Jahrhundert wohl für die Unterbringung von Ministerien und Ämtern vorgesehen, doch bereits seit 1580 wurde hier eine Kunstsammlung untergebracht. Einer der Architekten der Anlage war Giorgio Vasari, der uns noch an anderen Stellen der Stadt begegnet ist. Es ist ein riesiges Gebäude, prachtvoll ausgestattet und – für mich – reichliche verwirrend in der Raum- und Wegeführung.



Das Gebäude bildet einen beeindruckenden Rahmen für die großartige Kunstsammlung. Es geht los bei Skulpturen aus der griechisch-römischen Antike, weiter über kirchliche Kunst bis hin zu den Größen der italienischen Renaissance. Da Vinci, Michelangelo, Raffael, Boticcelli, Caravaggio und viele mehr. Große Kunst, die man kennt, und hier im Original bewundern kann.





Mir hat gut gefallen, dass sich zwischen den Gemälden auch immer Statuen und Skulpturen fanden und auch das Gebäude und dessen Aussichten zur Geltung kam. Ansonsten ist es natürlich allein aufgrund der ganzen Fülle schwierig, jedem Kunstwerk die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Wir hatten keinen Audioguide mitgenommen, wir haben hier und da die Beschilderung gelesen und uns mit den Werken beschäftigt, die uns angesprochen haben. Nicht jedes Bild, jede Kunst und jedes Schild. Dabei haben wir uns auch nicht zwingend am längsten vor den berühmtesten Gemälden aufgehalten – da war auch immer das Gedränge groß und es schien besonders wichtig, sich mit dem Werk im Selfie zu verwirklichen…

Diese ganze große Kunst befand sich in der 3. Etage, bei der der Rundgang begann. Wir brauchten dann erst mal eine Pause und eine Stärkung, dazu gab es ein Panini im Café – wetterbedingt leider nicht auf der Terrasse:



Dann haben wir uns in der 2. Etage umgesehen, wo sich eine riesige Sammlung an Selbstportraits befand. Fand ich super, man reiste mit den Selbstportraits durch die Zeit bis hin zur abstrakte Moderne und konnte suchen und raten, ob da bekannte Gesichter drunter sind. Ich hab mich auch immer gefreut, Bilder von Künstlerinnen zu sehen – es gab sie nämlich, auch schon in der Renaissance.

Wir sind reichlich 3 Stunden drin geblieben, waren dann erst mal übermenscht und von Eindrücken übersättigt, so dass wir uns nach einer Runde durch den Shop wieder auf den Heimweg gemacht haben. Wir haben uns in der Markthalle jeweils ein Stück Kuchen zur Stärkung gekauft und erst mal ein Päuschen gemacht.

Und dann… noch ein Museum wollten wir nicht, aber was anderes anschauen, war schon noch drin, also sind wir zum Palazzo Pitti gelaufen und dort in den Garten gegangen. Der Boboli-Garten ist einer der bekanntesten italienischen Gärten des 16. Jahrhunderts und beherbergt zahllose Statuen, Grotten und Tempel.



Was die Beschreibungen selten verraten ist, dass der Garten sehr hügelig ist, es geht ständig aufwärts und abwärts, über Serpentinen und Treppen, das war anstrengender als erwartet. Und ja, auch das Wetter war wenig einladend, so dass wir uns nicht ewig aufgehalten haben. Aber nett war es doch nach dem Museum am Vormittag und Bewegung an frischer Luft.



Vom Palazzo Pitti (und dessen Ausmaßen) haben wir dabei auch schon mal einen Eindruck bekommen.



Der war, wie gesagt, mit in unserem Kombi-Ticket drin – wir sind am Ende doch nicht reingegangen, weil aufgrund von Bauarbeiten die Teile geschlossen waren, die uns interessiert hätten. Aber wir hatten ja keinen Mangel an Kultur und Museen. ;)

Stimmung:
rabensturm: (Wächter)
Ich hab heute mit dem Deutschlandticket einen Ausflug nach Leipzig gemacht ins Grassi Museum für Völkerkunde.



Das gehört (jetzt) zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und enthält auch einen Teil von dem, was früher im Japanischen Palais war (glaub ich). Das Japanische Palais mochte ich immer und Völkerkundemuseen finde ich auch immer spannend. Ich finde sie auch wichtig, als Anschauungsplatz für die Vielfalt der Welt, auch wenn mir natürlich bewusst ist, wie schwierig solche Sammlungen heute sind. Viele, sehr viele Objekte sind auf zweifelhaften Wegen in die Sammlungen gekommen, als Folge des Kolonialismus und oft auch zur Veranschaulichung rassischer und zivilisatorischer Überlegenheit Europas. Das muss heutzutage thematisiert werden in solchen Museen, genau wie die schwierigen Fragen der Rückforderungen. Auch im Grassi Museum nehmen diese Fragen großen Raum ein, die Ausstellung erscheint im Umbau, in verschiedenen Räumen wird der Dialog gesucht, zu den Besuchern, zur Kunst, zu den Völkern, deren Objekte ausgestellt sind. Ein Teil vom Museum besteht noch in der „alten“ Zusammenstellung, bietet einen „altmodischen“ völkerkundlichen Rundgang durch Südostasien.



Das mochte ich, da kam mir auch einiges bekannt vor, weil ich ja vor 100 Jahren mal auf Java und Bali gewesen bin. Ich finde das mythologisch interessant, kulturell und künstlerisch und mochte auch die gezeigte Bandbreite von Haushaltsgegenständen, Statuen, Stoffen, Waffen und vielem mehr. Ja, es fehlt der Kontext der Sammlungsgeschichte (und englische Texte), also gut, wenn da eine Umgestaltung passiert.

In der nächsten Etage ist die Umgestaltung schon im Gange… ich war so ziemlich alleine unterwegs, da kam mir der einzige andere Besucher erbost entgegen und verkündete, dass da alles so weitergeht, alles politisch korrekt und die Weißen als Böse und keine Ausstellungsstücke erklärt (und er von Ausstellungsaufstellern nicht geduzt werden möchte). Okay... ich hab nur gesagt, dass ich es mir angucke.



Ich habe inzwischen eine deutliche Meinung zur Rückgabe von Raubkunst (alles zurückgeben) und finde es wie gesagt sehr wichtig, dass die Sammlungsgeschichte dokumentiert und thematisiert werden muss – aber ich muss dem erbosten Herrn zustimmen, dass die Ausstellungsstücke doch arg untergingen in der künstlerischen Auseinandersetzung. Und es war tatsächlich wenig Erklärung zu den einzelnen Ausstellungsstücken – es gab Bildschirme, wo man nach den Nummern der Stücke suchen konnte (wenn man sich die vier- oder fünfstelligen Nummern quer durch den Raum gemerkt hat), da kam man auf die Online Collection zu einem Bild des Stückes. Die Ansage „weitere Informationen finden sie unter dem Bild“ war aber in den meisten Fällen nutzlos, weil es da eben keine weiteren Informationen gab. Hm.

Ich geh einfach mal davon aus, dass das an der Umstrukturierung und dem Umbau liegt. Kein Grund, erbost zu sein, auch wenn ich es insgesamt doch ein bisschen… unterwältigend fand, was es zu sehen gab. Vielleicht nach dem Umbau noch mal gucken. :)

Die Online Collection ist übrigens ganz großartig, da kann man viel Zeit mit Rumblättern verbringen. Und auch die Idee der Telepräsenzroboter finde ich super – mobile Roboter, die von Besuchern von zu Hause aus gesteuert werden können für einen digitalen Besuch. Stell ich mir lustig vor, wenn die durch die Ausstellungen rollern. :)

Immerhin war es ein Ausflug und mit dem Deutschlandticket kostet der Weg ja nix extra. ;)

Stimmung:
hm
rabensturm: (wirbel)
Im Moment gibt es eine schicke Ausstellung in den Alten Meistern. Es geht um Rosalba Carriera, die im 17. Jahrhundert eine bedeutende Pastellmalerin war. Ihre Fähigkeiten gaben ihr eine herausragende Position als Porträtmalerin, herausragend auch im Vergleich zu männlichen Kollegen.

Rosalba lebte in Venedig, das ohnehin als Zentrum von Kunst und Schönheit galt. Eine Menge junger Adligen machten auf ihrer Grande Tour dort Halt, eine Menge davon ließ sich auch von Rosalba portraitieren.



Durch die Pastelltechnik wirken die Porträts weich und pudrig und trotzdem individuell, so dass man annehmen mag, dass die Porträts sehr lebensecht sind.

Sie hat erst mit Miniaturmalerei angefangen, Aquarell und Gouache auf Elfenbein, wobei sie das Elfenbein wohl erst populär machte, das war zu der Zeit noch gar nicht so verbreitet. Die Pastellmalerei war dann aber ihr eigentliches Feld, sie malte neben den Porträts auch mythologische und religiöse Darstellungen oder Allegorien. Sie war ein gern gesehener Gast an den europäischen Höfen – auch wenn sie sich selbst beklagte, dass ihr das Reisen als Frau schwerer gemacht wurde als den männlichen Kollegen.

In Dresden gab es eine große Sammlung von ihren Pastellen, so dass der König ein eigenes Kabinett dafür einrichtete. Durch den Lauf der Zeit, Krieg und Verkäufe befinden sich heute „nur“ noch 73 Werke der Künstlerin in den Alten Meistern in Dresden, jetzt in der Ausstellung finden sich fast alle davon.

Pastell ist ein empfindliches Material, die meisten Bilder befinden sich auf Papier, die mit der Zeit schon auch mal so aussehen und Restauration bedürfen:



Doch, das war eine interessante Ausstellung. Die Pastelle sind wirklich zauberhaft; zudem wurde das Leben der Künstlerin auch in den Kontext der Zeit gesetzt. Für mich war der Bezug zu Venedig nett, das passte sehr gut zu unseren Besichtigungen im März.



Hier ein Selbstporträt der Künstlerin aus späteren Jahren, selbstbewusst zeigt sie sich mit königlichen Insignien (Hermelin!) als Allegorie des Winters, ohne sich um Eitelkeit und Schönheitsideale zu kümmern. Sagen die Kunstgeschichtler, kann ich aber durchaus nachvollziehen. ;)

Es gab noch eine zweite Sonderausstellung, eine kleine nur im Semper Kabinett. „Aus dem Schatten“ – Künstlerinnen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.



Ich hätte gerne mehr von Künstlerinnen gesehen und mehr von ihnen und ihrem Leben erfahren. So blieb es bei einem kurzen Blick auf die Vielfalt und die Kunstfertigkeit oft vergessener Frauen. Eine Liste gab es auch im Begleitmaterial nicht, ich hoffe mal, ich hab alle zusammen, wenn ich sie jetzt selber aufliste:

- Diana Scultori
- Barbara Longhi
- Rachel Ruysch
- Maria van Ooserwijck
- Marietta Robusti (La Tintoretta – Tochter von Tintoretto)
- Angelika Kaufmann
- Theresa Concordia von Maron
- Lavinia Fontana
- Elisabetta Sirani

Angelika Kaufmann war die Einzige, die ich auch in der normalen Sammlung der Alten Meister gefunden habe… aber zugegeben bin ich da nur durchgeschlendert, weil ich halt da war. Und hab auch ganz berühmte Bilder nur geguckt, weil ich halt da war und sie da hängen. ;)



Schon jedes Mal erstaunlich, welch große Kunst da in geballter Menge vorhanden ist.

Außerdem bin ich auch durchs oberste Stockwerk der Alten Meister geschlendert, da war ich noch nicht so oft. – Da hängen die ganzen Canalettos, die sind in ihrer Größe und Detailtreue auch sehr beeindruckend, zumal in dieser Anzahl.

Doch lohnender Museumsbesuch. :) Im Sommer eh empfehlenswert, weil die Räume klimatisiert sind. Es waren auch eine ganze Menge Leute im Museum, so was ist ja immer erfreulich, auch wenn die meisten wohl Touristen waren. Große Kunst gucken. :)

Stimmung:
gebüldet
rabensturm: (drei)
Beim Blick auf die Liste der Dresdner Museen ist mir neulich mal das Palitzschmuseum in Prohlis aufgefallen. Das klang angemessen obskur, um das mal ansehen zu wollen und – wie erwartet – war ich am Walpurgissonntag da ganz allein.



Das Museum widmet sich Siedlungsgeschichte und Stadtgeschichte des Stadtteiles Prohlis und dem Wirken des Namensgebers des Museums: Johann Georg Palitzsch, der im 18. Jahrhundert als „Bauernwissenschaftler“ und Autodidakt als erster das vorhergesagte Erscheinen des Halleyschen Kometen beobachtete. Um ihn mit den Stimmen der Zeit zu beschreiben: „Johann Georg Palitzsch, Bauer in Prohlis bei Dresden, der fleisigste Bearbeiter der vaterlichen Felder, ein vortreflicher Sternkundiger, Naturforscher, Pflanzenkenner, fast in keiner Wissenschaft fremd, ein Mann der sein eigener Lehrer war, fromm, aufrichtig, ein Weiser in seinem ganzen Leben, gebohren den 11. Junius 1723“.

Das Museum war übersichtlich, aber nett gemacht. Es gab ganz alte Siedlungsfunden, Faustkeile und einen Mammutzahn. Es gab alte Stadtgeschichte, bäuerliche Struktur, Blick auf das (abgebrannte und in den 1980igern abgerissene) Schloss Prohlis und die Umgestaltung zum Plattenbaugebiet.



Und ein bisschen was zum Herrn Palitzsch, seinen Studien und ein bisschen was allgemein zur Astronomie. Nichts, was man beim ersten Besuch in Dresden unbedingt gesehen haben muss, aber nett.

Außerdem hab ich mich angeregt mit dem Museumsmenschen unterhalten, über Stadtgeschichte und die verschiedenen Stadtteile und auch über meine Queste, die Dresdner Friedhöfe zu besichtigen. *g*

Um gleich dabei zu bleiben, hab ich heute am Feiertag den nächsten Friedhof besichtigt – passenderweise den mit der Grabstätte von Johann Georg Palitzsch.

Friedhof Leubnitz-Neuostra

Laut Wikipedia gehört der Friedhof um die Kirche Leubnitz-Neuostra zu den ältesten der Stadt Dresden und wurde vermutlich bereits 1288 angelegt (Leubnitz-Neuostra wurde allerdings erst 1921 nach Dresden eingemeindet).

Die Kirche ist sehr hübsch, sie steht auf einem Hang oberhalb der Straße und auch der Friedhof ist überraschend… hangig.



Es gibt viele sehr schöne Bäume, einige alte und schön gestaltete Gräber und eben die Hanglage. Das hat mir gut gefallen, ich hab auch das Grab von Herrn Palitzsch gefunden:



Die Kirche sah leider zu aus, aber die war auch von außen schön. Insgesamt fand ich die Ecke von Dresden sehr malerisch, sehr dörflich – man kennt ja auch nach vielen Jahren noch nicht alle Ecken und Stadtteile. Vielleicht kann man da mit einer schlauen Bus- und Straßenbahnplanung hübsch wandern…

Stimmung:
kleine Ausflüge
rabensturm: (drei)
Wir wollten ja schon lange mal ins Landesmuseum für Vorgeschichte nach Halle. Zum einen, weil da die berühmte Himmelsscheibe von Nebra liegt (wenn sie nicht gerade ins British Museum reist), zum anderen, weil da insgesamt viel Sehenswertes zu finden ist. Mitteldeutschland ist seit uralten Zeiten Siedlungsraum, es gibt hier zahlreiche spannende Fundstücke.

Wir hatten uns vorher informiert, nicht zuletzt, um zu wissen, ob die Himmelsscheibe wieder da ist. Dabei haben wir gesehen, dass es sonntags „Führungen für Ausgeschlafene“ gibt, das kostet nicht mal was, nur den Eintrittspreis. Und das war eine super Idee – das war die beste Führung ever, so lebendig und informativ, dass es einen neuen Maßstab setzt.

Wir haben es mit P&R und Straßenbahn rechtzeitig zum Museum geschafft:



Für die Führung waren wir durchaus ein größeres Grüppchen. Matthias, der Guide, fragte zuerst, ob wir einen Überblick über mehrere Dinge wollen oder lieber informativ was zu Einzelstücken. Die Gruppe wählte ersteres – aber das waren schon ganz schön detaillierte Einblicke zu verschiedenen Stücken. Zum Glück! So viel davon wäre uns nur mit der Beschilderung entgangen. Wir waren reichlich zwei Stunden unterwegs – haben dann im Museumscafé traurige Würstchen gegessen und sind dann alleine noch mal durch das Museum.

Mit der Führung ging es durch die prähistorische Abteilung, ich versuche mal ein bisschen was zusammenzufassen, an das ich mich erinnere:

Fundplatz Bilzingsleben

Eine 400.000 Jahre alte Wohnstätte einer Gruppe von Homo erectus, die in Thüringen gefunden wurde. Man erinnere sich, Homo erectus ist der Vorfahr von Neandertalern und modernen Menschen und vermutlich Zitat: „die erste hominine Art, die das Feuer benutzte; die erste, die das Jagen als ein wesentliches Element zur Sicherung ihrer Nahrungsversorgung einsetzte; die erste, die wie ein moderner Mensch laufen konnte.“

Die Funde zeigen diese Leute als soziale Gruppe, die sich mit ihrer Umwelt und dem Tod beschäftigen – dafür spricht ein Stein, der als Altar oder Amboss gedient haben mag, Büffelschädel und Trümmer menschlicher Schädel. Vielleicht war das ein Ritualplatz, eine Begräbnisstätte.

Sehr spannend und machte durchaus auch Lust, sich die Fundstätte mal anzuschauen. Für die Woche war es uns aber zu weit für einen Tagesausflug. Nach Thüringen kommen wir ja bestimmt mal wieder – und hier steht ja jetzt der Name als Erinnerung. ;)

Elefanten:

Es gibt Mamutse und ein riesiges Elefantenmodell, anhand dessen uns die Funde eines Waldelefanten erklärt wurde.



Das Ganze wurde in Zusammenhang gesetzt mit der Bevölkerung dieser Zeit, den Neandertalern, die durchaus auch die Elefanten gejagt haben mögen. Sehr gut fand ich an dieser Stelle, dass an den vorhandenen Neandertalermodellen der Stand der neuesten Forschung erklärt wurde. Zum Beispiel, dass Neandertaler (und auch Homo Sapiens) sehr viel dunkelhäutiger waren, als meistens dargestellt, und auch, dass die unterwürfige Position der Frauen wohl nicht der Wirklichkeit entsprach. Die Frauen haben sich ebenso an der Jagd beteiligt und waren körperlichähnlich entwickelt wie die Männer.

Ähnliche Erläuterungen gab es zum Homo sapiens. Auch da sind die Vorstellungen häufig noch von alten Klischees geprägt. – Um die infrage zu stellen, hatten sie ein Bild von einer prähistorischen Jägerin, die sehr… äh modelmäßig dargestellt war. Zeigt vermutlich mehr von heutigen Schönheitsidealen als allem anderen, mit Silikonbrust und gestylter Frisur… huiuiui…

Wichtiger Fund an der Stelle:

Die Schamanin von Bad Dürrenberg:

Dazu passieren gerade ganz spannende Dinge in der Forschung. Man nahm aufgrund der Grabbeigaben schon länger an, dass es sich um eine Schamanin gehandelt hat. Sie wurde sitzend (aufrecht hockend) bestattet und hielt einen Säugling im Schoß. Die Grabgrube war fast 30 cm mit Rötel gefüllt – unser Guide erklärte uns, wie außergewöhnlich das ist und welchen Aufwand es bedeutet, eine Menge Erde so rot zu färben. Erstaunlich ist eine anatomische Anomalie der Frau, die sie vermutlich befähigte, mit einem Kopfnicken ohnmächtig zu werden. – Ein Weg zu den Geistern!

Insgesamt war ihr Gesundheitszustand nicht besonders gut. Ihr ganzes Skelett war schief, vermutlich konnte sie schlecht laufen. Sie war vermutlich sehr beleibt und ihre oberen Schneidezähne waren abgeschliffen, was durch Entzündungen vermutlich zu ihrem Tod geführt hat (aua schon die Vorstellung dieser Zahnschmerzen). Unser Guide erklärte uns, dass es heute noch schamanistische Praktiken gibt, bei denen der/die Schaman*in sich Schmerzen zufügt, um für den Kampf in der Geisterwelt gerüstet zu sein. Oder um Zugang zur Geisterwelt zu haben. Das mag auch hier der Fall gewesen sein. Außerdem zeigen Genuntersuchungen, dass die Schamanin vermutlich Afrikanerin war – auch das außerordentlich bemerkenswert.

Geschichtlich wanderten wir weiter von Jägern und Sammlern zu den ersten Ackerbauern. Dem Wandel der Gesellschaft, der damit verbunden war. Man mag den Eindruck gewinnen, dass – zumindest für die Frauen in der Gesellschaft – die Sesshaftigkeit nicht unbedingt Verbesserungen brachten. Zum einen erhöhte sich ihre Sterblichkeit (weil sie deutlich mehr Kinder bekamen als die Jägerinnen/Sammlerinnen), zum anderen entwickelten sich Hierarchien und soziale Strukturen, Besitz und auch erste gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Familiengräber von Eulau mögen – vielleicht – ein Beispiel sein für Frauenraub und Gewalt an Frauen. Ich lerne den unschönen Begriff „Übertötung“.

Kommen wir zum Schmuckstück:

Die Himmelsscheibe von Nebra:

Die Scheibe war in einem dunklen Raum ausgestellt unter einem sich drehenden Sternenhimmel – das war schon sehr eindrucksvoll:



Das Bild ist ja bekannt, vermutlich auch die abenteuerliche Fund- und Verkaufsgeschichte. Dazu bekamen wir noch ein paar Details, die unter anderem auch die kratzige Seite eines Spülschwamms beinhaltete. *irx*

Was die Funktion angeht – da ist es wohl vor allem ein Machtinstrument gewesen. Voraussagen zu machen, Wissen zu haben. – Ich mochte die entschiedene Aussage, dass die Bauern sowas nicht brauchen, um den Zeitpunkt zur Ernte zu bestimmen. Bauern gehen nicht nach Sternenaufgang, denen reicht grob die Jahreszeit, die sie selbst erkennen und natürlich Wetter und Wachstumsverhältnisse.

Wir lernen, es war die Aunjentitzer Kultur, zu der die Himmelsscheibe gehörte (ob sie hier hergestellt wurde, ist nicht klar). Die Aunjentitzer sind aus einer Verschmelzung der Glockenbecher- und der Schnurkeramikkulturen hervorgegangen – von denen hat man immerhin schon mal was gehört.

Doch, sehr beeindruckend, um so mehr unter dem Sternenhimmel. Eine Weile merken wir uns vielleicht auch noch, wie man die Plejaden am Sternenhimmel findet (wobei meine Augen für die eh nicht gut genug sind).

Es war schön, die Scheibe im Original gesehen zu haben. – Ich persönlich überlege noch ein bisschen an der Frage, ob ein Original für mich als Museumsbesucher einen besonderen Wert hat. Kopien sind heutzutage so gut und bei all der kolonialen Raubkunst bin ich immer vehement dafür, die Originale zurückzugeben und hier Repliken auszustellen. Man darf die Originale ja eh nicht anfassen, halten, ablecken, warum sollte es also nicht eine gute Replik tun…? Und doch war es schön, das Original zu sehen – weil man eben weiß, dass es das Original ist und tausende Jahre alt und Teil einer fernen Kultur und Objekt vergessener Rituale… Alles nicht so einfach.

Unsere Führung endete an der Himmelsscheibe. Wir haben uns gestärkt und dann noch einmal auf eine eigene Runde gemacht. Noch mal oben durch den Bereich Vorgeschichte, noch mal Fotos machen, wozu vorher nicht immer Gelegenheit war.



In der anderen Etage geht es in geschichtliche Zeiten, es gibt etwas über die Thüringer zu sehen, die Germanen, die Römer, frühes Mittelalter. Das war auch interessant, wir waren aber nicht mehr ganz so aufnahmefähig. Und irgendwie passten die Römer und das Mittelalter auch nicht ganz zur Vorgeschichte, der sich das Museum ja verschrieben hat. Vermutlich wär es zu schade, die Sachen nicht auszustellen – und vielleicht interessieren sich da Leute auch mehr für als nur Steine und Steinwerkzeuge. ;)

Das war ein sehr lohnender und empfehlenswerter Museumsbesuch – danach waren wir dann platt und sind nur noch ins Quartier geschlumpft. ;)

Stimmung:
gebüldet
rabensturm: (wirbel)
500 Jahre mechanische Figurenautomaten

Im Lipsiusbau (das ist der mit der Kuppel wie eine Zitronenpresse) läuft gerade obige Ausstellung, für die an vielen Stellen in der Stadt geworben wird. Es geht um Automaten, die schon im Barock die Kunstkammer bevölkerten, zur Erheiterung und Unterhaltung der Gäste und eben mechanischen Figuren, Automaten und Kunstwerken bis heute.

Um beim Thema Schlüssel zu bleiben, haben sie das interaktiv gestaltet – man bekommt am Anfang einen Schlüssel, mit denen man die Begleittexte und -filmchen starten kann, anstatt schnöde auf einen Knopf zu drücken.



Das mit dem Schlüssel finde ich Spielkind eine super Idee – ich hoffe nur, die Technik hält bis September durch.

Ich weiß, dass es im Grünen Gewölbe einige Kunstwerke gibt, die sich einst bewegen konnten. Die über die herrschaftliche Tafel rollten, liefen oder andere Kunststücke konnten. Sieht man aber natürlich nie, weil die Bewegung die kostbaren Stücke viel zu sehr beanspruchen könnte. Aber offenbar können sie das noch, es gab nämlich Filmchen, die das gezeigt haben.



Der Zentaur konnte sich beispielsweise bewegen und sogar einen Pfeil abschießen, die großen goldenen Tischaufsätze waren Uhren bzw. Spieldosen, mit beweglichen Figuren und Musik. Und die Spinne ist ein winziger Automat, der über den Tisch laufen konnte. Diese winzige Spinne!

Weiter ging es mit der Nachbildung menschlicher Körper, zum einen als Prothese (die Hand von Götz von Berlichingen) und der Stimme. Dann kurbelbetriebene Dioramen, wie man es vom mechanischen Weihnachtsberg kennt, bis hin zu frühen Spielautomaten.



Da waren durchaus skurrile Dinge dabei – auch hier ging es vor allem um Unterhaltung und Erstaunen, aber eher für die breite Masse auf Märkten und Bahnhöfen.

Letzter Teil ging dann um Automaten bzw. bewegte Dinge in der Kunst. Ich hab leider das Bild nicht fotografiert, das sich veränderte, wenn man länger draufschaute. Es fühlte sich an wie eine optische Täuschung, aber es veränderte sich tatsächlich.



Jedenfalls war das auch spannend – auch wenn solche mechanischen Dinge gerne mal creepy sind, das gilt für die historischen Figuren mit den beweglichen Augen aber auch schon.

Also, lohnende Ausstellung – und im Gebäude war es auch sehr angenehm temperiert. Erwähnen möchte ich auch das hilfsbereite Personal, das uns bereitwillig die Kunst erklärte (Ja, das bewegt sich tatsächlich) und anderen Leuten sogar fremdsprachig (russisch?) weiterhalfen.

Stimmung:
mehr Kultur
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