Von Beiersdorf nach Eibau
1 Aug 2012 09:18 pmDie Tagesstrecke betrug laut Plan 22 km – da wir aber ein Stück abgewichen sind, können wir nun nicht mehr beurteilen, wie weit es tatsächlich war. Aber 20 km bestimmt.
Erst mal hieß es, in Tritt zu kommen und sich ans Wandern zu gewöhnen. Praktischerweise ging es dazu erst mal hinab, den ganzen Bieleboh wieder runter bis nach Beiersdorf rein. Unpraktischerweise begann es dabei zu tröpfeln, so dass wir uns erst mal wetterfest gemacht haben und als wehende Zelte ins Tal gewandert sind. *g* Also zumindest ich war ein wehendes Zelt. Kurz nach Beiersdorf konnten wir die Zeltplanen aber zu Glück wieder einrollen. Es ging auf alten Ortsverbindungswegen zwischen Feldern und Wäldchen hindurch bis Neusalza-Spremberg. Nach ein paar ersten Blicken auf das Städtchen und die schönen Umgebindehäuser, schlagen wir einen Bogen, um zu den sagenhaften Schmiedesteinen zu gelangen. Die liegen gleich am Ort und bilden prächtige Granitfelsen mit Stufen, Aussichtspunkten und lauschigen Winkelchen. Die Sage berichtet, dass an der Stelle der Teufel eine Schmiede hatte – oder dass er die Werkstatt eines gottesfürchtigen Schmiedes mit den Steinen zerschmiss, weil der ihm das Geschäft verdarb.

Auf jeden Fall ein lauschiges Plätzchen mit schönen Felsen.
Der Weg führte um die Felsen herum und wieder hinein nach Spremberg-Neusalza, direkt vorbei am Reiterhausauf das wir aber erst aufmerksam gemacht werden mussten.

Es ist das älteste Haus in der Stadt und eines der ältesten noch erhaltenen Umgebindehäuser. Um 1660 wurde das Haus für einen Kleinbauern erbaut, um 1760 wurde es erweitert und um 1800 nochmals ausgebaut. Heutzutage hat es eine beeindruckende Größe, die mit dem Umgebinde und dem Strohdach aber nicht weniger romantisch wirkt. Ob man die Reiterfigur am Gibel romantisch findet, das sei jedem selbst überlassen – die Figur ist ein Siegpreis, den eine Tochter des Hauses 1874 von einem Ritterstechen mitgebracht hat.
Es befindet sich auch ein Museum im Haus, für das wir aber keine Zeit hatten. Dafür hat uns aber ein freundlicher Anwohner den weiteren Weg erklärt – ganz herrrrlich mit dem rrrollenden Rrr der Lausitz – und eine Abweichung von unserem Wanderweg empfohlen. Der ginge nur durch den Wald, wir sollen doch lieber an der Bockwindmühle vorbeilaufen.
Gesagt getan, wir wanderten aus Neusalza-Spremberg wieder raus, durch den Wald, über die Eisenbahnbrücke, zwischen Felder hindurch bis zur Bockwindmühle Obercunnersdorf. Da war es dann auch höchste Zeit für eine rast und das Mittagessen. ;)

Die Bockwindmühle ist der älteste Windmühlentyp in Europa. Das besondere daran ist, dass sich die Mühle auf einem hölzernen Stützgestell befinden (dem Bock), auf dem sie entsprechend der Windrichtung gedreht werden kann. Das freilich war ein mühsames Unterfangen, so dass man besser auf eine gleichbleibende Windrichtung hoffte.
„Unsere“ Windmühle zeigte an diesem Tag, was sie konnte und drehte sich mit dem Wind. Sie war offen und davor stand ein sorbischer Hochzeitsbitter in farbenprächtiger Tracht. Nicht für uns allerdings, sondern für die Hochzeitsgesellschaft, die an der Windmühle feierte. Das Brautpaar wurde vor der Mühle fotografiert – und wir Wandersleute saßen abgekämpft und gar nicht feierlich aussehend im Hintergrund. *g* Wir haben uns gestärkt, ein bisschen ausgeruht und sind dann vor den drohend aufgetürmten Gewitterwolken angetrieben weitergelaufen. Jetzt ging es zum Kottmar und zur Spreequelle.
Der Kottmar ist ein 583 m hoher Berg, an dessen Flanke sich die höchstgelegene der drei Spreequellen befindet.

Die Quelle wird auch Buchenborn genannt und es gibt eine hübsche lokale Sage über die Quelle und den Zwerg Gerbold. Ebenfalls bemerkenswert, dass der Kottmar zur Oberlausitzer Wasserscheide gehört: Die Spree fließt über die Havel zur Nordsee, während der ebenfalls hier entspringende Petersbach über die Lausitzer Neiße und die Oder in die Ostsee entwässert.
Wir haben uns nur die Spree-Quelle angeschaut, das letzte Stück Aufstieg zum Gipfel aber gespart – weise Entscheidung, da die Baude ohnehin geschlossen hat und wir keinen Bergbesteigungsstempel bekommen hätten. Das haben wir aber erst auf der anderen Seite am Parkplatz erfahren, wo uns der Weg schon wieder hinab nach Walddorf führte.

Ein niedliches Dorf! Die meisten Häuser hier sind liebevoll restaurierte Umgebindehäuser, eins schöner als das andere. Umgebindehäuser sind für die Lausitz typisch. Es handelt sich um eine Mischung aus Blockbau-, Fachwerk- und Massivbauweise. Einfach gesagt, ruht das obere Geschoss auf separaten Stützen und eigenem Fachwerk, unabhängig von der Blockstube im Erdgeschoss. Einerseits sorgt das für eine bessere Lärm-, Wärme- und Vibrationsdämmung (in vielen Blockstuben standen früher ratternde Webstühle), andererseits kann man die Häuser einfach auseinandernehmen und wie mit Stecksystem woanders wieder zusammenbauen. Und hübsch ist es außerdem. :)
Bergab durch Walddorf erreichten wir schließlich die Hauptstraße von Eibau… eine seeeehr lange Hauptstraße. Ich sage nur „Noch 100 Hausnummern bis Buffalo…“ Das hat sich schon noch ziemlich gezogen – und dass nun doch noch Regengüsse auf uns niedergingen, machte es nicht angenehmer. Aber der „Hirsch“ empfing uns als gastfreundliche Bleibe – und nach kurzer Rast reichte es auch noch dazu, im benachbarten Eis-Café einzukehren. *g*
Stimmung:
wandern
Erst mal hieß es, in Tritt zu kommen und sich ans Wandern zu gewöhnen. Praktischerweise ging es dazu erst mal hinab, den ganzen Bieleboh wieder runter bis nach Beiersdorf rein. Unpraktischerweise begann es dabei zu tröpfeln, so dass wir uns erst mal wetterfest gemacht haben und als wehende Zelte ins Tal gewandert sind. *g* Also zumindest ich war ein wehendes Zelt. Kurz nach Beiersdorf konnten wir die Zeltplanen aber zu Glück wieder einrollen. Es ging auf alten Ortsverbindungswegen zwischen Feldern und Wäldchen hindurch bis Neusalza-Spremberg. Nach ein paar ersten Blicken auf das Städtchen und die schönen Umgebindehäuser, schlagen wir einen Bogen, um zu den sagenhaften Schmiedesteinen zu gelangen. Die liegen gleich am Ort und bilden prächtige Granitfelsen mit Stufen, Aussichtspunkten und lauschigen Winkelchen. Die Sage berichtet, dass an der Stelle der Teufel eine Schmiede hatte – oder dass er die Werkstatt eines gottesfürchtigen Schmiedes mit den Steinen zerschmiss, weil der ihm das Geschäft verdarb.

Auf jeden Fall ein lauschiges Plätzchen mit schönen Felsen.
Der Weg führte um die Felsen herum und wieder hinein nach Spremberg-Neusalza, direkt vorbei am Reiterhaus

Es ist das älteste Haus in der Stadt und eines der ältesten noch erhaltenen Umgebindehäuser. Um 1660 wurde das Haus für einen Kleinbauern erbaut, um 1760 wurde es erweitert und um 1800 nochmals ausgebaut. Heutzutage hat es eine beeindruckende Größe, die mit dem Umgebinde und dem Strohdach aber nicht weniger romantisch wirkt. Ob man die Reiterfigur am Gibel romantisch findet, das sei jedem selbst überlassen – die Figur ist ein Siegpreis, den eine Tochter des Hauses 1874 von einem Ritterstechen mitgebracht hat.
Es befindet sich auch ein Museum im Haus, für das wir aber keine Zeit hatten. Dafür hat uns aber ein freundlicher Anwohner den weiteren Weg erklärt – ganz herrrrlich mit dem rrrollenden Rrr der Lausitz – und eine Abweichung von unserem Wanderweg empfohlen. Der ginge nur durch den Wald, wir sollen doch lieber an der Bockwindmühle vorbeilaufen.
Gesagt getan, wir wanderten aus Neusalza-Spremberg wieder raus, durch den Wald, über die Eisenbahnbrücke, zwischen Felder hindurch bis zur Bockwindmühle Obercunnersdorf. Da war es dann auch höchste Zeit für eine rast und das Mittagessen. ;)

Die Bockwindmühle ist der älteste Windmühlentyp in Europa. Das besondere daran ist, dass sich die Mühle auf einem hölzernen Stützgestell befinden (dem Bock), auf dem sie entsprechend der Windrichtung gedreht werden kann. Das freilich war ein mühsames Unterfangen, so dass man besser auf eine gleichbleibende Windrichtung hoffte.
„Unsere“ Windmühle zeigte an diesem Tag, was sie konnte und drehte sich mit dem Wind. Sie war offen und davor stand ein sorbischer Hochzeitsbitter in farbenprächtiger Tracht. Nicht für uns allerdings, sondern für die Hochzeitsgesellschaft, die an der Windmühle feierte. Das Brautpaar wurde vor der Mühle fotografiert – und wir Wandersleute saßen abgekämpft und gar nicht feierlich aussehend im Hintergrund. *g* Wir haben uns gestärkt, ein bisschen ausgeruht und sind dann vor den drohend aufgetürmten Gewitterwolken angetrieben weitergelaufen. Jetzt ging es zum Kottmar und zur Spreequelle.
Der Kottmar ist ein 583 m hoher Berg, an dessen Flanke sich die höchstgelegene der drei Spreequellen befindet.

Die Quelle wird auch Buchenborn genannt und es gibt eine hübsche lokale Sage über die Quelle und den Zwerg Gerbold. Ebenfalls bemerkenswert, dass der Kottmar zur Oberlausitzer Wasserscheide gehört: Die Spree fließt über die Havel zur Nordsee, während der ebenfalls hier entspringende Petersbach über die Lausitzer Neiße und die Oder in die Ostsee entwässert.
Wir haben uns nur die Spree-Quelle angeschaut, das letzte Stück Aufstieg zum Gipfel aber gespart – weise Entscheidung, da die Baude ohnehin geschlossen hat und wir keinen Bergbesteigungsstempel bekommen hätten. Das haben wir aber erst auf der anderen Seite am Parkplatz erfahren, wo uns der Weg schon wieder hinab nach Walddorf führte.

Ein niedliches Dorf! Die meisten Häuser hier sind liebevoll restaurierte Umgebindehäuser, eins schöner als das andere. Umgebindehäuser sind für die Lausitz typisch. Es handelt sich um eine Mischung aus Blockbau-, Fachwerk- und Massivbauweise. Einfach gesagt, ruht das obere Geschoss auf separaten Stützen und eigenem Fachwerk, unabhängig von der Blockstube im Erdgeschoss. Einerseits sorgt das für eine bessere Lärm-, Wärme- und Vibrationsdämmung (in vielen Blockstuben standen früher ratternde Webstühle), andererseits kann man die Häuser einfach auseinandernehmen und wie mit Stecksystem woanders wieder zusammenbauen. Und hübsch ist es außerdem. :)
Bergab durch Walddorf erreichten wir schließlich die Hauptstraße von Eibau… eine seeeehr lange Hauptstraße. Ich sage nur „Noch 100 Hausnummern bis Buffalo…“ Das hat sich schon noch ziemlich gezogen – und dass nun doch noch Regengüsse auf uns niedergingen, machte es nicht angenehmer. Aber der „Hirsch“ empfing uns als gastfreundliche Bleibe – und nach kurzer Rast reichte es auch noch dazu, im benachbarten Eis-Café einzukehren. *g*
Stimmung:
wandern