rabensturm: (wirbel)
[personal profile] rabensturm
Wenn man gefragt wird „Du, ich hab eine Karte übrig für Hamlet mit Patrick Steward und David Tennant in Stratford-upon-Avon, willst du mitkommen?“ dann ist das eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen kann. *g* Also war ich dieses Wochenende in England, im Geburtsort von William Shakespeare und dort im Theater der Royal Shakespeare Company. Und – ich habe nie daran gezweifelt – es war toll!

Man fragt allenfalls noch „Wann?“ und kümmert sich dann darum, wie man da hingelangt. *g* Cari hat das Angebot gemacht – sei sie dafür gepriesen – und natürlich hatte sie ihren Flug von Köln aus schon. ich habe eine Weile suchen müssen und schon erwogen, im Dreieck von Dresden nach Köln nach London nach Dresden zu fliegen, aber die Zeiten waren allesamt unkooperativ. Leipzig war nicht besser und Altenburg... reden wir nicht drüber. Aber da gab es noch Berlin Schönefeld und damit doch eine Möglichkeit, mitzukommen. :)


Am Freitag sollte es losgehen, ich bin am Donnerstag Abend schon mal zu meiner Schwester nahe Berlin gefahren, dass am nächsten Morgen der Weg nicht so weit ist. Der Zwerg hat sich gefreut und mich gleich als erstes mal zum Sandkasten gezerrt. *g*

Freitag früh bin ich dann das letzte Stück nach Schönefeld gefahren, hab das Auto auf dem Parkplatz gelassen (die Parkgebühren schmerzen immer noch), hab eingecheckt und mich auf die Reise gemacht. Gepäck brauch man für ein Wochenende ja nicht viel, und so konnte ich beschwingt mit meinem Rucksack auf Gepäckabgabe und –warten verzichten. In London Stansted hat dann Cari schon gewartet – und mir sogar ein ganz reizendes Schild mit meinem Namen gemalt. Cari Erlebnistours. *g*

Zusammen sind wir in die Innenstadt gefahren, um dort den Rest zu treffen. Daniela, Caris Freundin, die in England arbeitet, und noch deren Freundin und deren Mutter. Übersichtliche Runde und alle nett und guter Dinge. *g* Wir haben lecker Fish und Chips gegessen und dann London Richtung Stratford verlassen. Der Zug fährt zwei Stunden – schon mal genügend Zeit, ausgiebig zu quatschen. *g*

Stratford-upon-Avon ist als Geburtsort William Shakespeares natürlich ein nationales Heiligtum und ein Wallfahrtsort für Touristen. Tagestouristen in Bussen hauptsächlich, aber auch Theaterbesucher, die die reichlich vorhandenen B&Bs und Hotels nutzen. Das haben wir ja auch gemacht und uns in einem schnuckeligen B&B einquartiert. Das Zimmer war fliederfarben. *g*

Nach kurzer Rast haben wir uns noch mal aufgemacht, den Ort zu erkunden.



Ein sehr schöner Ort, hübsch rausgeputzt, aber nicht wirklich künstlich oder von Tourismus erdrückt. Liebevoll restauriert, trifft es vielleicht am ehesten. Die Häuschen waren klein und mit schiefem Fachwerk und sicher auch ohne rechte Winkel im Gebälk. Charmant und pittoresk – auch wenn ich das Wort nicht leiden kann.

Ein bißchen unpassend war das Uhrenmonument am Marktplatz, das ein edler Spender aus Amerika dem Ort gestiftet hat. Ah... ja... deshalb die steinernen Maiskolben im Relief. *irx*



Es gab viele kleine Läden, auch klassischen Touristenkrempel, aber es hatte trotzdem alles irgendwie Charme.

Wir haben das Geburtshaus von Shakespeare gefunden…



…waren aber aus Zeitmangel nicht drin und sind ansonsten eher gemütlich
rumgeschlendert. Noch ein Sandwich für den Abend und dann war das der Freitag.

Samstag war Theatertag. :) Die Karten waren für 13 Uhr, so dass man vorher nicht mehr wirklich viel unternehmen konnte. Auf jeden Fall war es das Frühstück wert, sich dafür Zeit zu nehmen. Englisches Frühstück mit drei Gängen, mit Porridge und Omelette und wenn man wollte komplett mit Bohnen, Wurst und Schinken. Oder einen fantastisch aussehenden Obstsalat, an den ich mich wegen potentiell bissiger Obstsorten aber nicht rangetraut habe.

Wir sind wieder durch Stratford geschlendert und diesmal auch in dem ein oder anderen Laden gewesen. Wir sind bis an den Fluß runter gelaufen und schließlich auch bis zum Theater. Ist ja alles nicht weit entfernt, der Ort ist nicht groß.



Ich hatte nicht wirklich eine Vorstellung vom Theater. Ich wusste nur, dass da die Royal Shakespeare Company residiert und die bekanntlich hervorragende Arbeit leisten. – Das erste, was wir vom Theater gesehen haben, war dann eine riesige Baustelle. *g* Das muss wohl das historische Gebäude gewesen sein – oder eins davon – das größer, schöner, moderner ausgebaut wird. Für unseren Hamlet gab es ein anderes Gebäude und eine eher nüchtern wirkende Metallhalle. Hat uns aber nicht gestört, wir wollten ja das Stück sehen. *g*

Vorher gab es aber vor dem Eingang schon mal was zu sehen. „Poetry Performance“, falls das der korrekte Ausdruck ist. Vier Nachwuchsschauspieler der Company zitierten und spielten Gedichte, Szenen, Dialoge. Unterschiedliche Sachen, die ineinander übergingen, und sehr engagiert und lebendig dargestellt wurden. Nicht nur Shakespeare, aber ich hätte es auch nicht erkannt, wenn es nur Shakespeare gewesen wäre. Von Taxifahrern hat er aber meines Wissens nach nicht geschrieben. *g* War toll. Ich hab nicht alles verstanden, aber es war toll! Und einmal waren wir auch Fixpunkt der Szene und ich fühlte mich sehr angesprochen. *g* Und das, wo sie immer vom Tod redeten. *g* Da fiel kaum auf, dass Patrick Steward mal unauffällig das Haus verließ und etwas später wiederkam. *g* keiner hört mich, keiner sieht mich. *g*

Innen war das Gebäude schon gut gefüllt, aber noch hielt sich das Gedränge in Grenzen, so dass ich ein Programm kaufen konnte. Dann hieß es Plätze suchen, und schon mal die Bühne beobachten: Das Theater ist rund – wie es wohl klassisch für Shakespeare ist – und die Sitze gingen in drei Rängen dreiviertel rund um die Bühne. Der Hintergrund war einfach eine Spiegelfläche, mit drehbaren bzw. zu öffnenden Segmenten. Und auch der Boden der Bühne war einfach glatt glänzend. – Kulisse? Brauch man nicht. *g* Oder zumindest erst später.

Wir saßen ziemlich weit an der Bühne dran, direkt neben einem Aufgang, wo auch schon mal waffenklirrend entlanggestürmt wurde. Man hatte prima Sicht – durch die Rundrum-Aktion aber auch mal den Nachteil, dass man ganze Monologe nur die Hinteransicht eines Schauspielers bewundern durfte. Hamlet stand direkt vor uns – aber halt mit dem Rücken zu uns... Was solls, ging den anderen auf der anderen Seite sicher auch nicht anders. Und ich war da nicht, um David Tennant anzuschmachten, ich kenn nämlich kaum was von Dr. Who. *g* Ich kannte ja auch nicht den Typen, der drei Plätze neben uns gesessen hat und angeblich auch eine Dr.-Who-Berühmtheit war. ;)

Das Stück selber:



Die Handlung sollte bekannt sein – und das hat mir auch das Verständnis erleichtert. Mein Englisch hat durchaus ausgereicht, um der Handlung folgen zu können – aber ich musste mich trotzdem konzentrieren dafür. War nicht schlimm, hat aber für eine gewisse „Distanz“ gesorgt, so dass ich mich nicht unbedingt sehr tief ins Stück einfühlen konnte. Keine Tränen bei Tod und Beerdigung also. *g* Dafür aber ab und an nette Aha-Effekte: „Hat er grad echt gesagt, er will ein Krokodil essen?“ Ja, hat er gesagt und steht sogar so als Text beim alten William. *g*

Aber trotzdem war es toll. Die Schauspieler waren alle Klasse und ich mochte auch diesen Mix aus modern und altmodisch. So gab es schicke Abendkleider und Anzüge mit Orden unter glitzernden Kronleuchtern, Brustharnisch und glänzende Helme, aber auch Tarnfleck-Uniformen. Ich mochte die Szene, wo sich der norwegische König (oder zumindest seine Leute) aus dem Hubschrauber abseilten. Ganz besonders mochte ich aber die Anfangsszene, wo die spiegelnde Untergrundfläche so richtig genutzt wurde. Alles dunkel (es beginnt ja mit der Geistererscheinung des toten Königs) und starke Taschenlampen, die indirekt über den spiegelnden Boden in die Gesichter der Beteiligten leuchtete. Das sah cool aus – und durchaus gruselig für die Geisterstunde. Und sie haben es auch geschafft, uns zu verwirren, weil der Geist tatsächlich plötzlich an einer ganz anderen Stelle auftauchte. *g* Da haben sie im Dunklen heimlich noch einen Schauspieler auf die Bühne geschmuggelt. Und ich mochte die Szene, als Hamlet mit Klebeband an einen Bürostuhl gefesselt knapp an uns vorbeigeschoben wurde. *g* Mit viel Schwung. Und das Stück im Stück war toll! Eigentlich war alles toll. ;)

Und nach dem Stück… Wir haben uns an den Stage-Ausgang gestellt, weil Cari und Daniela gern Autogramme wollten. Aber da stand schon eine kreischende Masse Fans – und rausgekommen sind sie eh nicht alle, weil ja Nachmittagsvorstellung war und Abends noch eine zweite folgte. David Tennant war kurz draußen für 5 oder 6 Unterschriften, Horatio und die Königin und noch ein anderer. Immerhin von denen konnten Cari und Daniela ihren Shakespeare verschönern lassen. ;)

Als Abschluß des Kulturevents waren wir noch klassisch Tee trinken, zu dem es diese großartigen Scones mit clotted cream gab. *schleck* Das irgendwas sehr gehaltvolles zwischen Sahne und Butter – und sehr lecker zu den Scones und der Marmelade. :) Das reichte dann auch an Ereignissen für diesen Tag, wir haben den Abend verquatscht, was gespielt… und uns noch eine ganze Weile über Hamlet begeistert. *g*

Sonntag gings dann zurück. Und viel Zeit für große Unternehmungen blieb da auch nicht. Also haben wir uns nur in der Fußgängerzone von Stratford noch ein bisschen in die Sonne gesetzt und ungeachtet der Wespen einen Kaffee getrunken. Man merkte, dass Sonntag war – einfach wesentlich mehr Touristen, die in Herden durch die Straße strömten. Dafür gab es aber auch die nette Dampfeisenbahn am Bahnhof. *g*



Der Shakespeare-Express. *g* Gefahren sind wir aber mit dem ganz normalen Zug. Wieder zwei Stunden zurück nach London, und dann später weiter zum Flughafen und schließlich am Abend zurück nach Berlin. Mit einer Stunde Verspätung leider, aber ich habs überlebt. Und auch die Fahrt im Auto nach Hause, auch wenn mich die Parkgebühren durchaus geschockt haben. :p Ich war schließlich kurz nach Mitternacht zu Hause und alles hat gut und problemlos geklappt.

Ein rundum tolles Wochenende. :)


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