Durch Lettland nach Klaipeda
5 Jul 2017 10:49 pmDas Baltikum ist altes Kulturland, es gab die baltischen Stämme, die Missionierung durch die Ordensritter und alle Konflikte, die sich daraus ergaben. Die Länder waren mal Teil von Russland, Deutschland, Polen, mal selbstständig und dann wieder nicht. Man kann also zahllose Zeichen der Geschichte besichtigen, nicht zuletzt Burgen und Schlösser und Ruinen. Sowas machen wir natürlich immer gerne, aber bei drei Ländern in zwei Wochen mussten wir auch eine Auswahl treffen. Und sei es nur, dass eine Burg besser zur Wegstrecke passte oder wir nicht dreimal Barock nacheinander wollten. ;)
Wir haben Jurmala Richtung Westen verlassen. Es gingdurch eine Baustellenumleitung über Land, bot also auch schon mal erste Ausblicke aufs flache Land. Viel Grün, teilweise auch noch blühender Raps. Unser erster Halt war das Schloss Jaunmoku pils (Pils heißt Schloss/Burg).

Kein Barock. Das Schloss wurde 1901 als Jagd… äh… hütte für den Rigaer Bürgermeister gebaut. Das ist Neo-Gotic, innen gibt’s wohl auch Jugendstil, aber wir haben uns eher außen umgesehen. Das Gelände ist sehr hübsch hergerichtet mit Rhododendrongarten und Pavillon am See.

Wirklich sehr malerisch. Ich stelle mir da auch durchaus vor, in eleganten Kleidern durch den Garten zu flanieren. *g*
Nächster Halt Kuldiga, ehemalige Hauptstadt Kurlands. In Kuldiga gab es bereits prähistorische Siedlungen, im Mittelalter dann eine hölzerne Befestigung der Kuren, später nach der Machtübernahme des Livländischen Ordens eine Burg, die erst Jesusburg, dann Goldigen hieß. Goldingen ist der deutsche Name der Stadt. Sie war Mitglied der Hanse und hatte bis zum 2. Weltkrieg immer noch 13 % Deutsch-Baltische Einwohner (und 10 % jüdische, die größtenteils von SS und Wehrmacht erschossen wurden).

Von der Burg haben wir nichts gesehen, aber die Stadt ist sehr hübsch mit den Gässchen und den alten Häusern. Wir sind über den Marktplatz geschlendert, an der Kirche vorbei, haben auch einen Blick hineingeworfen. Ziel unseres Spazierganges war aber die Backsteinbrücke aus dem 19. Jahrhundert, die mit 164 m die breiteste befahrbare Backsteinbrücke Europas ist. Die Brücke führt über die Venta, die dort auch die breitesten Stromschnellen Europas zu bieten hat.

Wir haben nur die Brücke angeguckt, das mit den Stromschnellen lerne ich erst jetzt in der Nachschau. Aber auch ohne Wasserfall war die Flusslandschaft da sehr sehenswert und idyllisch.
Wir sind dann aber weitergereist. In Lettland haben wir noch einmal Halt gemacht, in Aizpute. Hier ließ im 13. Jahrhundert der Landmeister des Deutschen Orden in Livland eine Burg erbauen, die so wie der Ort Hasenpoth genannt wurde. Die Stadt blühte auf, wurde sogar Mitglied der Hanse und Sitz von Ordensrittern der Komturei Goldingen und auch des kurländischen Domkapitels. Von der Größe im Mittelalter zeugen noch die Reste der Ordensburg.

Das sind noch ziemlich viele Reste da oben auf dem Burgberg. Sehr hübsch und einfach so frei zugänglich.
Als wir weitergefahren sind, ging es an Liepaja vorbei Richtung Litauen. Die Grenzüberschreitung war dann sehr unspektakulär – so wie auch in der restlichen EU steht halt ein Schild, dass man sich nun im anderen Land befindet und welche Verkehrsregeln gelten. Ein Hoch auf die EU, die das Reisen so frei und einfach macht!
Bevor wir mit Klaipeda unser Tagesziel erreichten, haben wir unterwegs noch an einem Skulpturenpark gehalten. Nach unserem Eindruck gibt es in Litauen (und dem ganzen Baltikum) zahlreiche fleißige bildende Künstler – überall findet man Skulpturen aus Holz oder Stein. Dieser Mythologiepark nördlich von Klaipeda war nun deshalb nett, weil sie dort die altslawische Mythologie in Skulpturen gefasst haben. Wie mythologisch-theologisch richtig das war, keine Ahnung, ich hab es ja noch nicht geschafft, eine brauchbare Enzyklopädie slawischer Mythologie zu erwerben.

Auf jeden Fall war der Wald sehr schön, die Skulpturen boten einen angemessen mystischen Anblick und zusammen bot es genug Raum für Entdeckungstouren. Nur die Strecke hin zum Park war über eine staubige Schotterpiste etwas mühsam. Kommt vor im Baltikum. ;)
Und dann Klaipeda. Die Stadt ist mit ihren reichlich 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Litauens, zugleich auch wichtigster Seehafen des Landes. Sie war lange Zeit die nördlichste Stadt des Preußischen Reiches und mit der kurischen Nehrung vor der Haustür auch Urlaubsort der Prominenz. Heute ist Klaipeda eine wachsende Industriestadt – aber in der Altstadt im Zentrum merkt man davon nicht so viel, da geht es geruhsam zu. Es gibt noch Gassen mit Fachwerkhäusern und buckeligem Kopfsteinpflaster, vor allem aber gibt es den Hafen und den Blick aufs Wasser.

Wir sind an den Resten der Memelburg vorbeispaziert, fürs Museum war es schon zu spät. An der Mündung der Danė in das kurische Haff treffen sich Yachthafen und Kreuzfahrtschiffanleger, außerdem starten dort die Fähren hinüber zur Nehrung.

Weiter an der Danė entlang sind es vor allem alte Speicherhäuser, die zu schicken Restaurants umgebaut wurde und zum Draußensitzen im sommerlichen Abendlicht einladen. Der Theaterplatz ist dann das Zentrum mit Rathaus und Theater und der Statue vom Ännchen von Tharau.

Der ostpreußische Dichter Simon Dach hat das bekannte Volkslied gedichtet – und weil da sein Brunnen mit der Ännchen-Figur steht, müssen das alle dorthin gekarrten Touristengruppen singen. Wir waren ja nicht in Gruppe unterwegs, wir konnten uns das aus sicherem Abstand besehen.
Zum Abendessen hat es uns vermutlich doch in eine Touristenkneipe verschlagen – nach uns kam eine Busladung Touristen – aber die Pelmeni waren sehr lecker und wir saßen da nicht schlecht.
Langer, erfolgreicher Tag mit vielen spannenden Sehenswürdigkeiten. :)
In Klaipeda hatten wir uns übrigens für zwei Tage einquartiert. Im Hotel Bohema, das, nachdem wir es einmal gefunden hatten, doch sehr hübsch war.
Stimmung:
viel gesehen
Wir haben Jurmala Richtung Westen verlassen. Es ging

Kein Barock. Das Schloss wurde 1901 als Jagd… äh… hütte für den Rigaer Bürgermeister gebaut. Das ist Neo-Gotic, innen gibt’s wohl auch Jugendstil, aber wir haben uns eher außen umgesehen. Das Gelände ist sehr hübsch hergerichtet mit Rhododendrongarten und Pavillon am See.

Wirklich sehr malerisch. Ich stelle mir da auch durchaus vor, in eleganten Kleidern durch den Garten zu flanieren. *g*
Nächster Halt Kuldiga, ehemalige Hauptstadt Kurlands. In Kuldiga gab es bereits prähistorische Siedlungen, im Mittelalter dann eine hölzerne Befestigung der Kuren, später nach der Machtübernahme des Livländischen Ordens eine Burg, die erst Jesusburg, dann Goldigen hieß. Goldingen ist der deutsche Name der Stadt. Sie war Mitglied der Hanse und hatte bis zum 2. Weltkrieg immer noch 13 % Deutsch-Baltische Einwohner (und 10 % jüdische, die größtenteils von SS und Wehrmacht erschossen wurden).

Von der Burg haben wir nichts gesehen, aber die Stadt ist sehr hübsch mit den Gässchen und den alten Häusern. Wir sind über den Marktplatz geschlendert, an der Kirche vorbei, haben auch einen Blick hineingeworfen. Ziel unseres Spazierganges war aber die Backsteinbrücke aus dem 19. Jahrhundert, die mit 164 m die breiteste befahrbare Backsteinbrücke Europas ist. Die Brücke führt über die Venta, die dort auch die breitesten Stromschnellen Europas zu bieten hat.

Wir haben nur die Brücke angeguckt, das mit den Stromschnellen lerne ich erst jetzt in der Nachschau. Aber auch ohne Wasserfall war die Flusslandschaft da sehr sehenswert und idyllisch.
Wir sind dann aber weitergereist. In Lettland haben wir noch einmal Halt gemacht, in Aizpute. Hier ließ im 13. Jahrhundert der Landmeister des Deutschen Orden in Livland eine Burg erbauen, die so wie der Ort Hasenpoth genannt wurde. Die Stadt blühte auf, wurde sogar Mitglied der Hanse und Sitz von Ordensrittern der Komturei Goldingen und auch des kurländischen Domkapitels. Von der Größe im Mittelalter zeugen noch die Reste der Ordensburg.

Das sind noch ziemlich viele Reste da oben auf dem Burgberg. Sehr hübsch und einfach so frei zugänglich.
Als wir weitergefahren sind, ging es an Liepaja vorbei Richtung Litauen. Die Grenzüberschreitung war dann sehr unspektakulär – so wie auch in der restlichen EU steht halt ein Schild, dass man sich nun im anderen Land befindet und welche Verkehrsregeln gelten. Ein Hoch auf die EU, die das Reisen so frei und einfach macht!
Bevor wir mit Klaipeda unser Tagesziel erreichten, haben wir unterwegs noch an einem Skulpturenpark gehalten. Nach unserem Eindruck gibt es in Litauen (und dem ganzen Baltikum) zahlreiche fleißige bildende Künstler – überall findet man Skulpturen aus Holz oder Stein. Dieser Mythologiepark nördlich von Klaipeda war nun deshalb nett, weil sie dort die altslawische Mythologie in Skulpturen gefasst haben. Wie mythologisch-theologisch richtig das war, keine Ahnung, ich hab es ja noch nicht geschafft, eine brauchbare Enzyklopädie slawischer Mythologie zu erwerben.

Auf jeden Fall war der Wald sehr schön, die Skulpturen boten einen angemessen mystischen Anblick und zusammen bot es genug Raum für Entdeckungstouren. Nur die Strecke hin zum Park war über eine staubige Schotterpiste etwas mühsam. Kommt vor im Baltikum. ;)
Und dann Klaipeda. Die Stadt ist mit ihren reichlich 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Litauens, zugleich auch wichtigster Seehafen des Landes. Sie war lange Zeit die nördlichste Stadt des Preußischen Reiches und mit der kurischen Nehrung vor der Haustür auch Urlaubsort der Prominenz. Heute ist Klaipeda eine wachsende Industriestadt – aber in der Altstadt im Zentrum merkt man davon nicht so viel, da geht es geruhsam zu. Es gibt noch Gassen mit Fachwerkhäusern und buckeligem Kopfsteinpflaster, vor allem aber gibt es den Hafen und den Blick aufs Wasser.

Wir sind an den Resten der Memelburg vorbeispaziert, fürs Museum war es schon zu spät. An der Mündung der Danė in das kurische Haff treffen sich Yachthafen und Kreuzfahrtschiffanleger, außerdem starten dort die Fähren hinüber zur Nehrung.

Weiter an der Danė entlang sind es vor allem alte Speicherhäuser, die zu schicken Restaurants umgebaut wurde und zum Draußensitzen im sommerlichen Abendlicht einladen. Der Theaterplatz ist dann das Zentrum mit Rathaus und Theater und der Statue vom Ännchen von Tharau.

Der ostpreußische Dichter Simon Dach hat das bekannte Volkslied gedichtet – und weil da sein Brunnen mit der Ännchen-Figur steht, müssen das alle dorthin gekarrten Touristengruppen singen. Wir waren ja nicht in Gruppe unterwegs, wir konnten uns das aus sicherem Abstand besehen.
Zum Abendessen hat es uns vermutlich doch in eine Touristenkneipe verschlagen – nach uns kam eine Busladung Touristen – aber die Pelmeni waren sehr lecker und wir saßen da nicht schlecht.
Langer, erfolgreicher Tag mit vielen spannenden Sehenswürdigkeiten. :)
In Klaipeda hatten wir uns übrigens für zwei Tage einquartiert. Im Hotel Bohema, das, nachdem wir es einmal gefunden hatten, doch sehr hübsch war.
Stimmung:
viel gesehen
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Date: 6 Jul 2017 06:46 pm (UTC)