Ganz viele Kreuze und ein Schloss
13 Jul 2017 09:13 pmNicht ganz 200 km nordwestlich von Vilnius befindet ein litauisches Nationalheiligtum, der Berg der Kreuze:

Heutzutage ist es fast ein Berg aus Kreuzen, aber es ist wohl tatsächlich ein Doppelhügel darunter verborgen. Hier finden sich Kreuze aller Arten und Größen, im wahrsten Sinne des Wortes unzählbar.

Hier soll sich wohl schon seit dem Mittelalter eine Pilgerstätte befunden haben, wo Leute Kreuze aufstellten, um Gott zu danken oder um Gesundheit zu bitten. Die Kreuze sind aber auch ein Symbol der Unabhängigkeit Litauens. Schon unter der Herrschaft des Zaren wurden hier Kreuze aufgestellt, auch unter polnischer und deutscher Besatzung. Nach dem 2. Weltkrieg, als Litauen zur Sowjetunion gehörte, entwickelte sich ein wahrer Wettstreit. Die Machthaber ließen die Hügel räumen und die Kreuze zerstören, die Litauer stellten sie wieder auf. Und wieder Räumung und wieder neue Kreuze als Erinnerung an die Opfer des Systems und Symbol für den ungebrochenen Patriotismus.

Ich kann gut verstehen, dass den Litauern der Ort wichtig ist.
Der Berg der Kreuze ist aber auch eine Sehenswürdigkeit für Touristen. Busreisende, gläubig oder nicht, werden hier hergefahren, und wenn sich Menschenmengen auf den Wegen entlangwalzen wirkt es nicht mehr wirklich besinnlich. Auch dass am Parkplatz Kreuz-Händler stehen, auf dass man sich auch ein Holzkreuz besorge und es aufstelle, finde ich ein wenig befremdlich. Erstaunlicherweise genügt es aber, vom Hauptpfad abzubiegen und ein bisschen nach außen zu gehen, um auch mal einen Blick ohne andere Touristen zu bekommen. Dann hat die Ansammlung aus Kreuzen schon was spirituelles… auch wenn dieses Nationalsymbol für Nicht-Litauer vermutlich nicht nachvollziehbar ist. Das ist mit Nationalheiligtümern ja meistens so. ;)
Vom Berg der Kreuze war es nicht mehr weit bis zur Grenze nach Lettland. Dort haben wir das Schloss Rundale besucht, das Versailles des Baltikums:

Das ist übrigens die Hinterseite.
Den Vergleich braucht das Schloss jedenfalls nicht zu scheuen. Es mag nicht so riesig sein wie Versailles, bietet aber alle Pracht von Barock und Rokoko. Innen Marmor, Spiegel, leuchtende Farben, außen ein prächtiger Garten im französischen Stil.
Wir sind natürlich ins Schloss reingegangen und haben uns die Innenräume angesehen. Es sind überraschend viele Räume, die von Reichtum und Macht der früheren Besitzer zeugen.


Der Bau des Schlosses wurde im 18. Jahrhundert von der russischen Zarin Anna Iwanowna veranlasst und sollte als Sommerresidenz des kurländischen Herzogs Ernst Johann Biron dienen. Letzterer fiel jedoch nach dem Tod der Zarin in Ungnade und wurde nach Sibirien verbannt. Für ein paar Jahre zumindest und als er wiederkam und rehabilitierte wurde, hatte das Schloss schon einen neuen Besitzer gefunden (wenn ich das alles richtig verstanden habe).
Auch der Garten ist sehenswert. Die Sichtachsen, von Lindenbäumen gesäumt, bieten immer wieder neue Blickwinkel auf das Schloss. Es sind Pavillons und Spielzeug und ein Labyrinth zwischen den Hecken versteckt.

Und dann sind da natürlich noch die Rosen. Zwei ausgedehnte Teile des Gartens sind den Rosen vorbehalten. Da gibt es unzählige verschiedene Sorten, die duften und blühen und ihre prächtigen Farben zeigen.

Das war schon alles sehr schön.
Unser Tagesziel lag aber ein ganzes Stück weiter nordwärts, so dass wir uns nach dem ausgiebigen Schlossbesuch wieder auf den Weg gemacht haben. Es ging um Riga drumrum nach Sigulda. Mir sagte Sigulda was als Wintersportort, im Rahmen der Reisevorbereitungen habe ich gelernt, dass zur Stadt auch drei Burgen gehören. Oder vier, je nachdem wie man zählt. ;)

Das ist das Hotel Sigulda, in dem wir sehr gut untergebracht waren. Das Hotel wurde 1889 errichtet, als die Bahnlinie Riga-St. Petersburg erbaut wurde und immer mehr Gäste in die Lettische Schweiz kamen. Das Hotel atmet durchaus noch den Charme der guten alten Zeit, auch wenn Zimmer und Ausstattung ganz modern sind.
Wir sind am Abend nur noch ein bisschen durch den Ort geschlendert, der überraschend grün und flächig ist. Das machte (mir) die Orientierung nicht ganz einfach, aber groß genug zum Verlaufen, ist es dann auch wieder nicht. Gegessen haben wir in einem reizenden Bistro nahe dem Bahnhof. Es gab leckere Nudeln. :)
Stimmung:
wieder unterwegs

Heutzutage ist es fast ein Berg aus Kreuzen, aber es ist wohl tatsächlich ein Doppelhügel darunter verborgen. Hier finden sich Kreuze aller Arten und Größen, im wahrsten Sinne des Wortes unzählbar.

Hier soll sich wohl schon seit dem Mittelalter eine Pilgerstätte befunden haben, wo Leute Kreuze aufstellten, um Gott zu danken oder um Gesundheit zu bitten. Die Kreuze sind aber auch ein Symbol der Unabhängigkeit Litauens. Schon unter der Herrschaft des Zaren wurden hier Kreuze aufgestellt, auch unter polnischer und deutscher Besatzung. Nach dem 2. Weltkrieg, als Litauen zur Sowjetunion gehörte, entwickelte sich ein wahrer Wettstreit. Die Machthaber ließen die Hügel räumen und die Kreuze zerstören, die Litauer stellten sie wieder auf. Und wieder Räumung und wieder neue Kreuze als Erinnerung an die Opfer des Systems und Symbol für den ungebrochenen Patriotismus.

Ich kann gut verstehen, dass den Litauern der Ort wichtig ist.
Der Berg der Kreuze ist aber auch eine Sehenswürdigkeit für Touristen. Busreisende, gläubig oder nicht, werden hier hergefahren, und wenn sich Menschenmengen auf den Wegen entlangwalzen wirkt es nicht mehr wirklich besinnlich. Auch dass am Parkplatz Kreuz-Händler stehen, auf dass man sich auch ein Holzkreuz besorge und es aufstelle, finde ich ein wenig befremdlich. Erstaunlicherweise genügt es aber, vom Hauptpfad abzubiegen und ein bisschen nach außen zu gehen, um auch mal einen Blick ohne andere Touristen zu bekommen. Dann hat die Ansammlung aus Kreuzen schon was spirituelles… auch wenn dieses Nationalsymbol für Nicht-Litauer vermutlich nicht nachvollziehbar ist. Das ist mit Nationalheiligtümern ja meistens so. ;)
Vom Berg der Kreuze war es nicht mehr weit bis zur Grenze nach Lettland. Dort haben wir das Schloss Rundale besucht, das Versailles des Baltikums:

Das ist übrigens die Hinterseite.
Den Vergleich braucht das Schloss jedenfalls nicht zu scheuen. Es mag nicht so riesig sein wie Versailles, bietet aber alle Pracht von Barock und Rokoko. Innen Marmor, Spiegel, leuchtende Farben, außen ein prächtiger Garten im französischen Stil.
Wir sind natürlich ins Schloss reingegangen und haben uns die Innenräume angesehen. Es sind überraschend viele Räume, die von Reichtum und Macht der früheren Besitzer zeugen.


Der Bau des Schlosses wurde im 18. Jahrhundert von der russischen Zarin Anna Iwanowna veranlasst und sollte als Sommerresidenz des kurländischen Herzogs Ernst Johann Biron dienen. Letzterer fiel jedoch nach dem Tod der Zarin in Ungnade und wurde nach Sibirien verbannt. Für ein paar Jahre zumindest und als er wiederkam und rehabilitierte wurde, hatte das Schloss schon einen neuen Besitzer gefunden (wenn ich das alles richtig verstanden habe).
Auch der Garten ist sehenswert. Die Sichtachsen, von Lindenbäumen gesäumt, bieten immer wieder neue Blickwinkel auf das Schloss. Es sind Pavillons und Spielzeug und ein Labyrinth zwischen den Hecken versteckt.

Und dann sind da natürlich noch die Rosen. Zwei ausgedehnte Teile des Gartens sind den Rosen vorbehalten. Da gibt es unzählige verschiedene Sorten, die duften und blühen und ihre prächtigen Farben zeigen.

Das war schon alles sehr schön.
Unser Tagesziel lag aber ein ganzes Stück weiter nordwärts, so dass wir uns nach dem ausgiebigen Schlossbesuch wieder auf den Weg gemacht haben. Es ging um Riga drumrum nach Sigulda. Mir sagte Sigulda was als Wintersportort, im Rahmen der Reisevorbereitungen habe ich gelernt, dass zur Stadt auch drei Burgen gehören. Oder vier, je nachdem wie man zählt. ;)

Das ist das Hotel Sigulda, in dem wir sehr gut untergebracht waren. Das Hotel wurde 1889 errichtet, als die Bahnlinie Riga-St. Petersburg erbaut wurde und immer mehr Gäste in die Lettische Schweiz kamen. Das Hotel atmet durchaus noch den Charme der guten alten Zeit, auch wenn Zimmer und Ausstattung ganz modern sind.
Wir sind am Abend nur noch ein bisschen durch den Ort geschlendert, der überraschend grün und flächig ist. Das machte (mir) die Orientierung nicht ganz einfach, aber groß genug zum Verlaufen, ist es dann auch wieder nicht. Gegessen haben wir in einem reizenden Bistro nahe dem Bahnhof. Es gab leckere Nudeln. :)
Stimmung:
wieder unterwegs
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Date: 13 Jul 2017 07:20 pm (UTC)