Von Speyer aus haben wir auch einen Tagesausflug nach Worms gemacht – und ich muss gleich sagen, dass mir die Stadt nicht besonders gefallen hat. Die Innenstadt ist beliebig, ohne Charme und Charakter… aber ein paar Sehenswürdigkeiten gibt es natürlich doch. Allen voran der Wormser Dom:

Wir haben ja schon gelernt, dass der Dom zu Speyer der größte romanische Dom ist, der Würzburger der viertgrößte. Der Wormser Dom ist nun der drittgrößte (also fehlt uns nur noch der zweitgrößte, nämlich der von Mainz).
Auch der Wormser Dom wurde von den Salischen Kaisern gegründet. Es gab vorher aber schon lange eine Kirche an jener Stelle. Es war dann Bischof Burchard von Worms, der um das Jahr 1000 den Grundstein zum Dom legen ließ und den Bau vorantrieb. Später wurde der Bau dann verändert und immer wieder umgebaut, vor allem nach den Pfälzischen Erbfolgekriegen, die dem Dom einen barocken Altar von Balthasar Neumann bescherten. Außerdem gibt es heute viele moderne Glasfenster – und eine Reihe von Gerüsten und Baustellen.
Auch der Wormser Dom ist ein großes und beeindruckendes Bauwerk – mir hat der Dom zu Speyer aber besser gefallen. Worms war im Vergleich dazu ziemlich dunkel und eher bedrückend.
Der Dom ist aber nicht nur als Bauwerk berühmt – er ist auch Schauplatz eines der berühmtesten Streitfälle der Literaturgeschichte: Vor dem Portal des Doms stritten sich die Königinnen Kriemhild und Brünhild im Nibelungenlied:
Nun kamen sie zusammen vor dem Münster weit.
Die Hausfrau des Königs aus ingrimmem Neid
Hieß da Kriemhilden unwirsch stille stehn:
"Es soll vor Königsweibe die Eigenholde nicht gehn."
Der Streit, der dem Drama vorausgeht, das Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache umfasst. Die Nibelungen sind daher auch allgegenwärtig in Worms, in Brunnenfiguren oder Straßennamen und natürlich das Nibelungenmuseum. Aber dazu später…
Wir haben uns nach dem Dom aber erst mal den jüdischen Friedhof von Worms angesehen. Der Friedhof „Heiliger Sand“ gilt als ältester, am Originalplatz erhaltener jüdischer Friedhof Europas. In den 1930iger Jahren erfolgten die letzten Bestattungen. Man kann gut die ganz alten und die neueren Gräber unterscheiden, da erst ab etwa 1900 auch Aufschriften in lateinischer Schrift zu entdecken sind. Die älteren Gräber tragen nur hebräische Schrift.

Am Eingang finden sich einige berühmte Grabsteine, die Ziel jüdischer Besucher aus der ganzen Welt sind. Beispielsweise die Gräber von Meir von Rothenburg († 1293) und Alexander ben Salomon Wimpfen († 1307). Sie zeigen deutliche Spuren von Verehrung und Besuchen, mit Steinen, Blumen und kleinen Zettelchen. Schön, dass das noch so lebendig ist: Auch so machte der Friedhof einen sehr angenehmen Eindruck, friedlich und ein bisschen melancholisch – der Straßen- und Bahnlärm ringsum hat nicht wirklich gestört.
Vom Friedhof sind wir weitergegangen zur Synagoge von Worms, die im Gegensatz zu Speyer wieder vollständig aufgebaut wurde. Auch hier gibt es eine Mikwe, die nach dem Speyerer Vorbild errichtet wurde und wie ein kleiner Zwilling aussieht. Gleiche Form, nur ein bisschen kleiner. Die Synagoge war schlicht und in romanischem Stil und auch einen Besuch wert. :)
Nun aber das Nibelungenmuseum:

Äh, ja. Modernes Gebäude, moderne Museumspädagogik. Es gab einen Audioguide, wo uns der anonyme Autor des Nibelungenliedes von Inhalt, Entstehungszeit, Geschichte und Geschichten erzählte, die mit dem Nibelungenlied über die Jahrhunderte einhergingen. Das war schon interessant – aber warum man uns dazu einen Treppenturm nach oben schickte, um verschiedene Stationen zu absolvieren… das haben wir nicht verstanden. Für die Texte und Inhalte hätte man doch wohl auch einen Seh- oder Hörraum machen können ohne großes Herumlaufen? Ja, das Stück Stadtmauer war schön und auch der Panoramablick auf die Stadt… aber so richtig hat sich uns der Sinn der Architektur nicht erschlossen. Na, immerhin haben wir es gesehen… ;)
Fehlte noch Hagen, der düstere Held des Nibelungenliedes. 1905 wurde die Bronzeplastik am Rheinufer aufgestellt, die daran erinnert, wie Hagen das Nibelungengold in den Fluss wirft. Das tat er natürlich nicht an dieser Stelle, der Goldschatz ist ja schließlich bis heute immer noch geheim geblieben ;)

Es war schon ein bisschen duster, ein bisschen fußlahm war ich auch schon, aber nett ist es trotzdem, dass wir das Denkmal noch gesehen haben. Ich mag Hagen. ;) Wer ihn und das Nibelungenlied näher kennenlernen will, dem sei das Buch Disteln für Hagen von Joachim Fernau ans Herz gelegt. :)
Stimmung:
fußahm

Wir haben ja schon gelernt, dass der Dom zu Speyer der größte romanische Dom ist, der Würzburger der viertgrößte. Der Wormser Dom ist nun der drittgrößte (also fehlt uns nur noch der zweitgrößte, nämlich der von Mainz).
Auch der Wormser Dom wurde von den Salischen Kaisern gegründet. Es gab vorher aber schon lange eine Kirche an jener Stelle. Es war dann Bischof Burchard von Worms, der um das Jahr 1000 den Grundstein zum Dom legen ließ und den Bau vorantrieb. Später wurde der Bau dann verändert und immer wieder umgebaut, vor allem nach den Pfälzischen Erbfolgekriegen, die dem Dom einen barocken Altar von Balthasar Neumann bescherten. Außerdem gibt es heute viele moderne Glasfenster – und eine Reihe von Gerüsten und Baustellen.
Auch der Wormser Dom ist ein großes und beeindruckendes Bauwerk – mir hat der Dom zu Speyer aber besser gefallen. Worms war im Vergleich dazu ziemlich dunkel und eher bedrückend.
Der Dom ist aber nicht nur als Bauwerk berühmt – er ist auch Schauplatz eines der berühmtesten Streitfälle der Literaturgeschichte: Vor dem Portal des Doms stritten sich die Königinnen Kriemhild und Brünhild im Nibelungenlied:
Nun kamen sie zusammen vor dem Münster weit.
Die Hausfrau des Königs aus ingrimmem Neid
Hieß da Kriemhilden unwirsch stille stehn:
"Es soll vor Königsweibe die Eigenholde nicht gehn."
Der Streit, der dem Drama vorausgeht, das Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache umfasst. Die Nibelungen sind daher auch allgegenwärtig in Worms, in Brunnenfiguren oder Straßennamen und natürlich das Nibelungenmuseum. Aber dazu später…
Wir haben uns nach dem Dom aber erst mal den jüdischen Friedhof von Worms angesehen. Der Friedhof „Heiliger Sand“ gilt als ältester, am Originalplatz erhaltener jüdischer Friedhof Europas. In den 1930iger Jahren erfolgten die letzten Bestattungen. Man kann gut die ganz alten und die neueren Gräber unterscheiden, da erst ab etwa 1900 auch Aufschriften in lateinischer Schrift zu entdecken sind. Die älteren Gräber tragen nur hebräische Schrift.

Am Eingang finden sich einige berühmte Grabsteine, die Ziel jüdischer Besucher aus der ganzen Welt sind. Beispielsweise die Gräber von Meir von Rothenburg († 1293) und Alexander ben Salomon Wimpfen († 1307). Sie zeigen deutliche Spuren von Verehrung und Besuchen, mit Steinen, Blumen und kleinen Zettelchen. Schön, dass das noch so lebendig ist: Auch so machte der Friedhof einen sehr angenehmen Eindruck, friedlich und ein bisschen melancholisch – der Straßen- und Bahnlärm ringsum hat nicht wirklich gestört.
Vom Friedhof sind wir weitergegangen zur Synagoge von Worms, die im Gegensatz zu Speyer wieder vollständig aufgebaut wurde. Auch hier gibt es eine Mikwe, die nach dem Speyerer Vorbild errichtet wurde und wie ein kleiner Zwilling aussieht. Gleiche Form, nur ein bisschen kleiner. Die Synagoge war schlicht und in romanischem Stil und auch einen Besuch wert. :)
Nun aber das Nibelungenmuseum:

Äh, ja. Modernes Gebäude, moderne Museumspädagogik. Es gab einen Audioguide, wo uns der anonyme Autor des Nibelungenliedes von Inhalt, Entstehungszeit, Geschichte und Geschichten erzählte, die mit dem Nibelungenlied über die Jahrhunderte einhergingen. Das war schon interessant – aber warum man uns dazu einen Treppenturm nach oben schickte, um verschiedene Stationen zu absolvieren… das haben wir nicht verstanden. Für die Texte und Inhalte hätte man doch wohl auch einen Seh- oder Hörraum machen können ohne großes Herumlaufen? Ja, das Stück Stadtmauer war schön und auch der Panoramablick auf die Stadt… aber so richtig hat sich uns der Sinn der Architektur nicht erschlossen. Na, immerhin haben wir es gesehen… ;)
Fehlte noch Hagen, der düstere Held des Nibelungenliedes. 1905 wurde die Bronzeplastik am Rheinufer aufgestellt, die daran erinnert, wie Hagen das Nibelungengold in den Fluss wirft. Das tat er natürlich nicht an dieser Stelle, der Goldschatz ist ja schließlich bis heute immer noch geheim geblieben ;)

Es war schon ein bisschen duster, ein bisschen fußlahm war ich auch schon, aber nett ist es trotzdem, dass wir das Denkmal noch gesehen haben. Ich mag Hagen. ;) Wer ihn und das Nibelungenlied näher kennenlernen will, dem sei das Buch Disteln für Hagen von Joachim Fernau ans Herz gelegt. :)
Stimmung:
fußahm