10 Aug 2024

rabensturm: (feder)
Am nächsten Tag ging es gleich wieder in die Welt der Gallier und Römer – nach Bibracte, einer gallischen Siedlung, die wiederum in Cäsars Gallischem Krieg eine Rolle spielte. Bibracte war von Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. Bis Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. Hauptstadt des gallischen Stammes der Haeduer. Die waren zeitweilig Verbündete der Römer, andererseits schlossen sie sich auch dem Aufstand gegen Rom an, hier in Bibracte wurde Vercingetorix (der kein Haeduer war) zum Anführer der gallischen Stämme gewählt.

Ungefähr 15 v. Chr. wurde ungefähr 25 km entfernt die römische Stadt Augustodunum (Autun) gegründet. Bibracte wurde nach und nach von seinen Einwohnern verlassen, auch wenn die Kulte weiterhin in den Tempeln und bei den Brunnen ausgeübt und die aristokratischen Häuser weiterhin instand gehalten wurden. Aus Texten des 13. Jahrhunderts weiß man von einer Messe an jedem ersten Mittwoch im Mai. Im 15. und 16. Jahrhundert stand ein Kloster der Minoriten auf dem Beuvray.

Erstaunlicherweise ging auch hier (wie bei Alesia) dass Wissen um die Lage des historischen Ortes verloren. Im 19. Jahrhundert wuchs aber auch hier das Interesse eines solchen Ortes nationaler (gallischer) Bedeutung, da herrschte jedoch noch die Auffassung, dass Autun sich an der Stelle von Bibracte befindet und die gallische Siedlung in der römischen Stadt aufgegangen war. Durch Ausgrabungen mit Geldern von Napoleon III. auf dem Mont Beuvray wurde Bibracte dann endgültig hier lokalisiert.

Heute befindet sich am Mont Beuvray ein großes Museum zu Bibracte und der keltischen Zivilisation – und es gibt die Ausgrabungen, die man sich anschauen kann. Es wird auch immer noch gegraben und geforscht.

1. Überraschung: der Besuch der Ausgrabungsstätte kostet nix. 2. Überraschung: das ist wirklich ein sehr großes Gelände da oben auf dem Berg. Und man muss hochlaufen, das zieht sich bergauf auch ganz schön… also müssen, es fährt auch ein kostenloser Pendelbus. Wir sind hochzu erst mal gelaufen, auch wenn es anstrengend war, war es auch ein sehr schöner Weg durch einen sehr schönen Wald.



Dann kommt man an die Befestigungsmauer der Stadt, es gibt noch Spuren der einstigen Wallanlagen – aber auch eine Rekonstruktion der gallischen Mauer.



Dann hat man das ganze große Gelände vor sich, kann die verschiedenen Ausgrabungen anschauen und die noch vorhandenen Ruinen. Alles befindet sich oben auf dem Berg mit einer beeindruckenden Aussicht in die Gegend und mehr als genug Platz für eine Stadt.



Besonders sehenswert fand ich das mysteriöse Wasserbecken mitten auf der Hauptstraße:



Ein bootsförmiges Becken aus rosa Granit, ausgerichtet zum Sonnenaufgang der Wintersonnenwende und Sonnenuntergang der Sommersonnenwende. Warum das da steht und warum das so aussieht… man weiß es nicht, also verweist man erst mal auf kultische Zwecke.

Ich mochte auch die Heilige Quelle St. Pierre (auch eine Rekonstruktion).



In gallischer und gallo-römischer Zeit muss es zehn Quellen und fünf Brunnen auf dem Berg gegeben haben, einige davon wurden kultisch verehrt. Hier an dieser Quelle fand man Geldstücke und Votivtafeln und auch in christlichen Zeiten war es noch ein beliebter Anziehungspunkt.

Wie gesagt, es gibt eine Menge zu sehen und zu entdecken.



Bemängeln möchte ich, dass es oben auf dem ganzen großen Gelände keine Bänke gibt, um sich mal hinzusetzen. Es gibt auch wenig Schatten, aber das lässt sich weniger leicht beheben als die Sache mit den Bänken, die für Ältere und Kinder und Fußlahme gleichermaßen nützlich wären…

Wir waren fußlahm und verschwitzt – aber wir hatten auf dem Rückweg Glück, dass gerade der Pendelbus vorbeikam und uns noch mit aufgelesen hat. :)

Ins Restaurant unten sind wir ohne Reservierung nicht gekommen – aber sie verkauften wir Sandwiches, die wir auf dem Parkplatz verspeist haben. Dann noch ein Blick ins Museum – aber da haben wir uns mit dem Souvenirshop begnügt. Ein bisschen kennen wir uns mit den Kelten nun schon aus, da glaubten wir, auf das Museum verzichten zu können.

Wir wollte als Kontrast noch ein Schlösschen anschauen, also haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Unterwegs sind wir sogar noch an ein paar stehenden Steinen vorbeigekommen, bei denen wir uns nicht viel Hoffnung gemacht hatten, die zu finden. Aber doch, mit beherztem Wendemanöver ging das und sie standen auch direkt an der Straße.



Sehr hübsch.

Auch das Schlösschen war sehr hübsch, Château de Couches, wieder in Privatbesitz, aber dafür konnten wir es diesmal auf eigene Faust erkunden.



Man konnte sich die hübsche Kapelle anschauen, die Kellergewölbe und einen unterirdischen Tunnel, und den Donjon und dessen Einrichtung.



Mehr geben meine Notizen dann nicht her… ich glaub, es war einfach wieder warm…


Stimmung:
verschwitzt
rabensturm: (feder)
Wir haben gesagt, wir fahren nicht in die Bourgogne, um Wein zu trinken, wir fahren hin, um Chateaus anzugucken. :) Da gibt’s genug, selbst wann man die aussortiert, in denen sich Weingüter befinden.

Unser nächstes Schloss war dann Chateau du Chaumont, bei dem wir fast zu einer Privatführung gekommen sind. Unsere kleine Gruppe bestand nur aus 4 Leuten, so dass die Führerin auch schnell mal ins Englische wechseln konnte. Natürlich gab es wieder eine Infomappe zum Nachlesen, das war hilfreich wie immer.



Es begann erst mal mit einem Überblick über die Geschichte, den ich allerdings zum größten Teil wieder vergessen habe. Ich weiß, es wurde thematisiert, dass im 15. Jahrhundert hier eine bedeutende Schlacht stattfand – so bedeutend, dass man das offenbar nicht erklären musste – wir aber nicht mal nachträglich beim googeln was dazu fanden… immerhin unterhaltsam, auf dem Burggelände übten engagierte Horden Schreien und Kämpfen für ein Mittelalterfestival. *g*

Chateau du Chaumont ist eine Anlage, die verschiedene Stile vereint. Der sehenswerteste Teil ist aber ohne Zweifel der Stall – so sehr, dass auf Hinweisschildern nicht das Schloss ausgeschildert ist sondern die Stallungen.



Als wir da waren, wurden die Stallungen gerade eingedeckt für eine große Hochzeitsfeier. – Wie so oft wird das Schloss heute als Location für Feierlichkeiten, Hochzeiten und dergleichen genutzt. Sehr ambientig, aber auch ein bisschen skurril, weil einzelne Tische in einzelnen Pferdeboxen schon irgendwie… separiert aussahen.

Das Chateau war lange schlimm verfallen, wurde erst kürzlich restauriert mit den Mitteln einer Stiftung (?) und unter Mithilfe von Stéphane Bern, der in Frankreich wohl eine sehr erfolgreiche Doku-Reihe über historische Monumente (?) moderiert. Wir haben von dem Herren noch nie gehört, er bzw. sein Werk begegnete uns von daher aber gefühlt ständig.



Das Schloss ist wirklich sehr vielfältig und bietet von allen Seiten neue Ansichten bzw. unterschiedliche Gebäude.

Meine Lieblingsanekdote aus der Schlosshistorie (keine Garantie auf richtiges Verstehen/Übersetzen): Zu Zeiten der französischen Revolution mussten die Adligen damit rechnen, enteignet und geköpft zu werden. Um dem vorzubeugen, hat der damalige Schlossherr das Schloss an seine Dorfleute verkauft (oder ihnen Geld gegeben, dass sie es kaufen könne), hatte damit nichts, was enteignet werden konnte, und ging ins Exil nach England. Als die Zeiten besser wurden, kam er zurück – und bekam auch vom Dorf sein Schloss wieder. Ich gehe mal davon aus, die Dorfleute hatten auch was von dem Deal, es soll jedenfalls für langjährliche loyale Verbundenheit zwischen Herrschaft und Dorf geführt haben.

Auf zum nächsten Schloss: Chateau Digoine



Gleich begegnet uns wieder Stéphane Bern, denn das Schloss gehört dem Produzenten der historischen Doku (Secrets d'Histoire) und wurde auch mit Mitteln der Stiftung restauriert.

Man konnte das Innere wieder mit einer Führung besichtigen, wieder mit Infomappe – und wieder, ohne innen Fotos machen zu dürfen, das hilft meinem Erinnerungsvermögen leider nicht weiter. Es waren schöne Innenräume, ich erinnere mich auch an ein großes Porträt des Hausherren, das nicht gerade von Bescheidenheit sprach.

Eine Besonderheit des Schlosses ist das historische italienische Theater, das noch existiert und das auch wieder nicht bespielbar ist. Da durfte man tatsächlich auf Fotos machen.



Das ist schon etwas Besonderes, da Theatertechnik ja schnell mit der Zeit geht und alte Sachen eher nicht bewahrt werden.

Auch sehenswert bei Digoine: die Außenanlagen, der Barockgarten, der englische Landschaftspark und die Gewächshäuser:



Es war – ach was – schon wieder sehr heiß. Unsere Motivation, weiter durch den Garten zu schlendern, hielt sich in Grenzen. Eigentlich auch die Motivation, überhaupt noch was zu besichtigen. Aber wir haben uns auf dem Heimweg immerhin noch zu einer Kirchenbesichtigung aufgerafft, weil es ein besonders schönes romanisches Bauwerk sein sollte. Die Kirche St. Pierre et St. Benoit in Perrecy-des-Forges.





Der Innenraum ist eher schlicht, aber das Paradies – der Vorbau vor dem Eingang – hatte wirklich sehenswerte Reliefs und Kapitelle.

Das hat sich schon gelohnt, aber es war immer noch heiß und wir waren einfach froh, den Besichtigungstag zu beenden. Das Tiny House war zwar keine Hilfe bei Hitze, aber man konnte davor im Schatten sitzen und Scrabble spielen, das war schon okay.

Stimmung:
immer noch heiß

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