Urnenhain Tolkewitz & Krematorium
13 Sep 2026 06:49 pmHeute war Tag des offenen Denkmals – ich hab tatsächlich rechtzeitig dran gedacht, hatte auch Zeit und hab mir was Hübsches ausgesucht (und mich aufgerafft). Ich war hier um die Ecke im Urnenhain Tolkewitz zu einer Friedhofs- und Krematoriumsführung.

Mit einem Erlass von Karl dem Großen aus dem Jahr 786 wurde die Verbrennung von Toten verboten und die Erdbestattung verpflichtend eingeführt. Das galt für die nächsten 1000 Jahre, die christlichen Kirchen wehrten sich dann auch noch lange gegen diese Form der Bestattung (Anerkennung in der katholischen Kirche erst in den 1960iger Jahren). Es wuchs in den Jahren der Aufklärung und Säkularisation aber schon das Interesse an Feuerbestattungen, woraus sich im 19. Jahrhundert Feuerbestattungsvereine entwickelten. Tatsächlich fand wohl in Dresden die erste moderne Feuerbestattung statt – weil der Feuerbestattungsverein zum örtlichen Siemens-Glaswerk ging und fragte, ob man das in deren Öfen mal ausprobieren könne… Offiziell zugelassen waren Feuerbestattungen in Sachsen erst ab 1906, kurz darauf beschloss die Stadt Dresden die Einrichtung eines Krematoriums, über dessen Standort und Gestaltung dann aber noch eine Weile gestritten wurde. 1911 wurde das Krematorium schließlich eingeweiht und kurz darauf der Urnenhain als Waldfriedhof, in dem bis heute nur Urnen bestattet werden. Der Friedhof wurde in Zeiten der Reformbewegungen bewusst unstrukturiert angelegt – also keine geraden Reihen und Massengrabsteine aus Skandinavien, sondern individuelle Grabsteine, die wild durcheinandergewürfelt zwischen Bäumen standen. Und auch noch stehen im historischen Teil. Später wurde weitere Teile angefügt, in denen es jetzt auch Reihen gibt.
Unsere Führung führte uns durch den alten historischen Teil. Führerin war eine Fr. Dr. der Kunstgeschichte, die ihre Doktorarbeit über die Friedhöfe Hamburg Ohlsdorf, Berlin Weißensee und Dresden Tolkewitz (hab ich alle drei schon gesehen) geschrieben hat. Sie hat uns 16 Grabstätten näher vorgestellt (ich hab nicht mitgezählt) und Einzelheiten über die Bestatteten, die Künstler und die Monumente vorgestellt.

Die Zahlen der Lebensdaten waren manchmal etwas ermüdend, aber insgesamt war es sehr interessant. Es machte auch auf Details aufmerksam, die einem ohne das vielleicht entgangen wären. Nebenbei gab es vom Friedhofschef und einem Ortskundigen noch Informationen zum Friedhof gesamt und zu den verwendeten Gesteinsarten. – Man kann sich übrigens heute noch obskure Grabstatuen in den historischen Teil stellen. ;)

Das alles in dem schönen Waldfriedhof mit den alten Bäumen, vielen Vögelchen und Moosen, ich hab auch ein Eichhörnchen erspäht. Wermutstropfen: die Bäume sind jetzt so um die 200 Jahre alt und viele morsch und pilzbefallen. Da steht ein nicht einfacher Umbau an.
Der Friedhofschef hat anschließend Interessierte noch mit in die Trauerhalle genommen und danach unter die Trauerhalle in das alte Krematorium.
Die Trauerhalle ist als nicht-religiöser Bau geschaffen worden. Trotzdem ist reichlich Symbolik vorhanden: der Phönix als Symbol der Auferstehung, die Lebensalter der Menschen, Putten, die eine Urne umsorgen und somit die Vorfahren ehren.

Ich war das erste Mal drinnen in der Trauerhalle – sehr schön mit goldenen Mosaiken über der Abschiedsnische (Foto leider nicht ganz so schön).
Dann ging es hinab, hinab zum alten Krematorium. – Das ist der historische Teil von 1911, der auch in der DDR-Zeit genutzt wurde. 2005 wurde (im Nebengebäude) ein neues Krematorium in Betrieb genommen, das alle Umweltstandards erfüllt. Unter der Totenhalle hat also alles einen recht morbiden Charme, der Friedhofschef hat das aber alles so sachlich und begeistert erklärt, dass es zwar anschaulich war, aber nicht wirklich creepy wurde.

Naja, ein bisschen creepy ist es schon, wenn man über Sortiertisch und Knochenmühle nachdenkt, was aber in der Natur der Sache liegt.
Also, alles sehr interessant und mal ein Ort, an dem man sonst eher nicht kommt. – Nächstes Wochenende ist Tag des offenen Friedhofs, da könnte man dann eine Führung im neuen Krematorium machen. ;)
Stimmung:
historisch

Mit einem Erlass von Karl dem Großen aus dem Jahr 786 wurde die Verbrennung von Toten verboten und die Erdbestattung verpflichtend eingeführt. Das galt für die nächsten 1000 Jahre, die christlichen Kirchen wehrten sich dann auch noch lange gegen diese Form der Bestattung (Anerkennung in der katholischen Kirche erst in den 1960iger Jahren). Es wuchs in den Jahren der Aufklärung und Säkularisation aber schon das Interesse an Feuerbestattungen, woraus sich im 19. Jahrhundert Feuerbestattungsvereine entwickelten. Tatsächlich fand wohl in Dresden die erste moderne Feuerbestattung statt – weil der Feuerbestattungsverein zum örtlichen Siemens-Glaswerk ging und fragte, ob man das in deren Öfen mal ausprobieren könne… Offiziell zugelassen waren Feuerbestattungen in Sachsen erst ab 1906, kurz darauf beschloss die Stadt Dresden die Einrichtung eines Krematoriums, über dessen Standort und Gestaltung dann aber noch eine Weile gestritten wurde. 1911 wurde das Krematorium schließlich eingeweiht und kurz darauf der Urnenhain als Waldfriedhof, in dem bis heute nur Urnen bestattet werden. Der Friedhof wurde in Zeiten der Reformbewegungen bewusst unstrukturiert angelegt – also keine geraden Reihen und Massengrabsteine aus Skandinavien, sondern individuelle Grabsteine, die wild durcheinandergewürfelt zwischen Bäumen standen. Und auch noch stehen im historischen Teil. Später wurde weitere Teile angefügt, in denen es jetzt auch Reihen gibt.
Unsere Führung führte uns durch den alten historischen Teil. Führerin war eine Fr. Dr. der Kunstgeschichte, die ihre Doktorarbeit über die Friedhöfe Hamburg Ohlsdorf, Berlin Weißensee und Dresden Tolkewitz (hab ich alle drei schon gesehen) geschrieben hat. Sie hat uns 16 Grabstätten näher vorgestellt (ich hab nicht mitgezählt) und Einzelheiten über die Bestatteten, die Künstler und die Monumente vorgestellt.

Die Zahlen der Lebensdaten waren manchmal etwas ermüdend, aber insgesamt war es sehr interessant. Es machte auch auf Details aufmerksam, die einem ohne das vielleicht entgangen wären. Nebenbei gab es vom Friedhofschef und einem Ortskundigen noch Informationen zum Friedhof gesamt und zu den verwendeten Gesteinsarten. – Man kann sich übrigens heute noch obskure Grabstatuen in den historischen Teil stellen. ;)

Das alles in dem schönen Waldfriedhof mit den alten Bäumen, vielen Vögelchen und Moosen, ich hab auch ein Eichhörnchen erspäht. Wermutstropfen: die Bäume sind jetzt so um die 200 Jahre alt und viele morsch und pilzbefallen. Da steht ein nicht einfacher Umbau an.
Der Friedhofschef hat anschließend Interessierte noch mit in die Trauerhalle genommen und danach unter die Trauerhalle in das alte Krematorium.
Die Trauerhalle ist als nicht-religiöser Bau geschaffen worden. Trotzdem ist reichlich Symbolik vorhanden: der Phönix als Symbol der Auferstehung, die Lebensalter der Menschen, Putten, die eine Urne umsorgen und somit die Vorfahren ehren.

Ich war das erste Mal drinnen in der Trauerhalle – sehr schön mit goldenen Mosaiken über der Abschiedsnische (Foto leider nicht ganz so schön).
Dann ging es hinab, hinab zum alten Krematorium. – Das ist der historische Teil von 1911, der auch in der DDR-Zeit genutzt wurde. 2005 wurde (im Nebengebäude) ein neues Krematorium in Betrieb genommen, das alle Umweltstandards erfüllt. Unter der Totenhalle hat also alles einen recht morbiden Charme, der Friedhofschef hat das aber alles so sachlich und begeistert erklärt, dass es zwar anschaulich war, aber nicht wirklich creepy wurde.

Naja, ein bisschen creepy ist es schon, wenn man über Sortiertisch und Knochenmühle nachdenkt, was aber in der Natur der Sache liegt.
Also, alles sehr interessant und mal ein Ort, an dem man sonst eher nicht kommt. – Nächstes Wochenende ist Tag des offenen Friedhofs, da könnte man dann eine Führung im neuen Krematorium machen. ;)
Stimmung:
historisch