rabensturm: (wald)
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Wir erinnern uns: nach der Reformation war Sachsen evangelisch, Kurfürst August der Starke wollte aber König von Polen werden, das bekanntlich katholisch ist. Also konvertierte der Kurfürst (wurde König) und ließ seinem Volk seinen Glauben. Auch Augusts Familie wurde katholisch, so auch sein Sohn, August III., der so sein Nachfolger wurde und eine katholische Habsburger-Prinzessin heiraten konnte. Das war Maria Josepha von Österreich, die sich im Ehevertrag versprechen ließ, „dass alle ihre männlichen und weiblichen Bedienten auf einem eigenen Kirchhof … begraben werden sollten“. Vorher gab es in Dresden nämlich keine katholischen Friedhöfe, die Katholiken mussten ihre Toten bis nach Marienstern in die Lausitz bringen oder nach Böhmen oder eben mit einem evangelischen Friedhof vorlieb nehmen.



Es war noch August der Starke, der den Auftrag gab, diesen katholischen Friedhof zu errichten. Der befindet sich in Friedrichstadt, gegenüber dem Krankenhaus Friedrichstadt. Er ist nicht sehr groß und wird immer noch genutzt. Und er beherbergt eine ganze Reihe malerischer und historischer Grabstätten.





Viele der historischen Grabstätten tragen italienische, polnische oder russische Aufschriften – das war eben hauptsächlich die Herkunft der katholischen Hofbeamten und Militärs, die hier ihre letzte Ruhe fanden.

Außerdem sind hier viele katholische Geistliche bestatte. Es gibt beispielsweise zwei Priestergrüfte, in denen unter anderem Urnen von im Konzentrationslager getöteten Priestern aufbewahrt werden. Einer davon – Alois Andritzki – wurde inzwischen seliggesprochen und deshalb mit zwei Gefährten in die Hofkirche überführt.



Auch das trägt dazu bei, dass sich der Friedhof nach einem historischen Ort anfühlt, selbst historisch und eben Zeitzeuge historischer Ereignisse. Weltkriege und sächsischer Hofstaat, Novemberrevolution mit polnischen Exilanten, Kunst und Kultur aus Barock, Rokoko und Klassizismus.

Es gibt auch eine Reihe bekannter Persönlichkeiten, die hier ruhen, wie zum Beispiel Carl Maria von Weber. Ich habe gestutzt beim Grabstein von Bartholomeo Bosco und dessen Inschrift:



„Die Zauberei liegt in der guten Laune“. Ich hab inzwischen gelernt, dass Herr Bosco ein berühmter Zauberkünstler war, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Wandel von Mystifizierung zur Unterhaltungskunst vollzog. Sein Grab wurde von Harry Houdini besucht und schließlich auch finanziert; heute kümmern sich Dresdner Magier vom Verein Magischer Zirkel Dresden Bartolomeo Bosco e.V. – was es nicht alles gibt.

Doch, ein hübscher sehenswerter Friedhof, um so mehr bei so strahlendem Frühlingswetter.

Stimmung:
frühlingshaft

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