Reise in die Vergangenheit - BCLM
24 Aug 2025 11:07 amDie Gegend nördlich und westlich von Birmingham, in den West Midlands, nennt man Black Country. Hier wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts im großen Stil Kohle und Eisen im Tagebau abgebaut, hier nahm die Industrielle Revolution Fahrt auf und prägte die Gegend bis in die Neuzeit. Um daran zu erinnern und die Gebäude und Strukturen dieser Zeit zu bewahren wurde 1975 das Black Country Living Museum (BCLM) gegründet, das einen auf 10 ha in die Viktorianische Zeit mitnimmt.

Das ist wirklich sehr schön und anschaulich gemacht. Es gibt ca. 40 Gebäude und eine Menge industrielle Strukturen, wie eine Mine und Kanäle mit Kanalbooten, auf denen die Industrieprodukte zur Küste gebracht wurden und von dort aus in die ganze Welt.
Das Beste war aber, dass das Museum belebt ist. In den Läden gibt es Personal und Waren aus der jeweiligen Zeit, die alten Doppelstockbusse fahren, in der Schule wird unterrichtet, im Pub kann man im Stile der Zeit einkehren und essen und trinken.

Das war wirklich super. Man kommt in ein Gebäude und als ersten sagt dort jemand: „Wir befinden uns im Jahr… 1948…“
Wir haben zuerst an einem Tanzkurs teilgenommen, bei dem wir kurze Schrittfolgen aus den verschiedenen Jahrzehnten einstudiert haben – 20iger, 30iger, 40iger, 50iger und 60iger. Das war spaßig und nicht unanstrengend.
Wir haben an einer Demonstration für Frauenrechte teilgenommen.

Es ging um den Streik der Kettenmacherinnen aus dem Jahr 1910, als diese unter der Führung von Mary Macarthur für ihre Recht und mehr Geld gekämpft haben. Das haben wir auch getan, wir sind in einem gar nicht mal so kleinen Demo-Zug durch den Ort gezogen, haben Parolen gerufen und „Rouse, ye Women!“ gesungen. Wie meine Mama sagen würde: Du immer mit deinen Demonstrationen! Weil es wichtig ist und auch damals war – die Kettenmacherinnen waren übrigens erfolgreich mit ihrem Streik.
Wir haben auch im Gewerkschaftshaus der Frauen gegessen – Jacked Potato mit Coronation Chicken, das ist sehr 1953. *g*
Wir haben auch an einer Schulstunde teilgenommen, da waren wir noch im 19. Jahrhundert. Die Lehrerin war entsprechend streng mit Rohrstock und zackigen Anweisungen, Aufgaben im Rechnen und Lesen. Sehr anschaulich und auch ein bisschen gruselig angesichts der alten Pädagogik. Und trotzdem war Bildung die Möglichkeit den harten Lebensbedingungen zu entkommen.
Über die harten Lebensbedingungen haben wir dann noch mehr erfahren bei einer Führung durch die Docks.

Die war auch sehr informativ und sehr unterhaltsam. Wir haben viel über die frühe Industrialisierung gelernt und deren Transportwege. – Es ist eine blöde Idee, Schwerindustrie mitten im Land, weit weg von jeder Küste einzurichten… aber hier waren nun mal die Rohstoffe. Hier waren die Tage schwarz vor Ruß und die Nächte rot von den Feuern. Alles, was produziert wurde, wurde zunächst über Kanäle mit von Pferden gezogenen Booten an die Küste gebracht. Es gibt hier noch Reste der Kanäle, sogar einen, wo man mit den Booten durch einen Tunnel fahren kann. – Im Tunnel ging das mit den Pferden nicht, deshalb wurden die Boote da von „Läufern“ angetrieben, Männern, die rücklings auf den Dächern der Boote lagen und an der Decke des Tunnels gelaufen sind… Liebe Güte…
Wir waren im Tunnel nicht drin (den kann man auch ohne das BCLM angucken, der wird von einem Verein betrieben und hat auch Zugang von außen). Wir haben uns nur die Kanalboote in den Docks angeschaut, in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Irgendwann wurden auch die motorisiert… und irgendwann kamen auch die aus der Mode. Gar nicht mal unbedingt, weil die Eisenbahn sie verdrängte, eher weil die Infrastruktur irgendwann nicht mehr unterhalten wurde und das Land nach dem 2. Weltkrieg von (amerikanischen) LKW überschwemmt war.
Wie überall in Europa hat auch im Black Country die Schwerindustrie im 20. Jahrhundert ihren Niedergang erlebt, so dass die Gegend immer noch mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. Es ist jedenfalls schön, dass die Geschichte hier im Museum dokumentiert und bewahrt wird.
Ein sehr lohnender Besuch und eher spontan, weil ich das kurz vor der Reise erst gesehen hatte (wir hatten zuvor walisische Sehenswürdigkeiten vorbereitet und das ist ja auf der englischen Seite). Es war allerdings wieder sehr heiß. Sonnenschein macht sich auf den Fotos gut, aber das war ganz schön anstrengend.
Von daher haben wir kein weiteres Tagesprogramm gebraucht. Wir sind zu unserer Autobahnraststätte zurückgefahren (über die nächste Abfahrt hin und zurück) und haben dort bei einem asiatischen Imbiss was gegessen.
Stimmung:
hitzegeschädigt

Das ist wirklich sehr schön und anschaulich gemacht. Es gibt ca. 40 Gebäude und eine Menge industrielle Strukturen, wie eine Mine und Kanäle mit Kanalbooten, auf denen die Industrieprodukte zur Küste gebracht wurden und von dort aus in die ganze Welt.
Das Beste war aber, dass das Museum belebt ist. In den Läden gibt es Personal und Waren aus der jeweiligen Zeit, die alten Doppelstockbusse fahren, in der Schule wird unterrichtet, im Pub kann man im Stile der Zeit einkehren und essen und trinken.

Das war wirklich super. Man kommt in ein Gebäude und als ersten sagt dort jemand: „Wir befinden uns im Jahr… 1948…“
Wir haben zuerst an einem Tanzkurs teilgenommen, bei dem wir kurze Schrittfolgen aus den verschiedenen Jahrzehnten einstudiert haben – 20iger, 30iger, 40iger, 50iger und 60iger. Das war spaßig und nicht unanstrengend.
Wir haben an einer Demonstration für Frauenrechte teilgenommen.

Es ging um den Streik der Kettenmacherinnen aus dem Jahr 1910, als diese unter der Führung von Mary Macarthur für ihre Recht und mehr Geld gekämpft haben. Das haben wir auch getan, wir sind in einem gar nicht mal so kleinen Demo-Zug durch den Ort gezogen, haben Parolen gerufen und „Rouse, ye Women!“ gesungen. Wie meine Mama sagen würde: Du immer mit deinen Demonstrationen! Weil es wichtig ist und auch damals war – die Kettenmacherinnen waren übrigens erfolgreich mit ihrem Streik.
Wir haben auch im Gewerkschaftshaus der Frauen gegessen – Jacked Potato mit Coronation Chicken, das ist sehr 1953. *g*
Wir haben auch an einer Schulstunde teilgenommen, da waren wir noch im 19. Jahrhundert. Die Lehrerin war entsprechend streng mit Rohrstock und zackigen Anweisungen, Aufgaben im Rechnen und Lesen. Sehr anschaulich und auch ein bisschen gruselig angesichts der alten Pädagogik. Und trotzdem war Bildung die Möglichkeit den harten Lebensbedingungen zu entkommen.
Über die harten Lebensbedingungen haben wir dann noch mehr erfahren bei einer Führung durch die Docks.

Die war auch sehr informativ und sehr unterhaltsam. Wir haben viel über die frühe Industrialisierung gelernt und deren Transportwege. – Es ist eine blöde Idee, Schwerindustrie mitten im Land, weit weg von jeder Küste einzurichten… aber hier waren nun mal die Rohstoffe. Hier waren die Tage schwarz vor Ruß und die Nächte rot von den Feuern. Alles, was produziert wurde, wurde zunächst über Kanäle mit von Pferden gezogenen Booten an die Küste gebracht. Es gibt hier noch Reste der Kanäle, sogar einen, wo man mit den Booten durch einen Tunnel fahren kann. – Im Tunnel ging das mit den Pferden nicht, deshalb wurden die Boote da von „Läufern“ angetrieben, Männern, die rücklings auf den Dächern der Boote lagen und an der Decke des Tunnels gelaufen sind… Liebe Güte…
Wir waren im Tunnel nicht drin (den kann man auch ohne das BCLM angucken, der wird von einem Verein betrieben und hat auch Zugang von außen). Wir haben uns nur die Kanalboote in den Docks angeschaut, in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Irgendwann wurden auch die motorisiert… und irgendwann kamen auch die aus der Mode. Gar nicht mal unbedingt, weil die Eisenbahn sie verdrängte, eher weil die Infrastruktur irgendwann nicht mehr unterhalten wurde und das Land nach dem 2. Weltkrieg von (amerikanischen) LKW überschwemmt war.
Wie überall in Europa hat auch im Black Country die Schwerindustrie im 20. Jahrhundert ihren Niedergang erlebt, so dass die Gegend immer noch mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. Es ist jedenfalls schön, dass die Geschichte hier im Museum dokumentiert und bewahrt wird.
Ein sehr lohnender Besuch und eher spontan, weil ich das kurz vor der Reise erst gesehen hatte (wir hatten zuvor walisische Sehenswürdigkeiten vorbereitet und das ist ja auf der englischen Seite). Es war allerdings wieder sehr heiß. Sonnenschein macht sich auf den Fotos gut, aber das war ganz schön anstrengend.
Von daher haben wir kein weiteres Tagesprogramm gebraucht. Wir sind zu unserer Autobahnraststätte zurückgefahren (über die nächste Abfahrt hin und zurück) und haben dort bei einem asiatischen Imbiss was gegessen.
Stimmung:
hitzegeschädigt