rabensturm: (feder)
[personal profile] rabensturm
Ich bin am Donnerstag Abend zu Michaela nach Crimmitschau gereist und Freitag früh – sehr früh - haben uns ihre Eltern zum Flughafen gebracht. Der Flieger ging 6 Uhr irgendwas mit Zwischenstopp London. Da mussten wir auch tatsächlich raus aus dem Flieger, rein ins Gebäude, noch mal durch die Sicherheitskontrolle, die uns den Inhalt unserer nach der ersten Sicherheitskontrolle gekauften Flaschen abgeknöpft hat, warten, weil ein anderer Zubringerflug sich verspätet hatte. Und letzten Endes sind wir in der gleichen Maschine mit der gleichen Crew gelandet. Naja, war wohl ursprünglich anders gedacht.



In Glasgow haben wir erst mal fremdes Geld gekauft und uns nach den Reisemöglichkeiten nach Edinburgh erkundigt. War nicht so kompliziert, da gab es einen (Überland)Bus hin, auch das Umsteigen war nicht so kompliziert. Haben wir den also genommen und dann erst mal zur weiteren Orientierung in Edinburgh die Touri-Info gesucht. Die haben uns auch unseren Heritage-Paß verkauft und den Weg zu unserer Unterkunft gewiesen. Ein nettes B&B mit sehr hübschem Zimmer, malerische Lage etwas außerhalb, aber gut mit Bus zu erreichen und notfalls auch zu erlaufen.

Edinburgh ist eine sehr schöne, entspannte Stadt. Oben thront die Burg, am anderen Ende der Royal Mile der königliche Palast. War mir gar nicht bewusst, dass es noch was anderes als die Burg gibt, aber wie wir gelernt haben, hat auf der Burg nie jemand wirklich gelebt, das war nur Flucht- und Trutzburg, die Festung, die den Hafen bewacht. Der Palast hingegen Holyroodhouse – ist auch heute noch offizieller Wohnsitz der Queen, wenn sie zu offiziellen Anlässen in Schottland ist. Ein sehr schöner Palast mit einer malerischen Klosterruine anbei...



Ansonsten ist Edinburgh schon sehenswert für die Hauptstraße mit all den netten Läden und kleinen Pubs und wunderbaren Gässchen, die überall in verwunschene Hinterhöfe führten. Mal wirklich nur Hinterhof, mal traumhafte Aussicht auf die Stadt und mal ein verträumter Märchengarten... Wir haben das „Worlds End“ spontan zu unserem Lieblingspub erkoren und uns auch mit einem entsprechenden T-Shirt als Souvenir versehen. Da sind wir auch erstmals mit den höchst leckeren Süßspeisen in Berührung gekommen, sticky toffey Pudding... toffee sponge... triple chocolate cake... mjam... außerdem hab ich da auch Lachs in Sägespänen gegessen, bevor ich gelernt habe, das oatmeal Haferflocken sind. *g*

Einen Tag von unserem Edinburghaufenthalt sind wir nach Stirling gefahren:



Stirling hat eine sehr bedeutende Burg, die in der schottischen Geschichte (ja, wir kennen uns inzwischen aus von Robert the Bruce bis James I bis James I/VI, Maria Stuart und William Wallace), verschiedentlich eine Rolle gespielt hat. Ist teilweise sehr schön restauriert, teilweise noch in Arbeit, teilweise nicht ganz so toll restauriert Leider gab es nirgendwo ein Bild vom Gobelin mit der Einhornjagd, an dem sie gerade gearbeitet haben.
Wir hatten eine sehr nette Führung auf der Burg mit einem Führer mit Schauspielqualitäten. *g* Er galoppierte in Monty-Python-Manier mit den Heerscharen und bum-bum-bum attackierte die Festung. Klasse!
Danach wollten wir noch bis zu der Abtei laufen, die gleich hinter dem Bahnhof sein musste... Naja, Entfernungsangaben halt...
Die Besichtigung vom Wallace Monument haben wir uns aber gespart...

Am Montag schließlich haben wir unser Auto geholt und ab ging die große Fahrt durchs Land. Linksverkehr. *kreisch* Also, rein nervlich ist es für den Beifahrer anstrengender, der sich jeden Moment im Straßengraben wähnt oder schon mit Mäuerchen und Straßenschildern kollidieren sieht... aber nach einem Tag Gewöhnung ging es dann schon besser. Insgesamt besser, als befürchtet. Gewöhnen muss man sich auch so an ein fremdes Auto und mit etwas aufpassen, war das kein großes Problem. Wir hatten jedenfalls nicht das Bedürfnis, erst zwei Stunden auf dem Aldi-Parkplatz Fahrübungen zu machen.

Von Edinburgh ging es nach kurzen Orientierungsschwierigkeiten auf die Autobahn, die wir in Perth schon wieder verließen, um Scone Palace zu besichtigen. Schöner Palast, tolle Ausstattung, romantischer Friedhof, lustiger Spielplatz. Scone Palace ist auch als früherer Krönungsplatz der schottischen Könige bedeutsam, wo auch der [dramatische Musik an] Stone of Destiny [dramatische Musik aus] zu sehen ist. Ok, nur eine Kopie, das Original haben wir schon in Edinburgh bei den Kronjuwelen gesehen. Hübsch fand ich aber den Hügel, auf dem die Clanchefs früher dem König Treue geschworen haben – dazu brachte jeder einen Stiefel voll Erde mit, damit er auch ja auf seinem eigenen Grund und Boden schwören konnte. *g* Deshalb ist da jetzt Hügel.

Weiter ging’s über kleinere Straßen nach Norden, nach Braemar, an Balmoral vorbei, dem wir Dank verpasster Ausfahrt nur winken konnten, bis Ballater. Da haben wir uns auf das erste B&B gestürzt, das wir nachträglich als teuer klassifizieren, wo wir aber immerhin im Erdgeschoss hausten und die Koffer nirgends hochschleppen mussten. Ja, wir sind faul und haben die Koffer immer mitgenommen, anstatt uns das Gepäck umzupacken in kleinere Taschen... Dann durften wir allerdings feststellen, dass montags die meisten Kneipen zuhaben und fanden uns mit einem deutschen Pärchen in einer Kneipe wieder, wo ich mein Experiment, mich durch die schottischen Biere zu probieren fortsetzte. *g* A pint of beer, something dark and local... Ja, wir waren abends immer richtig essen, mittags gab’s meistens ne Suppe oder ein belegtes Brötchen, man war von dem reichhaltigen schottischen Frühstück ja lange satt. Und ich will 2 Wochen keine Eier mehr, damit ich wieder einen normalen Cholesterinspiegel erreiche...

Wir hatten bis dahin schon die ersten Blicke auf traumhafte Hochlandlandschaften, Berge und Heide... überall blühende Heide. *schmacht* das fand ich ja ganz toll, wie alles so wunderbar geblüht hat...



Durch Heide und Landschaft ging es weiter nach Norden zu den Schlössern des „Castle-Trails“. Im Nordwesten, grob Richtung Aberdeen, gibt es unzählige Schlösser, die alle recht nahe beieinander lagen. Wir waren bei Cragiever Castle, im Park von Leith Hall, bei der Ruine von Huntley Castle und sind schließlich in Dufftown gestrandet um uns eine Destillerie anzusehen. Wenn wir schon mal in Schottland sind, muss man das ja mitnehmen. *g* Die (kostenlose) Führung war auch interessanter als erwartet und wir haben auch alle einen Probeschluck bekommen... Nun ja, meins ist der pure Whisky nicht... dafür hat sich aber Michaela an das Experiment gewagt, sich von da an durch die schottischen Whiskeys zu probieren. Jeden Abend einen anderen. Und im Gegensatz zu meinen unkoordinierten something-beer-Experimenten, wusste sie danach auch noch, was genau was war und wie es im Vergleich schmeckte. Ich hab mich darauf beschränkt, am Whiskey zu schnuppern und allenfalls die Zunge zu befeuchten. Gewohnt haben wir in Dufftown in einem schnuckeligen B&B mit groß pfingsrosengeblümten Badezimmer und Frühstück bei Mama in der Küche. Und am Abend waren wir im Fish&Chips-Laden und haben da Stuttgarter getroffen und uns mit denen unterhalten. – die haben wir dann am letzten Tag in Glasgow wiedergetroffen. *g*
Schottland ist ein Dorf.

Nächster Tag ging weiter nach Norden, zunächst nach Elgin, das uns mit seiner beeindruckenden Kathedralenruine begeisterte und mit der charmanten Innenstadt überraschte. Hatten wir nicht so groß und nett erwartet. Weiter ging’s an der Küste entlang Richtung Inverness, wo wir zunächst das Schlachtfeld von Culloden umgingen (nein, danke, keine patriotischen Heldendenkmäler) und Cawdor Castle besichtigten. Eines unserer Lieblingsschlösser mit dem liebevollen Innenleben und dem ganz wundervollen Garten.



Was da noch alles geblüht hat! Bei den Postkarten vom Schloss mit den Blumen im Fordergrund haben wir noch über die Fotomontage gelästert – dann haben wir die Bilder selber geknipst...

Inverness haben wir nur gestreift, sorgsam die Innenstadt und die Touri-Magneten Loch Ness und Urquard Castle vermeidend (ein Dank an Michaela, die im entscheidenden Kreisverkehr an der entscheidenden Stelle gebrüllt hat, dass ich raus soll). Wir sind nach Norden weitergefahren, haben uns (von außen) das beeindruckende Dunrobin Castle angesehen und am Abend recht spät Wick erreicht. B&B war nett, Essen in der Kneipe billig und triple chocholate cake gigantisch...

Am nächsten Morgen haben wir die Fähre zu den Orkneys anvisiert. Wir hatten uns für die kleinere, billigere Fähre von Gills Bay nach St. Margarets Hope entschieden. Die fuhr 9.45 Uhr und dann wieder 13.45 Uhr. Wir waren auf die Mittagsfähre eingerichtet, aber als wir 9.40 Uhr am Hafen ankamen, haben sie uns noch mit an Bord gebastelt. Auf Fähren ist es ja immer einparken für Fortgeschrittene. Ich bin sehr dankbar, dass Michaela das gemacht hat, ich mag das gar nicht, mit dem Auto auf die Fähre...
Die Fahrt war toll! Sonnenschein, ein paar Wölkchen und so ging es zwischen Inseln und Inselchen hindurch. Ab und an konnte man einen Leuchtturm oder verfallene Häuser entdecken, die malerisch im grün der Insel versteckt waren. Die Orkneys sind ziemlich flache Inseln, sanft aus dem Meer aufsteigend. Und grüne Inseln, sehr grün und fruchtbar... stürmisch aber auch. *g* Wir haben Sturmfotos von uns gemacht, als wir angekommen sind und hatten schon die ersten Salzspritzer auf der Autoscheibe, als wir die niedrigen Dämme zwischen den Inseln überquerten.

Die Hauptinsel der Orkneys ist Mainland und darauf die Hauptstadt Kirkwall. Städtchen. Viele Leute wohnen ja nicht auf den Inseln. Kirkwall ist aber sehr nett und wird – wie der Name schon sagt – von einer beeindruckenden Kirche beherrscht. Gebaut, glaube ich, im 11 Jahrhundert und wirklich groß. Sie ist dem heiligen Magnus geweiht, der, wenn ich mich recht entsinne, von seinem Bruder ermordet wurde und dessen Sohn dann zu seinen Ehren die Kirche baute. Also Magnus Neffe sozusagen. Außerdem gibt es gleich bei der Kirche die Ruinen des Earls Palace und des Bishops Palace. Die lagen zwar in Feindschaft miteinander, waren aber gleich gegenüber an der gleichen Straße. Wenn Gawains Burg die Ausmaße vom Palast des Earl Patrick Steward hatte, brauch er sich über mangelnden Platz nicht zu beschweren. Aber von arthurischen Legenden, war da oben nicht viel zu spüren. Wikinger, hauptsächlich Wikinger und ein paar Heilige. Selbst die Fahne von Orkney sieht fast aus wie die norwegische, nur dass das weiße Kreuz gelb ist. Michaela ließ sich glatt zu dem Kompliment hinreißen: „Das ist ja schon fast norwegisch!“

Wir haben uns am Rande von Kirkwall für 2 Nächte eingemietet, bei einer Frau, die wir so ganz schlecht verstanden haben. Alle anderen waren kein Problem, aber die...? Gälisch? Altnorwegisch? Aramäisch? Naja, zum Verständigen hat es gereicht, und auch das wir „Lassies“ waren haben wir mitgekriegt. ;)

Am nächsten Tag haben wir die Runde über die Insel gemacht. Erst nach Norden, über ganz tolle einsame Straßen, an eine ganz tolle sturmumtoste Küste. Wie die Wellen da an die Steilküste schlugen! Unglaublich! Wir haben dann später erfahren, dass es Windstärke 8 war und deshalb keine Fähren mehr fuhren. Gar keine, auch die große nicht.
Ganz im Norden gibt es den Brogh of Birsay, eine (früh)mittelalterliche Stätte auf einer kleinen Insel, zu der man bei Ebbe rüberlaufen kann. Da waren wir schon beim Lesen zu feige für, aber in dem sturmtosenden Wetter (und sowieso nicht Ebbe) wär das eh nicht gegangen.



Wir sind ein Stück am Strand langspaziert, hatten auf den 500 m Sturm, Regen, Sonnenschein und sind dann weitergefahren nach Skara Brae. Skara Brae ist die beste steinzeitliche Siedlung überhaupt. Die Häuser sind noch mit einer Mauerhöhe von 3 m erhalten, mitsamt Inventar. Man hatte halt nie viel Holz auf der Insel und so waren Betten, Regale und alles aus Stein – und das ist eben noch erhalten. Anfang letztes Jahrhundert wurde ein Teil der Siedlung durch einen Sturm freigelegt und seitdem ausgegraben. Wir konnten aber leider nur ein restauriertes Haus besichtigen, da für die ausgegrabenen der Sturm zu stark war. Und wir konnten uns das Anwesen des dortigen Grundherren ansehen, der auch die ersten Ausgrabungen angeleiert hatte. Charmant wie zu Miss Marples Zeiten eingerichtet, weil die Witwe des Hausherren das alles so gelassen hat. Die alte Dame ist vor ein paar Jahren im hohen Alter verstorben und so konnte man das in dem Zustand besichtigen. Charmante Bibliothek und netter Einblick in das Leben der besseren Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert. Miss Marple. *g*
Im Haus haben uns auch Deutsche angesprochen, ob wir sie ein Stück bis zur Hauptstraße mitnehmen können. Eigentlich wollten sie ja an der Küste entlang laufen, aber mit dem Sturm ging das ja nicht. Und Bus kam erst wieder am Abend. Montag ja. *g*
Haben wir natürlich gemacht.

Unser nächster Halt war der Ring of Brogar, ein großer Steinkreis mit ursprünglich mehr als 60 stehenden Steinen und damit größer als selbst Stonehenge. Heute stehen noch 27 von ein paar mehr sieht man noch die Spuren, die liegenden Steine oder die Füße. Sehr beeindruckend in der Größe mit der Aufschüttung (henge) ringsum. - Um so mehr mit seiner Lage auf einer schmalen Landbrücke zwischen zwei Seen. Toll. Und überall die blühende Heide... Leider hat es da mal wieder geregnet, aber was soll’s...



Nicht weit weg war dann Maes Howe. Es gilt als Hügel- bzw. Kammergrab, wobei mehr als fraglich ist, ob da je Tote bestattet wurde. Wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen Kultplatz handelt, insbesondere auch, weil in den 50 Tagen um die Wintersonnenwende zu Sonnenuntergang das Licht in den Eingang fällt. Um die Zeit wird auch eine Webcam im Grab installiert (aber so spannend waren die Bilder nicht.)
Wir hatten eine sehr nette und witzige Führerin, die uns anschaulich die Geheimnisse des Grabes darstellte. Viele, viele Dinge, die noch unbekannt sind. Berühmt ist Maes Howe aber auch für die unzähligen Runeninschriften im Inneren. Laut Legende sind mal Wikinger, die Kirkwall überfallen wollten in das Grab eingebrochen (gewaltsam von oben durchs Dach, weil sie keinen Eingang gefunden haben) und waren dann 3 Tage und 3 Nächte wegen Sturm darin gefangen. Aus lauter Langeweile, begannen sie im Inneren ihre Runen reinzuschnitzen. Das gibt dann so nette Ergebnisse wie: „Sven war hier“ oder „dies schrieb der geschickteste Runenschnitzer des westlichen Meeres“ oder „meine Frau ist die allerschönste“ oder oben über der Tür „das schreibe ich hier ganz hoch oben“... Sinngemäß zumindest. *g*
In späterer Zeit wurde das Grab aber wieder mit Erde gefüllt und erst 18irgendwas wieder ausgegraben. Die Bauern der Gegend haben sich nicht drum gekümmert, in solchen Hügeln wohnt ja schließlich das kleine Volk. *g*



Ich mochte auch die Beschreibung der Führerin, warum die Wikinger im Grab vorm Sturm Schutz suchten, nachdem sie ja oben das Dach eingeschlagen haben: „You know, it dosn’t rain straigth down... it rains cross!” Letzteres wurde quasi zum geflügelten Wort der Reise. It rains cross.

Am Abend musste ich dann noch bei der Fähre anrufen *irx* um Plätze für den nächsten Tag zu reservieren, wenn all die anderen noch mitwollen, die schon einen Tag gewartet haben. Hat aber geklappt, wir sind gut auf die Fähre gekommen, zentimeterweise eingeparkt und sicher an Land zurück gekommen. Orkneys lohnen sich echt und da verpasst jeder was, der die Runde nicht mitnimmt. Hatten wir wirklich viele unterwegs, die zwar bis an die Nordküste fahren, aber eben nicht auf die Insel... Naja, Fähre kostet auch... pro Strecke haben wir für 2 Mann + Auto 52 Pfund bezahlt...

Von der Fähre runter ging es als erstes nach Thurso – und dann weiter an der Nordküste entlang bis Durness. Eigentlich eine sehr schöne Strecke, durch heideblühendes Hochland mit wundervollen Ausblicken auf schroffe Küste. Und auch die single track roads sind spaßig – klappt ja auch immer mit dem Ausweichen und so viel ist da nicht los... aber Regen... Ziemlichen Regen die ganze Zeit, so das wir nicht mal Bilder haben von der Strecke. Und auch in Durness Regen. Regen, Regen... Bäh. Man war pitschnass, sobald man aus dem Auto stieg... ihr erinnert euch: it rains cross...

Durness ist ein ziemlich langezogenes Ding, schwerlich als Ort zu bezeichnen, weil mehr Streusiedlung in weiter Gegend. Aber da ist ja sonst nichts. Wir haben erst mal an der Jugendherberge oben gehalten, waren unschlüssig, sind auf der Suche nach dem Ortszentrum weitergefahren. Ausgestiegen, B&B gesucht, gab’s nicht. Also wieder umgekehrt und in die Jugendherberge – im Regen – preislich war es sehr angenehm, und der Mann hatte die Ruhe weg. Wir sind also mit Bettwäsche im Arm in die Zimmer gegangen... Bretterbude mit 6 oder mehr Doppelstockbetten, kalt und bei dem Wetter nicht einladend, offene Duschen, kein Frühstück... äh, nein danke. Also sind wir umgekehrt, haben das Geld zurückgebeten und sind stehenden Fußes in das B&B gegenüber eingezogen. Kuschelig warme Zimmer, mit Frühstück und warm und überhaupt. Die 10 Pfund mehr waren echt gut angelegt... wir sind halt doch Beamte auf Reisen und eher die bequemen. Aber keiner kann sagen, wir hätten es nicht wenigstens versucht... den groß angekündigten Pub von Durness haben wir übrigens auch nicht gefunden. Das Hotel hat uns mit den Essenspreisen höflich aber bestimmt hinauskomplimentiert, aber dieses andere Restaurant war nett. Wir haben also doch noch gut gegessen und gut geschlafen im warmen Zimmer. Nachts bin ich aufgewacht und es war ein unglaublich sternenklarer Himmel... Orion mit den Knie im Meer...

Am nächsten Morgen war wieder nichts mehr mit sternenklar, aber es war trocken. Reicht ja. Und auch die Klamotten waren wieder trocken. Wir haben uns also als ersten in Durness noch die Höhle „Smoo’s cave“ angeschaut, die durchaus auch beeindruckend war.



Und auch den „Award winning Beach“ von dem Rani schon erzählt hatte. Dann ging’s weiter, wieder die Küste entlang. Wir haben die landschaftlich schönere Strecke gewählt an der Küste entlang – eine wirklich, wirklich schmale single track road, mal mit Gefälle von 25 % (!) und Wohnmobile durften da gar nicht mehr fahren. Aber schön. So schön... Leider nie Platz zum Halten und Fotografieren...
Wir sind in Lochinver wieder rausgekommen (Tankstelle!) und um Loch Assynt gekreist mit seiner malerischen Ruine. Sehr schön. Sehr eindrucksvoll. Sehr malerisch. Wir sind noch bis Ullapool gefahren – was auch ein sehr hübsches Städtchen ist. Einer unserer Lieblingshäfen. Wir haben gleich im Zentrum ein schönes B&B gefunden und noch ein wenig den Ort erkundet. Das Wasser da war der Loch Broom - ich mochte das Broom Monument, hab aber leider kein Foto davon...
Es war mein Geburtstag da, aber gefeiert haben wir nicht besonders. Nur normal essen gehen. Und ich habe nette SMS bekommen und einen Anruf von meiner Cousine...
Ich: Du weißt, dass ich in Schottland bin und das teuer werden kann?
Sie: Wäääh, nein, dann mach ichs kurz und alles Gute und überhaupt. *lach*

Von Ullapool aus ging es dann weiter nach Süden und dann auf die Isle of Skye nach Portree. War wieder ein regnerischer Fahrtag, der am Nachmittag aber noch spontan aufklarte und wunderschöne Ausblicke bot. Die Brücke nach Skye ist schon beeindruckend – Michaela ist immer hin und weg bei Brücken und Schiffen *g* - und auch die Berge der Inseln und die Wasserfälle. Da hatte der viele Regen auch sein Gutes, weil damit genug Wasser da war, das fallen konnte...
Portree ist auch ein nettes Hafenstädtchen mit massenhaft Touristen und Unmengen an B&Bs. Ich glaub, so eine Häufung hatten wir nirgendwo sonst. Wir haben uns für zwei Nächte in ein rosa Haus einquartiert und am Nachmittag noch den Ort erkundet. Die Touri-Information mit ihren netten Büchern und eine passende Kneipe für den Abend gesucht. Essen war auch sehr lecker, auch wenn wir vermuten, dass das Schild „Lifemusik“ da immer steht, ohne dass was passiert. Lifemusik hatten wir dann aber trotzdem, weil sich auf dem Markt die örtliche Dudelsackkapelle versammelte und ein Ständchen brachte. Einfach so, weil Montag war oder schönes Wetter oder warum auch immer. *g* Sehr nett. Frostig, aber nett.

Am nächsten Tag haben wir uns für die Rundfahrt auf Skye bereitgemacht – leider sah das Wetter wieder wenig freundlich aus. Wir sind wieder gegen die Uhr gefahren, haben also als erstes die Ausblicke auf den Old Man of Storr – einen besonders markanten Felsen – und die Kiltfelsenklippen genießen dürfen. Mächtige Klippen mit Wasserfall – und einem Metallgeländer, in dem der Wind Didgeridoo gespielt hat. Oder es war Feengesang. *g* Es soll auf Skye ja noch Feen geben.



Über malerisch schmale schafige single track roads ging es nach Norden, wo wir im Museum zum ländlichen Leben der Insel Halt machten. Das waren sehr hübsche strohgedeckte Hütten, die liebevoll hergerichtet und ausgebaut waren. Eine war komplett eingerichtet, wie sie wohl um 1900 ausgesehen haben muss. Michaela war allerdings am meisten von dem Zeitungsartikel fasziniert, über den Dorfbewohner der bei Shakletons Polarmission dabei war. Leider ist die Blitzreflektion auf dem Foto von der Glasscheibe...
Weiter ging es nach Dunvegan Castle. Das Gebäude ist zugegeben kein wirklich schönes Castle... eckig, graufleckig und mit nicht dazupassenden Türmchen und Zinnen, die in der Romantik rangepappt wurden. Aber der Garten war sehr schön, auch wenn wir ihn wegen Regen eher als Wassergarten durchwatet haben. *irx* Vor dem Regen waren wir aber auf Robbentour... Die wurde da vom Schloss angeboten, für lediglich 1,50 Pfund... Wir erwarteten also ein kleines Ausflugsschiffchen, mit dem man in der Bucht rumschippert und vielleicht irgendwo eine Robbe sieht... Was wir bekamen, war zunächst eine Schwimmweste, mit der wir in ein motorbetriebenes Ruderboot bugsiert wurden. Zwei Handbreit über dem Wasser, mit der Gischt der schnellen Fahrt ging das da recht abenteuerlich ab. Aber wir kamen bis auf ein, zwei Meter an die Tanginseln heran, auf denen sich die Robben ganz entspannt aalten. Klasse! So nahe an die Tiere! Sie waren grau-weiß-schwarz gefleckt und ließen sich so gar nicht von dem Boot stören. Der Fährmann ist auch ganz langsam gefahren, dass wir knipsen konnten, auch mal eine Wende, dass auch jeder den optimalen Blick hatte...



Sehr schön! Der Rest des Tages versank dann allerdings wie schon gesagt im Regen...

Von Skye aus haben wir dann Eilan Donan Castle mitgenommen, neben Urquard Castle am Loch Ness eines DER Touristenziele, wo auch prompt busweise Touristenscharen anzutreffen waren. *irx* Aber wenn die Straße schon mal direkt vorbeiging, haben wir es uns auch angesehen. War auch sehr nett innen, beeindruckende Haupthalle und nett verwinkelt. Und die Burg ist ja schon dank ihrer Lage auf der Insel sehenswert, wo nur die Brücke hinüberführt...
Wir fuhren weiter Richtung Fort William. Haben uns erst die Ruine von Invergarry (?) angesehen und dann Neptuns Staircase. Das ist eine Staustufe am kaledonischen Kanal – um genau zu sein, sind es 8 Staustufen hintereinander, die insgesamt 19 m Höhe überwinden. – Und wir hatten Glück und ein Schiff kam, so dass wir das in Aktion bewundern durften. - Haben wir aber nur 2 Staustufen lang gemacht – dann war’s zu kalt...

Fort William ist wesentlich schöner, als es die Beschreibung im Reiseführer glauben machte - da wurde es als Touristenzentrale am Ben Nevis abgetan – aber es ist ein nettes kleines Städtchen mit lebhafter Fußgängerzone, vielen netten Pubs, einer schönen Kirche und einem schönen Hafen. Wir haben da auch in unserer nobelsten Unterkunft logiert: St. Andrews House. Das war die ehemalige Schule des Knabenchores der Kirche und gleichzeitig Wohnsitz des Pfarrers... ein nobles Herrenhaus, oben am Hang mit Blick über die Stadt, mit Türmchen und Gauben und wirklich hübsch. Beinahe hätten wir uns nicht getraut zu fragen, aber bei zu hohem Preis kann man ja auch einfach wieder gehen. War es aber gar nicht. War voll in unserem Durchschnitt und auch innen sehr nobel. Alles Holz, schöne kirchengleiche Fenster, plüschige Teppiche... ein Herrenhaus eben... Und das Frühstück mit frischen Erdbeeren war auch nobel. *schleck*

Von Fort William aus sind wir durch das malerische Tal von Glen Coe gefahren... Malerisch, naja, eher monumental mit den steil aufragenden Felsen an jeder Seite. Oben dann Hochebene mit immer mal Wasser, immer mal Inselchen und wieder Bergen im Hintergrund. Schon sehr beeindruckend, nur war die Sicht nicht wirklich gut. Wir haben noch um Loch Leven (?) gekreist und haben die Ruine von Kilchurn Castle mitgenommen und sind dann nach Inveraray gefahren. Da gibt es auch ein (noch bewohntes) Schloss und das haben wir uns auch angesehen. Gut, dass wir die Fotos von außen vorher gemacht haben, danach gab’s wieder nur Regen.
Das Schloss hat eine unheimlich große, beeindruckende Haupthalle. Riesig hoch und angeblich die größte Halle Schottlands. Da machte sich die Waffensammlung wahrlich malerisch. Auch hat das Schloss Verbindungen zum Königshaus, weil in die Familie der Campells (die bösen Campells) die Tochter von Queen Victoria eingeheiratet hat. Wir haben noch nicht ganz den Unterschied zwischen Earl und Duke verstanden, aber wichtig sind sie auch heute noch.
Inveraray ist an sich auch ein hübscher Ort mit einem alten Gefängnis (in dem wir nicht waren, zu reißerische Werbung mit komischen Wachspuppen) und überhaupt sehr schönen Häusern. Es wurde zusammen mit dem Schloss gebaut: der damalige Earl wollte ein neues Schloss, weil ihm das alte nicht mehr gefiel - und auch das alte Fischerdorf beleidigte sein Schönheitsempfinden. So ließ er kurzerhand alles abreißen und neu planen und bauen. Im Schloss hat er selber aber nie gewöhnt. Erst sein Enkel konnte einziehen.
Wir haben in dem Ort eine Weile gebraucht, ein B&B zu finden, aber dank Touri-Info hat auch das gut geklappt. Unser letztes B&B, am nächsten Tag ging es zurück nach Glasgow.

Der Weg führte entlang des vielgelobten Loch Lomond – durchaus ein schöner See, aber wir hatten abgelegen im Hochland sicher viel schönere.
Vor Glasgow haben wir noch Dumbarton Castle angeguckt. Vor den Toren von Glasgow – und so gut wie ohne Touris. Irgendwie kommt da nie einer hin, wenn man nach der Parkplatzgröße geht... dabei war es ein schönes Castle... Eine Festung viel eher, auf zwei Bergen hoch über dem Meer errichtet, mit mehreren Toren als Schutz, steilen Brücken und grünen Hängen. Schön. Und eindrucksvoll.

Glasgow... wir kamen über die Erskine Bridge und haben unser Hotel gesucht. Dummerweise begann die Wegbeschreibung aus einer anderen Richtung, so dass wir großräumig und hilflos um den Flughafen gekreist sind Gaaanz toll. Und die Autobahnausschilderungen sind ja auch ein Ding für sich, ganz zu schweigen von den Monsterkreisverkehren, anstelle der Kreuze... irgendwann hatten wir dann die richtige Richtung, haben das Hotel auch gefunden... Naja, schön war es nicht. 70iger Jahre halt. Aber sauber, nahe am Flughafen mit Shuttelservice und preiswert. Reichte ja für eine Nacht. Wir haben eingecheckt, kurz gerastet und dann das Auto fortgebracht. Nicht ganz so schlimm, wie die Odyssee zum Hotel, hat aber auch Nerven gekostet. Können die nicht richtig ranschreiben, wo es hingeht? Wir haben’s aber doch beim ersten Versuch geschafft. Puh... Die wollten auch nur den Schlüssel, sonst nichts und wir waren das Auto los. Unversehrt und wohlbehalten.

Und wir sind mit dem Flughafenzubringer nach Glasgow reingefahren, um noch was von der Stadt zu sehen. Glasgow hat echt schöne Ecken, schöne alte Gebäude, teils liebevoll restauriert, teils fetzig umgenutzt. Glasgow hat moderne, neue Ecken – und zwielichtige versiffte Gegenden. Und man kann von einer in die andere geraten, nur indem man um eine Ecke biegt... Ein bisschen unheimlich. Und Glasgow ist hektisch, laut und voller Verkehr und Menschen. Modern und „in“ eben. Meins ist das nicht wirklich, aber ich bin auch keine Großstadtpflanze... Der Pub, in dem wir gegessen haben, war aber sehr nett und ich mochte das Jugendstil-Glashaus, auch wenn das Cafe da grad geschlossen hatte...

Zurück zum Hotel ging es dann auf abenteuerlichen wegen mit dem örtlichen Bus. Bus, der sämtliche Dörfer abfuhr und eben auch seltsame Gegenden. *irx* Es wurde dunkel, wir fuhren eine Stunde und länger, jede Orientierung verloren und am Ende waren wir die einzigen im Bus... Aber da kamen wir tatsächlich am Hotel an und alles war gut. *g* Nach verhältnismäßig kurzer Nacht, liebenswürdiger Frühstücksversorgung ging es zum Flughafen und zurück. Wir hatten Verspätung in London, so dass sie uns die Sicherheitskontrolle ersparten und gleich zum nächsten Gate ließen – mussten aber trotzdem warten, weil 3 Passagiere fehlten. Zwei tauchten auf, der dritte nicht – also haben sie alles Gepäck wieder durchwühlt, um das des Verschollenen rauszufischen. Man fliegt nicht mit Gepäck ohne dessen Eigentümer... Naja, wir sind halbwegs pünktlich angekommen und abgeholt worden. Mein Auto stand noch, rechts fahren war kein Problem und so bin ich gut daheim angekommen. :)

Noch mal ein Bildchen von romantischer Abendstimmung:




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