2. Tag – der lange Weg nach Norden
4 Jul 2012 08:53 pmUnser Plan sah vor, daß wir bis zu den Orkney-Inseln fahren und dort ein paar Tage bleiben. Auf der Hauptinsel von Orkney – Mainland – sollte aber am folgenden Wochenende das große St. Magnus Festival beginnen, in das wir nicht hineingeraten wollten. Mal abgesehen von der Fülle an Menschen, die da zu befürchten war, sollte das auch die Übernachtungsfrage erschweren. Also hieß es für uns, gleich bis zu den Orkneys zu fahren und vor dem Festival wieder zu verschwinden. Und es hieß außerdem, daß wir in einem Stück von Stirling bis Wick fahren wollten, eine Strecke von über 400 km. Fahrtag also – da machte es nichts, daß er so trüb und regnerisch begann, wie er endete.
Nichtsdestotrotz hatten wir für die lange Strecke ein paar Unterbrechungen und Umwege eingeplant. Dinge, die wir unterwegs noch fix besichtigen wollten. Und das waren folgende:

Der Steinkreis Craft Moraig am River Tay – das soll der Steinkreis sein, an dem sich laut Shakespeare die Hexen von MacBeth getroffen haben. When shall we three meet again...
Ehrlich gesagt haben wir uns den Tay mächtiger und die Landschaft urwüchsiger vorgestellt. Es ist doch eher friedliches Farmland als windige Hexenödnis und auch der Fluss lädt an der Stelle eher zum Campen und Picknicken ein. Jedenfalls bei schönem Wetter. ;) Der Steinkreis war trotzdem nett, da er aber hinter dem Zaun einer Farm lag, haben wir ihn nur vom Wiesenrand aus fotografiert.
Kurz dahinter folgte der Halt an Blair Castle, einem der berühmtesten Schlösser Schottland. Es ist noch in Privatbesitz, mehr noch, der reiche Eigentümer ist der einzige Brite, der noch über eine Privatarmee verfügt. Die Atholl Highlander paradieren einmal Ende Mai und tröten jeden Tag malerisch vor dem Schloss auf dem Dudelsack.

Da sich das Schloss in Privatbesitz befindet, gehört es nicht zu unserem Explorer Pass von Historic Scotland – kostete also separat Eintritt. Es gehört zum National Trust und kostet damit nicht wenig Eintritt, mehr noch, man muß schon bezahlen, bevor man den Parkplatz und volle Sicht auf das Castle erreicht. Wir haben uns also mit einem schnellen Foto von der Seite begnügt und sind weitergereist. Für den Eintrittspreis muß man schon Zeit haben und sich das Castle ausführlich und in Ruhe anschauen.
Wir folgten der A 9, der schnellsten Verbindung nach Norden. Die Straße – manchmal sogar komfortabel zweispurig – führt durchs Hochland und bietet schöne Blicke auf Heide- und Ginsterlandschaft. Es war noch zu früh für Heide, aber die leuchtenden Ginsterflächen haben ja auch ihren Reiz:

Wir sind an Inverness vorbeigefahren, über die großen Brücken am Moray und am Dornoch Firth und haben erst kurz hinter Dunrobin Castle wieder Halt gemacht. Dunrobin ist ein verspielt anmutendes Prinzessinnenschloss, das in jedes Disney-Märchen passen würde – wir haben auf einen Stop dort verzichtet, weil das Wetter immer noch grau und feucht war und wir ja auch nicht so wirklich viel Zeit hatten. Also gab es nur einen nebligen Blick aus der Ferne auf das Schloss und auf die mächtige Statue vom ersten Herzog von Sutherland oben auf dem Berg (böse Zungen behaupten, er steht da so exponiert, damit so oft wie nur möglich der Blitz in den verhassten Mann einschlagen möge).
Wir haben nicht für das Castle gehalten sondern für Cairn Liath Broch, ein prähistorisches Settlement in und um einen gemauerten Rundturm. Diese Art Wohnanlage – Broch genannt – wird uns in Schottland noch häufiger begegnen.

Die Lage direkt am Meerund an der Schnellstraße ist fantastisch. Man kann sich noch gut vorstellen, wie die Menschen hier früher gelebt haben, man sieht noch viel von den Mauern und Durchgängen. Ein sehr empfehlenswerter Stopp.
Auch der nächste Umweg führte uns direkt in die Jungsteinzeit zu den Grey Cairns of Camster:

Eine Winzstraße führt hinaus auf eine weite, windige Moorfläche (viel eher für shakespearsche Hexen geeignet als der liebliche Tay). Vom Parkplatz aus führte ein Holzsteg hinüber zu den mächtigen grauen Grabhügeln. Es gab einen runden Cairn, einen langen Cairn und ein Settlement anbei. Die Grabhügel hatten metallene Türe (hätten gehabt, wenn nicht irgendwelche Bekloppte das Metall geklaut hätten), die man öffnen konnte. Man konnte also einfach so reinkriechen in die Cairns... Bei den schmalen niedrigen Durchgängen hinein in ein finsteres Loch keine ganz kleine Herausforderung. Die Taschenlampe lag ja natürlich noch sicher verstaut im Auto. Wir sind dennoch in den langen Cairn gekrochen und haben uns da auch innen umgeschaut. Mehr Platz als erwartet. ;) Und keine Gruselgerippe in irgendwelchen Ecken. ;)
Die beiden Cairns sind eine beeindruckende Anlage, nicht zuletzt, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Aufwand es erfordert, diese Unmengen an Steinen heranzuschaffen und aufzutürmen – alles in einer Zeit ohne technische Hilfsmittel und sogar ohne Räder. Auch die Umgebung ist toll, die weite Moorfläche mit Wollgras und Schafen... sehr schön und sehr beeindruckend.

Es gab auch noch einen weiteren Halt mit prähistorischem Bezug – den Hill o’Many Stanes – einem, wie es der Name schon sagt, steinreichen Hügel.

Zwischen Heide und Ginster (und Farmland) finden sich hier etwa 192 Steine in 22 mehr oder weniger geraden Reihen. Die Anlage ist etwa 3000 bis 4000 Jahre alt und diente möglicherweise der Sonnenbeobachtung. Möglicherweise diente sie auch einem anderen Zweck – wie das bei so alten Dingen ist, man weiß es nicht genau... trotzdem aber spannend anzusehen.
Es war dann nicht mehr weit bis Wick, zur Endstation dieses Tages. Wir hatten uns ein sehr schönes B&B vorgebucht und wollten am nächsten Tag die Morgenfähre zu den Orkneys nehmen. Da bietet es sich ja an, schon mal in der Nähe zu sein. Wick ist eine Hafenstadt, die ihre Größe dem Fischfang verdankt – den Silver Darlings, den Heringen. Das macht sie jetzt nicht unbedingt romantisch und anheimelnd, aber als Stützpunkt völlig okay. Wir sind ein Stück an der Küste entlanggewandert zum Old Wick Castle und dann noch was zu Essen gesucht. War ja ein langer Fahrtag...
Stimmung:
unterwegs
Nichtsdestotrotz hatten wir für die lange Strecke ein paar Unterbrechungen und Umwege eingeplant. Dinge, die wir unterwegs noch fix besichtigen wollten. Und das waren folgende:

Der Steinkreis Craft Moraig am River Tay – das soll der Steinkreis sein, an dem sich laut Shakespeare die Hexen von MacBeth getroffen haben. When shall we three meet again...
Ehrlich gesagt haben wir uns den Tay mächtiger und die Landschaft urwüchsiger vorgestellt. Es ist doch eher friedliches Farmland als windige Hexenödnis und auch der Fluss lädt an der Stelle eher zum Campen und Picknicken ein. Jedenfalls bei schönem Wetter. ;) Der Steinkreis war trotzdem nett, da er aber hinter dem Zaun einer Farm lag, haben wir ihn nur vom Wiesenrand aus fotografiert.
Kurz dahinter folgte der Halt an Blair Castle, einem der berühmtesten Schlösser Schottland. Es ist noch in Privatbesitz, mehr noch, der reiche Eigentümer ist der einzige Brite, der noch über eine Privatarmee verfügt. Die Atholl Highlander paradieren einmal Ende Mai und tröten jeden Tag malerisch vor dem Schloss auf dem Dudelsack.

Da sich das Schloss in Privatbesitz befindet, gehört es nicht zu unserem Explorer Pass von Historic Scotland – kostete also separat Eintritt. Es gehört zum National Trust und kostet damit nicht wenig Eintritt, mehr noch, man muß schon bezahlen, bevor man den Parkplatz und volle Sicht auf das Castle erreicht. Wir haben uns also mit einem schnellen Foto von der Seite begnügt und sind weitergereist. Für den Eintrittspreis muß man schon Zeit haben und sich das Castle ausführlich und in Ruhe anschauen.
Wir folgten der A 9, der schnellsten Verbindung nach Norden. Die Straße – manchmal sogar komfortabel zweispurig – führt durchs Hochland und bietet schöne Blicke auf Heide- und Ginsterlandschaft. Es war noch zu früh für Heide, aber die leuchtenden Ginsterflächen haben ja auch ihren Reiz:

Wir sind an Inverness vorbeigefahren, über die großen Brücken am Moray und am Dornoch Firth und haben erst kurz hinter Dunrobin Castle wieder Halt gemacht. Dunrobin ist ein verspielt anmutendes Prinzessinnenschloss, das in jedes Disney-Märchen passen würde – wir haben auf einen Stop dort verzichtet, weil das Wetter immer noch grau und feucht war und wir ja auch nicht so wirklich viel Zeit hatten. Also gab es nur einen nebligen Blick aus der Ferne auf das Schloss und auf die mächtige Statue vom ersten Herzog von Sutherland oben auf dem Berg (böse Zungen behaupten, er steht da so exponiert, damit so oft wie nur möglich der Blitz in den verhassten Mann einschlagen möge).
Wir haben nicht für das Castle gehalten sondern für Cairn Liath Broch, ein prähistorisches Settlement in und um einen gemauerten Rundturm. Diese Art Wohnanlage – Broch genannt – wird uns in Schottland noch häufiger begegnen.

Die Lage direkt am Meer
Auch der nächste Umweg führte uns direkt in die Jungsteinzeit zu den Grey Cairns of Camster:

Eine Winzstraße führt hinaus auf eine weite, windige Moorfläche (viel eher für shakespearsche Hexen geeignet als der liebliche Tay). Vom Parkplatz aus führte ein Holzsteg hinüber zu den mächtigen grauen Grabhügeln. Es gab einen runden Cairn, einen langen Cairn und ein Settlement anbei. Die Grabhügel hatten metallene Türe (hätten gehabt, wenn nicht irgendwelche Bekloppte das Metall geklaut hätten), die man öffnen konnte. Man konnte also einfach so reinkriechen in die Cairns... Bei den schmalen niedrigen Durchgängen hinein in ein finsteres Loch keine ganz kleine Herausforderung. Die Taschenlampe lag ja natürlich noch sicher verstaut im Auto. Wir sind dennoch in den langen Cairn gekrochen und haben uns da auch innen umgeschaut. Mehr Platz als erwartet. ;) Und keine Gruselgerippe in irgendwelchen Ecken. ;)
Die beiden Cairns sind eine beeindruckende Anlage, nicht zuletzt, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Aufwand es erfordert, diese Unmengen an Steinen heranzuschaffen und aufzutürmen – alles in einer Zeit ohne technische Hilfsmittel und sogar ohne Räder. Auch die Umgebung ist toll, die weite Moorfläche mit Wollgras und Schafen... sehr schön und sehr beeindruckend.

Es gab auch noch einen weiteren Halt mit prähistorischem Bezug – den Hill o’Many Stanes – einem, wie es der Name schon sagt, steinreichen Hügel.

Zwischen Heide und Ginster (und Farmland) finden sich hier etwa 192 Steine in 22 mehr oder weniger geraden Reihen. Die Anlage ist etwa 3000 bis 4000 Jahre alt und diente möglicherweise der Sonnenbeobachtung. Möglicherweise diente sie auch einem anderen Zweck – wie das bei so alten Dingen ist, man weiß es nicht genau... trotzdem aber spannend anzusehen.
Es war dann nicht mehr weit bis Wick, zur Endstation dieses Tages. Wir hatten uns ein sehr schönes B&B vorgebucht und wollten am nächsten Tag die Morgenfähre zu den Orkneys nehmen. Da bietet es sich ja an, schon mal in der Nähe zu sein. Wick ist eine Hafenstadt, die ihre Größe dem Fischfang verdankt – den Silver Darlings, den Heringen. Das macht sie jetzt nicht unbedingt romantisch und anheimelnd, aber als Stützpunkt völlig okay. Wir sind ein Stück an der Küste entlanggewandert zum Old Wick Castle und dann noch was zu Essen gesucht. War ja ein langer Fahrtag...
Stimmung:
unterwegs
no subject
Date: 6 Jul 2012 07:48 pm (UTC)no subject
Date: 15 Jul 2012 08:11 pm (UTC)Steinreiche Grüße
Helga
no subject
Date: 17 Jul 2012 11:04 am (UTC)Liebe Grüße
Vinni