rabensturm: (feder)
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Von Wick aus haben wir die morgendliche Fähre auf die Orkney-Inseln genommen – und zwar nicht die große Fähre Thurso – Strommness, sondern die kleine Pentlandferry von Gills Bay nach St. Margaret’s Hope auf South Ronaldsay. Das heißt zuerst natürlich, dass wir die Freuden des Fährefahrens erleben durften…

Vor fünf Jahren hieß das, dass man mit der Nase voran aufs Schiff fährt, eng eingeparkt wird und dann am Zielhafen wenden musste um rauszufahren. Ein flottes Ausparkbalett, dirigiert von den Fährleuten. Inzwischen gibt es eine neue Fähre, einen neuen, schnittigen Katamaran, und man kann als normalgebauter PKW auffahren, eine Runde um die Außenbahn und dann vorwärts wieder raus. Nur die großen – sprich Wohnwägen, Anhänger und Speditions-LKW müssen rückwärts auffahren und milimetergenau einparken. Wenn man einmal in seiner Lücke steht (Spiegel anklappen!), dann ist das durchaus spannend zu beobachten.

Das hier ist unser braves Auto in seiner engen Lücke:



Unterwegs gibt’s es dann schon mal vielfältige, wunderbare Ausblicke auf die Inseln, Buchten und Inselchen der Orkneys. Die Inselgruppe besteht aus etwa 100 größeren und kleineren Inseln, von denen noch 20 bewohnt sind. Und ein paar kleinere Inseln sind nur noch von Schafen bewohnt, die zwischen malerischen Ruinen ein ruhiges Leben haben. Und – man sehe und staune – Sonnenschein!



Wir hatten für Orkney das B&B schon vorbestellt – auch angesichts des anstehenden St. Magnus Festivals – mussten uns also nicht beeilen und konnten uns gleich nach der Ankunft auf den Orkneys die Gegend erkunden. Das hieß, wir haben schon mal das erste Hügelgrab gesucht – Howe of Hoxa. Man konnte den Hügel sehen, aber wegen dem Farmland nicht direkt hinlaufen. Dafür haben wir einen netten Strand gefunden, der ein paar schöne Impressionen bot.

Nächstes Ziel war der Isbister Cairn – auch bekannt als das das Tomb of the Eagles. Es handelt sich dabei um eine 5000 Jahre alte Megalitanlage, die in den 70ger Jahren vom dort ansässigen Landwirt entdeckt wurde. Ronnie, der Landwirt, meldete den Fund den Behörden – als aber 10 Jahre lang nichts geschah, buddelte er die Anlage kurzerhand selber aus. Eine Kammergrabanlage, die Material für ein kleines Privatmuseum bot und nebenbei noch die Anlage von Liddle Burnt Mound, die doch eher zum Wohnen gedacht war. Liddle Burnt Mound ist gut 1000 Jahre jünger als das Tomb of the Eagles. Besonders rätselhaft daran ist das große wasserdichte Becken im Zentrum, in dem wohl große Mengen Wasser erhitzt werden konnten. Als Kochstelle? Als Sauna? Für die Weiterverarbeitung der Wolle? Oder zum Bierbrauen? Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, wer also noch brauchbare Theorien hat, kann sie gerne beisteuern. ;)



Aber zurück zum Tomb of the Eagles. Die Lage ist spektakulär an der Klippe mit Blick auf das Meer. Man kann es betreten, wenn man bei einem vielleicht meterhohen Zugang von „betreten“ sprechen kann. Ein Kriechgang eher, für den neben dem Eingang Kniepolster bereit stehen. *g* Oder, wenn man nicht aus eigener Kraft so fit ist, kann man sich auch auf ein Rollbrett legen und an einem Seil hineinziehen. Ja, wirklich.



Da auf dem Schild steht „knee pads“.

Wir waren also drin – und drinnen ist es überraschend geräumig und hell. Es gibt ausreichend elektrisches Licht, so dass man in alle Nischen und Ecken gucken kann. Keine Skelette mehr – die liegen alle in Ronnies Museum. ;)



Warum nun aber Tomb of the Eagles? Die Anlage trägt diesen Namen, weil man neben Menschenknochen, Werkzeug und weiteren Dingen auch Krallen von mehreren Seevögeln gefunden. Man vermutet, dass nur die Knochen in dem Grab bestatten hat, nachdem die Toten zunächst den Elementen und vor allem auch den Vögeln dargeboten wurden. Es gibt dafür den hübschen Ausdruck „Entfleischung“ oder weniger martialisch Dekarnation bzw. Exkarnation. Draußen an der Klippe wurde das mal nachgestellt, auch wenn sich für die praktische Erprobung kein Freiwilliger gefunden haben soll.



Immerhin gibt es in der Umgebung auch wieder Seeadler – seit den 80iger Jahren versucht man, sie wieder einzubürgern. Es scheint ihnen auch ganz gut zu gehen, nur brüten tun sie nicht.

In Anlehnung zu den „Adlerleuten“, denen man das Tomb of the Eagles zuschreibt, findet sich nicht weit entfernt auch noch das Tomb of the Otters, das Banks Tomb, das aber noch nicht vollständig ausgegraben ist. Immerhin gab es dort wohl Otterknochen anstelle der Adlerkrallen was ich mir für die Entfleischung eher schwierig vorstelle. Wir waren zwar dort, allerdings nicht drin. Reichte erst mal an unterirdischen Erlebnissen.

Wir haben uns auf den Weg nach Mainland gemacht, die Hauptinsel der Orkneys. Über niedrige Dämme ist die mit den südlichen Inseln verbunden – Zeugnisse der Weltkriege, die sich auch an vielen anderen Stellen finden. Scapa Flow ist ein Schlagwort für militärisch Interessierte. Es rosten Wracks vor den Stränden und Bunker in den Dünen. Wir haben nur an der italienischen Kapelle angehalten.



Italienische Kriegsgefangene haben die während des zweiten Weltkrieges mit einfachsten Mitteln aus einer Baracke gebaut. Als nützliche Beschäftigungstherapie und auch aus der Gläubigkeit der Italiener. Es ist schon erstaunlich, was man aus so geringen Mitteln machen kann – und schön und versöhnlich, dass sich die Insel und die Heimatstadt des italienischen Künstlers verzwillingt haben. :)

Ich glaube, den Rest des Tages schreibe ich dann morgen ;)


Stimmung:
aufarbeitend

Date: 21 Jul 2012 06:44 am (UTC)
From: [identity profile] nordlichtsegler.livejournal.com
Da war doch auch der nette, windige Sandstrand. Wart ihr auch mal im Ozean baden, wo ihr doch so sommerliches Wetter hattet?

Date: 22 Jul 2012 10:26 am (UTC)
From: [identity profile] rabensturm.livejournal.com
Nur mit den Füßen im Wasser ;)

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rabensturm

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