rabensturm: (feder)
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Zwei Tage Großstadtleben haben mir völlig ausgereicht; am nächsten Tag haben wir Edinburgh aber auch wieder verlassen.

Zuerst wird es wieder mystisch:



Das ist Rosslyn Chapel, knapp südlich vor Edinburgh. Die Kapelle ist mit ihren vielen kunstvollen Steinmetzarbeiten sicherlich sehenswert – zum Anziehungspunkt machen sie aber die Legenden der Tempelritter. Der Erbauer der Kapelle war der erste Großmeister der Freimaurer von Schottland, Dan Brown in seinem „Sakrileg“ und andere machten die Kapelle zum Rückzugspunkt der Templer, ihrer Schätze und ihres Wissens. Oder auch zum Versteck vom Gral. Große Mystik also. Genau wie die hübsche Erzählung, dass die Garben auf einem der Fenstereliefs Maispflanzen darstellen – die Kapelle wurde aber schon vor der Entdeckung Amerikas erbaut. Man folgert daraus, dass eine kleine Gruppe Tempelritter bis nach Amerika gekommen ist, mit freundlichen Indianern überwintert hat und Jahrzehnte nach ihrer Rückkehr Steinmetze gut genug anleiten konnte, um Maispflanzen darzustellen. Natürlich. ;)

Ich möchte an der Stelle gern auf Umberto Ecos „Foucaultsches Pendel“ verweisen und die wunderbare Argumentation, dass Irre am Ende immer die Templer aus dem Hut ziehen. *g*

Wir haben die Touristenscharen verlassen und sind weiter nach Süden gefahren, zunächst zur Abtei von Melrose.



Und willst du des Zaubers sicher sein
so besuche Melrose bei Mondenschein.
die Goldene Sonne, des Tages Licht
sie passen zu seinem Zauber nicht


So schwärmte schon Sir Walter Scott und so übersetzte es Fontane.

Wir besuchten Melrose bei Regen, gefallen hat uns die Abtei aber trotzdem sehr gut. Man kann die ursprüngliche Form noch gut erkennen und schön, dass die Fenster noch viel vom alten Maßwerk zeigen.

Und dann gibt’s in Melrose natürlich noch das Herz von King Robert THE BRUCE.



Man vermutet zumindest, dass sich das Herz hier unter dieser Platte befindet, nachdem es auf seiner Reise nach Jerusalem schon bis Spanien gekommen war. Der Legende nach hatte der sterbende König sich das für sein Herz gewünscht, da er es selbst nie in die Heilige Stadt geschafft hatte. Seine vertrauten Ritter übernahmen diese Aufgabe, wurden in Spanien aber vorn feindlichen Mauren überrannt und unterlagen in heftigem Kampf. Da sie sich aber so tapfer gezeigt hätten, erlaubten die Mauren, dass die Ritter und das Herz nach Schottland zurückkehren (die Kapelle von Rossylyn, für ihre Mystik bekannt, leuchtete anlässlich dieses Dramas übrigens die ganze Nacht in mystischem rot – obwohl sie erst knapp 100 Jahre später gebaut wurde…)

Wir haben uns in der netten Touri-Info noch eine letzte Unterkunft buchen lassen und im Regen auf den Weg zur nächsten Abtei gemacht.

Dryburgh Abbey – einer der Lieblingsplätze für Sir Walter Scott, der hier auch begraben liegt.



Unsere Lieblingsabbey an diesem Tag. ;) Die Ruinen sind zwar weniger vollständig, aber sie bilden mit den wundervollen alten Bäumen ein ganz zauberhaftes Ganzes. Das allerdings nicht ganz zufällig. Schon 1786 kaufte der 12. Earl of Buchan das Land. Er bemühte sich, zu bewahren, was noch von den Ruinen erhalten war, und legte um diese herum einen großen Garten an. Und das entspricht wohl auch heute noch dem Geschmack von Schönheit und Romantik. Unserem jedenfalls. ;)

Der Regen begann hier erst, als wir schon fast wieder beim Auto waren – bescherte uns aber schon mal ein paar erste Seen auf der Straße. Unser nächstes Ziel war dann auch reichlich durchnässt:



Jedburgh beeindruckt durch die schiere Größe. Durch die Mauern oben auf dem Hügeln wirkt sie schon sehr kompakt und eindrucksvoll.

Jedburgh befindet sich nahe der englischen Grenze, geriet daher immer wieder in die kriegerischen Auseinandersetzungen von England und Schottland. Mehrfach wurden Kirche und Kloster zerstört und niedergebrannt und wieder aufgebaut und wieder zerstört. 1560 mit Beginn der schottischen Reformation, war aber das Ende der großen Abtei gekommen und so steht sie seitdem als Ruine auf ihrem Hügel.



Man kann an der Ruine auch architektonische Geschichte entdecken. Die unteren Bögen sind romanisch gestaltet, die oberen sind hingegen schon gotische Spitzbögen. Weil sich eben während der Bauzeit die Baustile und –fähigkeiten änderten.

Uns war es mittlerweile in den Borders zu nass geworden. Wir haben also beschlossen, nach Süden zu fahren, nach Nordengland, uns ein Quartier suchen, um am nächsten Tag den Hadrianswall zu besuchen. Schlechte Idee, wie ganz am Anfang schon mal erwähnt.

Es regnete schon tagelang, in Nordengland hatte es schon Überschwemmungen gegeben. Auf dem Weg durch die Borders und dem Northumberland-Nationalpark gab es mehr und mehr Seen auf den Straßen, Bäche, die von den Feldern über die Straße strömte. Man konnte nicht einschätzen, wie tief diese Wassermassen so waren, und ich hab mehr als einmal befürchtet, dass wir den Boden unter den Füßen verlieren, der Auspuff absäuft oder das Wasser zu den Türen reinströmt. *irx*



Eine Strecke von etwa 50 Meilen, die wir nicht sicher waren, ob wir heil durchkommen. Aber endlich hatten wir Hexham in Nordengland erreicht und fanden auch gleich ein B&B. Mit zitternden Händen und Knien konnten wir da aufatmen und unserem tapferen Auto danken.

Hexham ist übrigens ein sehr hübsches Städtchen mit Kathedrale, Stadttor, hübschen Marktplatz. Und einem Wetherspoons, der uns die Suche nach einem Abendessen abgenommen hat. *g*


Stimmung:
adrenalingebeutelt

Date: 22 Jul 2012 07:25 pm (UTC)
From: [identity profile] blauerfalke.livejournal.com
Die Security in Rosslyn Chapel war beachtlich. Ihr kleines Museum ist echt hübsch, und das ganze Geld, das die Dan Brown-Touristen bringen, stecken sie in die Restaurierung ihrer wirklich beeindruckenden Schnitzwerke. Die Familie St.Clair, die die Kapelle bauen lies, waren übrigens auch die Earls of Orkney. So schließt sich der Kreis. *g*

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