19 Jul 2012

rabensturm: (feder)
Ich habe keine Ahnung, warum das Kingdom of Fife immer noch Königreich heißt – immerhin handelt es sich „nur“ noch um eine Verwaltungseinheit. Aber egal, das war erst mal die Gegend für diesen Tag, nachdem wir ja schon in der alten Hauptstadt Cupar übernachtet haben.

Erstes Tagesziel war St. Andrews, das als Sehenswürdigkeiten ein Castle und eine berühmte Kathedrale zu bieten hat. Mit der Kathedrale haben wir angefangen:





Wie man sieht handelt es sich bei der Kathedrale von St. Andrews um eine Ruine – eine ziemlich beeindruckende Ruine, um genau zu sein. Die riesigen Ausmaße sind noch heute gut zu erkennen, auch wenn nur noch Teile der Grundmauern stehen. Ringsum und dazwischen befindet sich der ganz normale örtliche Friedhof, so dass man den frei betreten und besichtigen kann. Der Shop und der Ticketschalter finden sich ganz am Ende des Friedhofes – und bezahlen muss man eigentlich nur, wenn man die Steine im Museum sehen will oder auf den Turm steigen.



Das ist der Turm der alten Kirche, der Vorgängerkirche der Kathedrale, geweiht St. Rule, einem griechischen Mönch, der die Reliquien vom Heiligen Andreas (der mit dem Bahnübergangskreuz) nach Schottland brachte. Ein Engel hatte ihm das befohlen, um die Gebeine vor Kaiser Konstantin zu schützen und so weit wie möglich weg zu bringen. Er landete beim heutigen St. Andrews und gründete ein Kloster, das stolz von sich behauptete, drei Finger der rechten Hand, einen Oberarmknochen, eine Kniescheibe und einen der Zähne vom Heiligen Andreas zu besitzen. Herzlichen Glückwunsch.

Die Reliquien zogen natürlich viele Reisende an, so dass die alte Kirche bald zu klein wurde und durch die neuere Kathedrale ersetzt wurde. Von der alten steht, wie gesagt, noch der Turm, der nicht so recht in die andere Ruine passen will. Aber er ist heute noch stabil und kann erstiegen werden. Schweißtreibende 157 Stufen. Dafür wurden wir oben mit einer herrlichen Aussicht über die Bucht und den Hafen belohnt. Mit Sonnenschein und guter Sicht ganz besonders reizvoll. :)



Ansonsten gibt’s in St. Andrews vor allem noch Golfplätze und Golfspieler, Fans der Königsfamilie, die die Treffpunkte von Kate und William anhimmeln und die Castleruine. Auch die liegt malerisch am Meer und kann mit dem Reformator John Knox auf einen berühmten Gast… äh… Insassen verweisen. Dazu und zur wechselvollen Geschichte des Castles gab es eine Ausstellung mit lebensgroßen Figuren, die jetzt nicht so ganz mein Geschmack waren… und natürlich kann man in den Gang und Gegengang einer versuchten Maueruntergrabung kriechen. Auch das war nicht so ganz unser Fall. ;)

Unsere Reise führte vielmehr weiter zum Castle Elcho. Das war ja mehr so ein zufälliger Besuch, weil wir danach geschaut hatten, was vom Historic-Scotland-Pass noch so in Reichweite war. Elcho Castle – ein wirklicher Geheimtipp. :)



Das Schloss befindet sich am Ufer des River Tay und zeigt den Übergang vom wehrhaften Wohnturm zum komfortablen Schloss. Die Treppen sind breiter, die Zimmer großzügiger, es gibt viele Kammern (luxuriös mit jeweils einzelnem Abort ausgestattet). Heute sieht man noch ziemlich viel davon, was wesentlich zum Reiz des Schlosses beiträgt. Es gibt die große Halle, die noch Fenster mit Scheiben hat, es gibt noch uralte Holzbalken und Zwischendecken, die geradezu nach Geschichte riechen.



Außerdem lohnt es sich, jede einzelne der kleinen Treppchen zu erklimmen, weil man überall neue Blickwinkel gewinnt und auch unvermutet auf Ecken und Erkerchen des Daches herauskommt. Super, hat uns sehr gut gefallen! :) Um so besser, dass da kaum ein anderer Tourist unterwegs war. *g*

Weiter gleich mit einem anderen Castle, Aberdour Castle am Ufer des Firth of Forth, also quasi gegenüber von Edinburg. Das Castle war nett, aber allenfalls interessant durch das herabgestürtzte Wandelement, dass einem zeigt, wie monumental so ein Bauwerk und eine schnöde Wand sein können. Richtig hübsch war aber die gepflegte Gartenanlage und das kleine Kirchlein von St. Fillan.



Inzwischen haben wir gelernt, dass St. Fillan ein irischstämmiger Mönch des 8. Jahrhunderts war, der vor allem für Heilung, speziell für Krankheiten des Geistes verehrt wird. Außerdem wurde er von King Robert THE BRUCE verehrt, der glaubte, dass Fillan ihm bei der Schlacht von Bannockburn beigestanden hatte. Robert pilgerte deshalb auch nach Aberdour, konnte sein Anliegen und seinen Dank aber nur durchs Leprafenster vorbringen, da er anscheinend an Lepra litt.

Und damit wären wir wieder bei King Robert THE BRUCE. Und ich wollte ja noch mal darauf zurückkommen, warum ich den hohen Herrn in Großbuchstaben schreiben. Einfach erklärt, schaut euch mal die Oberkante dieses Turmes an:



Das ist die Kathedrale von Dunfermline, in der König Robert auch begraben liegt also zumindest die größten Teile von ihm, sein Herz finden wir dann später in Melrose.

Dunfermline ist eine der ältesten Städte Schottlands, die schon in Bronze- und Eisenzeit besiedelt war. Durch die berühmte Königin Margarethe, Frau von König Malcolm I., gewann die Stadt an Bedeutung. Unter Königin Margarethe wurde 1075 der Grundstein für das Benediktinerkloster gelegt, von dem heute noch die große – und vor allem intakte – Kathedrale zeugt. Außerdem lebten die hohen Herrschaften in der Stadt, der Palast gleich neben der Kathedrale besteht aber leider nur noch aus Ruinen. Die Kathedrale ist da zweifellos spannender, vor allem auch durch den beeindruckenden Innenraum mit den dicken Säulen, die ein bisschen an St. Magnus auf Orkney erinnern.



Auch sonst macht Dunfermline einen ganz netten Eindruck, wenn man sich einmal durch den großstädtisch anmutenden Verkehr gekämpft hatte. Das war aber nur ein Vorgeschmack auf das was folgen sollte – der Weg mit dem Auto nach Edinburgh zu unserem nächsten Quartier.

Wir hatten uns die Unterkunft von St. Andrews aus buchen lassen, damit wir nicht auf Suchen und Glück angewiesen waren. Der Mensch von der Touri-Info war zwar sehr nett und bemüht, sein locker flockiges „fahren Sie einfach am Castle vorbei, die Princess Street entlang und über die Hauptstraße“ hat uns aber eher Gruselschauer entlockt. Ja, klar, fremde Großstadt und da mitten durchs historische Zentrum. Geht’s noch? Glücklicherweise war unser Quartier auch von Süden, von der Umgehungsautobahn zu erreichen, indem man einfach einer der Ausfallstraßen folgte. Und dank Silphs organisiertem Lotsen sind wir ohne Probleme bei unserem B & B angekommen. Was sag ich, bei unserem Tanzsaal. ;) Das Capital Guesthouse war wirklich eine super Unterkunft, preislich okay und in Laufweite der Innenstadt. Aber dazu morgen mehr. :)


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