Edinburgh – die alte schottische Hauptsstadt, Athen des Nordens, Stadt von Königen und Heiligen. Das klingt alles schon sehr verheißungsvoll. Und nachdem uns der Morgen direkt mit Sonne begrüßte, war auch klar, dass wir die Besichtigung mit einem Ausblick von oben beginnen wollten. Mit dem Aufstieg auf Arthur’s Seat.

Arthur’s Seat ist der Hausberg von Edinburgh und befindet sich im Holyrood Park, an dessen nordwestlichem Ende sich das königliche Residenzschloss von Holyrood Palace befindet. Der Berg ist 251 m hoch – eine beachtliche Höhe, wenn man bedenkt, dass man fast bei Meeresniveau startet. Es gibt viele Wanderwege auf dem Berg und hinauf zu seiner Spitze. Bequemere, längere, steilere, kürzere… wir haben uns für einen steilen und kurzen Weg entschieden, oder dachten zumindest, dass das ein Weg wäre. Erst waren es zumindest Stufen… dann war es so was:

Äh, das ist nicht euer Ernst mit dem Weg? Aber bevor man umkehren muss, sind wir dann da doch irgendwie auf allen vieren hochgekraxelt und haben tatsächlich wieder einen Weg gefunden. Der führte dann steil zum Gipfel – aber immerhin war es ein Weg. Oben gab es Aussicht. Ziemlich viel davon über die ganze Stadt, über die Bucht und die großen Brücken. Sehr schön.

Für den Abstieg haben wir einen flacheren Weg gewählt, der uns zunächst an der St. Anthony Chapel vorbeiführte und bis hinunter zum königlichen Palast brachte.

Holyrood Palace ist der offizielle Wohnort der Queen, wenn diese auf amtlicher Mission in Schottland ist. Und da sie das wohl jedes Jahr Anfang Juli ist, mussten wir draußen bleiben und konnten den Palast nur über die Mauer betrachten. Schade für uns, aber witzig auch, die schwingenden Röckchen der Soldaten zu beobachten. *g*
Über die Royal Mile ging es hinauf zur High Street, wo wir uns in das Getümmel der Großstadt gestürzt haben. Das war ziemlich gewöhnungsbedürftig nach der Zeit, die wir draußen in einsamer Landschaft verbracht haben. So viele Leute! So viele Touristen! So viele Läden und so viel Lärm!
Wir haben uns die Stadt angesehen, vom oberen Ende der High Street bis hinunter zum Bahnhof von Waverly und zur Princess Street. Wir haben Scotts Monument gesehen und einen Blick in St. Giles Kathedral geworfen. Sehr schön – und für mich mit schönen Erinnerungen verbunden, da ich ja vor fünf Jahren schon mal hier war und Edinburg mir schon damals gefallen hat.

Da wir aufgrund der Menschenmengen aber das Castle nicht mitten am Tag besichtigen wollten, blieb noch genügend Zeit für eine Stadttour der anderen Art. Eine Führung in die Vaults, die unterirdischen Gänge und Keller der Stadt. Edinburgh ist schließlich nicht nur die Stadt der Könige und Händler, sie war auch die Stadt der Schnapsbrenner und Bettler, der Bodysnatcher und Geister…

Geister wollten wir nicht. Ich möchte bitte nicht im dunklen von verkleideten Leuten angesprungen werden und möchte auch keine künstlichen Gedärme in der Finsternis finden. Vielen Dank auch. Deshalb haben wir eine historische Tour gemacht, die rein sachliche Fakten präsentierte und nicht auf wilden Grusel zielte.Es war trotzdem praktisch, eine Taschenlampe dabei zu haben.
Die Vaults also – das hängt mit Edinburghs außergewöhnlicher Stadtgeschichte zusammen. Edinburgh war eine Stadt, die immer schon in der Angst vor der Eroberung lebte. England war immer eine Bedrohung und so igelte sich die Stadt hinter ihrer Stadtmauer ein. Platz war begrenzt, so dass der Wohnraum sich nur noch nach oben erweitern konnte. So gab es schon im 17. Jahrhundert Gebäude, die 7-, 8- oder noch mehrstöckig nach oben ragten. Dazwischen befanden sich nur schmale Gässlein, die Closes, die es teilweise noch heute gibt. Man kann sich vorstellen, wie die Lebensbedingungen waren, so zusammengepfercht – unten stinkend, finster und dreckig, in der Mitte ganz annehmbar für die besser gestellte Bevölkerung, und ganz oben zugig, kalt und nass. Um 1750 wurden die Brücken gebaut, die die niederen Ebenen der Stadt überspannte. Die unteren Etagen wurden damit dicht gemacht – und aus den finsteren Wohnungen und engen Gassen wurden unterirdische Keller und Gänge. Dort siedelten sich zuerst Handwerker an, doch je nasser und dreckiger die Kammern wurden, um so zwielichtiger wurde die Gesellschaft. Billige Kneipen, die auch die Bohemiens nutzten, illegale Schnapsbrennereien, Diebe und Bettler. Und auch ganz unheimliche Gesellen wie die Bodysnatcher – die frisch begrabene Leichen ausgruben, in den Kellern zwischenlagerten und dann zu den anatomischen Instituten der Universität schleppten. Lecker.
Unsere historische Führung brachte uns also hinab in die Kellerräume, die lange vergessen und ungenutzt waren. Erst in den letzten 20 oder 30 Jahren nutzt man sie über den Privatgebrauch hinaus. Die Gang- und Kellersysteme sind eine Attraktion für Touristen, die sich bei Geistern und blutiger Geschichte wohlig gruseln wollen. Wir wollten nicht gruseln, wir wollten nur gucken. ;) Spannend war es trotzdem und gut gemacht. Aus dem winzigen Museum hab ich noch einen schönen Werbetext, der (natürlich nicht ernsthaft) den ehrsamen Beruf der Bodysnatcher bewirbt:
„Are you Irish, or a Highlander looking for work? Edinburgh is the city for you – get a job as a Bodysnatcher!
Wage up to £10
Place of work: Canongate and Greyfriars Graveyard
Duties: digging up dead bodies, storing bodies in Vaults beneath South bridge, transporting bodies to Medical Scool
Hours of work: 6-9 pm in winter; 1-3 pm in summer
Do not miss this once in a lifetime opportunity to be part of a dynamic team of Resurrectionists!”
Zurück an der Oberwelt haben wir noch den Calton Hill erklommen, einen weiteren Hügel der Stadt, von dem man schöne Aussicht auf das Castle hat. Außerdem befinden sich dort eine ganze Reihe Denkmäler, Säulen und Monumente, die nicht zuletzt dazu geführt haben, dass man Edinburgh auch überschwänglich Athen des Nordens nennt. Erwähnenswert ist das Nelson Monument, ein Turm mit einem Mast auf der Spitze, wo täglich zur Mittagszeit eine „Zeitkugel“ empor gezogen wird. Mittags um 1 zugleich mit dem Schuss der Mittagskanone, um den Schiffen im Hafen und den Stadtbewohnern eine genaue Tageszeit zu geben.
Stimmung:
düster

Arthur’s Seat ist der Hausberg von Edinburgh und befindet sich im Holyrood Park, an dessen nordwestlichem Ende sich das königliche Residenzschloss von Holyrood Palace befindet. Der Berg ist 251 m hoch – eine beachtliche Höhe, wenn man bedenkt, dass man fast bei Meeresniveau startet. Es gibt viele Wanderwege auf dem Berg und hinauf zu seiner Spitze. Bequemere, längere, steilere, kürzere… wir haben uns für einen steilen und kurzen Weg entschieden, oder dachten zumindest, dass das ein Weg wäre. Erst waren es zumindest Stufen… dann war es so was:

Äh, das ist nicht euer Ernst mit dem Weg? Aber bevor man umkehren muss, sind wir dann da doch irgendwie auf allen vieren hochgekraxelt und haben tatsächlich wieder einen Weg gefunden. Der führte dann steil zum Gipfel – aber immerhin war es ein Weg. Oben gab es Aussicht. Ziemlich viel davon über die ganze Stadt, über die Bucht und die großen Brücken. Sehr schön.

Für den Abstieg haben wir einen flacheren Weg gewählt, der uns zunächst an der St. Anthony Chapel vorbeiführte und bis hinunter zum königlichen Palast brachte.

Holyrood Palace ist der offizielle Wohnort der Queen, wenn diese auf amtlicher Mission in Schottland ist. Und da sie das wohl jedes Jahr Anfang Juli ist, mussten wir draußen bleiben und konnten den Palast nur über die Mauer betrachten. Schade für uns, aber witzig auch, die schwingenden Röckchen der Soldaten zu beobachten. *g*
Über die Royal Mile ging es hinauf zur High Street, wo wir uns in das Getümmel der Großstadt gestürzt haben. Das war ziemlich gewöhnungsbedürftig nach der Zeit, die wir draußen in einsamer Landschaft verbracht haben. So viele Leute! So viele Touristen! So viele Läden und so viel Lärm!
Wir haben uns die Stadt angesehen, vom oberen Ende der High Street bis hinunter zum Bahnhof von Waverly und zur Princess Street. Wir haben Scotts Monument gesehen und einen Blick in St. Giles Kathedral geworfen. Sehr schön – und für mich mit schönen Erinnerungen verbunden, da ich ja vor fünf Jahren schon mal hier war und Edinburg mir schon damals gefallen hat.

Da wir aufgrund der Menschenmengen aber das Castle nicht mitten am Tag besichtigen wollten, blieb noch genügend Zeit für eine Stadttour der anderen Art. Eine Führung in die Vaults, die unterirdischen Gänge und Keller der Stadt. Edinburgh ist schließlich nicht nur die Stadt der Könige und Händler, sie war auch die Stadt der Schnapsbrenner und Bettler, der Bodysnatcher und Geister…

Geister wollten wir nicht. Ich möchte bitte nicht im dunklen von verkleideten Leuten angesprungen werden und möchte auch keine künstlichen Gedärme in der Finsternis finden. Vielen Dank auch. Deshalb haben wir eine historische Tour gemacht, die rein sachliche Fakten präsentierte und nicht auf wilden Grusel zielte.
Die Vaults also – das hängt mit Edinburghs außergewöhnlicher Stadtgeschichte zusammen. Edinburgh war eine Stadt, die immer schon in der Angst vor der Eroberung lebte. England war immer eine Bedrohung und so igelte sich die Stadt hinter ihrer Stadtmauer ein. Platz war begrenzt, so dass der Wohnraum sich nur noch nach oben erweitern konnte. So gab es schon im 17. Jahrhundert Gebäude, die 7-, 8- oder noch mehrstöckig nach oben ragten. Dazwischen befanden sich nur schmale Gässlein, die Closes, die es teilweise noch heute gibt. Man kann sich vorstellen, wie die Lebensbedingungen waren, so zusammengepfercht – unten stinkend, finster und dreckig, in der Mitte ganz annehmbar für die besser gestellte Bevölkerung, und ganz oben zugig, kalt und nass. Um 1750 wurden die Brücken gebaut, die die niederen Ebenen der Stadt überspannte. Die unteren Etagen wurden damit dicht gemacht – und aus den finsteren Wohnungen und engen Gassen wurden unterirdische Keller und Gänge. Dort siedelten sich zuerst Handwerker an, doch je nasser und dreckiger die Kammern wurden, um so zwielichtiger wurde die Gesellschaft. Billige Kneipen, die auch die Bohemiens nutzten, illegale Schnapsbrennereien, Diebe und Bettler. Und auch ganz unheimliche Gesellen wie die Bodysnatcher – die frisch begrabene Leichen ausgruben, in den Kellern zwischenlagerten und dann zu den anatomischen Instituten der Universität schleppten. Lecker.
Unsere historische Führung brachte uns also hinab in die Kellerräume, die lange vergessen und ungenutzt waren. Erst in den letzten 20 oder 30 Jahren nutzt man sie über den Privatgebrauch hinaus. Die Gang- und Kellersysteme sind eine Attraktion für Touristen, die sich bei Geistern und blutiger Geschichte wohlig gruseln wollen. Wir wollten nicht gruseln, wir wollten nur gucken. ;) Spannend war es trotzdem und gut gemacht. Aus dem winzigen Museum hab ich noch einen schönen Werbetext, der (natürlich nicht ernsthaft) den ehrsamen Beruf der Bodysnatcher bewirbt:
„Are you Irish, or a Highlander looking for work? Edinburgh is the city for you – get a job as a Bodysnatcher!
Wage up to £10
Place of work: Canongate and Greyfriars Graveyard
Duties: digging up dead bodies, storing bodies in Vaults beneath South bridge, transporting bodies to Medical Scool
Hours of work: 6-9 pm in winter; 1-3 pm in summer
Do not miss this once in a lifetime opportunity to be part of a dynamic team of Resurrectionists!”
Zurück an der Oberwelt haben wir noch den Calton Hill erklommen, einen weiteren Hügel der Stadt, von dem man schöne Aussicht auf das Castle hat. Außerdem befinden sich dort eine ganze Reihe Denkmäler, Säulen und Monumente, die nicht zuletzt dazu geführt haben, dass man Edinburgh auch überschwänglich Athen des Nordens nennt. Erwähnenswert ist das Nelson Monument, ein Turm mit einem Mast auf der Spitze, wo täglich zur Mittagszeit eine „Zeitkugel“ empor gezogen wird. Mittags um 1 zugleich mit dem Schuss der Mittagskanone, um den Schiffen im Hafen und den Stadtbewohnern eine genaue Tageszeit zu geben.
Stimmung:
düster