22 Jul 2012

rabensturm: (feder)
Am nächsten Morgen standen wir pünktlich zu Toresöffnung vor dem Castle von Edinburgh, zusammen mit einer ganzen Menge anderer Touristen, die schon auf die Öffnung warteten. Ja, Edinburgh Castle ist eine der großen Attraktionen, wo sich die Menschenmengen treffen. Immerhin gut, dass wir so früh waren…



Die Burg befindet sich auf einem hohen Felssporn oben über der Stadt. Beim nebligen schottischen Wetter, thront sie auch schon mal über den Wolken, die die Stadt verschlucken. Unser Wetter war passenderweise trüb, die Aussicht so gut wie nicht vorhanden. ;)

Das Castle war immer Festung, Militäranlage, Rückzugsort. Der letzte Verteidigungspunkt sozusagen, während sich das angenehme hoheitliche Leben unten im Holyrood Palace abspielte. Man nannte es auch "Maiden Castle“ oder lateinisch „Castellum Puellarum“, weil Prinzessinnen in dieser Burg absolut sicher waren oder weil sich Morgana hier mit ihren 9 Schwestern aufhielt oder die Pikten heilige Jungfrauen gefangen hielten.

Ältestes Gebäude ist heute die St. Margaret’s Chapel, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die heilige Margarethe war eine schottische Königin, die 1069 König Marcolm I. heiratete. Sie förderte die Verbreitung des Christentums und gründete viele Klöster und Kirchen, so wie auch ihr jüngster Sohn, der als König David I. von Schottland berühmt wurde. Die Kapelle ist ein kleines Gebäude, das aber trotzdem viel vom Zauber der Jahrhunderte bewahrt hat.





Sehenswert ist auch Leith Hall, eine restaurierte Halle, die ursprünglich zu ehren König James I./VI. ausgestattet worden war. König James der I. von England und Schottland und der VI. von Schottland war der Sohn von Queen Mary Stuart. Sie hat ihn in einem winzigen Kämmerchen in Edinburgh Castle zur Welt gebracht und nach ihrem Tod und dem ihrer Cousine Queen Elizabeth I. wurde er König von England und Schottland zugleich. Zu seinem 55. Geburtstag kam er erstmalig nach Edinburgh zurück und für diesen Anlass war die schmucke Halle ausgemalt und ausstaffiert worden. Er war auch sehr gerührt über diese Geste und sein Geburtskämmerchen, sagt zumindest die Legende.



Die Halle ist jetzt restauriert und kann besichtigt werden, so wie auch die obere Halle, die schon in viktorianischen Zeiten wieder hergestellt worden war.

Und dann kann man natürlich noch die schottischen Kronjuwelen besichtigen und den Stone of Scone, den schottischen Stein des Schicksals. *fanfarentusch*

Zu den Kronjuwelen gibt es die hübsche Geschichte, dass sie nach langen Wirren der englisch-schottischen Geschichte im Jahre 1707 in einer Truhe des Castles eingeschlossen wurden und dann… vergessen. 111 Jahre später kam der schottische Nationaldichter Sir Walter Scott, bat den König um Erlaubnis, sie suchen zu dürfen und – tada – fand sie unangetastet in jener Truhe. Jetzt kam man sie in der Ausstellung bestaunen, Krone, Zepter und Schwert.

Die Geschichte zum Stone of Scone ist etwas länger. Wenn man es mystisch verklärt möchte, kann man im alten Ägypten anfangen, von wo Prinzessin Scota, eine Tochter des Pharaos den Stein nach Britannien brachte. Oder in der Bibel, wo der Stein Jakob als Kopfkissen diente bei seinem Traum von der Himmelsleiter… Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei dem Stein um ein Relikt der frühmittelalterlichen Pikten handelt, die darauf stehend ihre Könige krönten. Der Stein wurde bis 1296 bei Scone Palace bei Perth verwahrt – bis ihn der britische König Edward I. nach Westminster brachte und in den eigenen Krönungsstuhl einbauen ließ. Seitdem wurden alle englischen/britischen Könige auf dem schottischen Schicksalsstein gekrönt – was die schottische Ehre natürlich zutiefst schmerzte. 1950 wurde der Stein von schottischen Studenten geklaut und nach Schottland zurückgebracht – und von der Polizei wiedergeholt und wieder zurückgebracht. Und 1996 schließlich erstattete die Queen den Stein dann schließlich ans schottische Volk zurück… wenn es sich noch um den Originalen Stein handelt und der nicht schon siebenunszwanzigtausendmal vertauscht und vertuscht worden ist. ;) Aber man soll über Nationalheiligtümer nicht scherzen und so sag ich mal nur ganz sachlich, dass wir den Stein gesehen haben. Stein halt. ;)

Ansonsten scheint sich Edinburgh Castle noch hauptsächlich aus Höfen und Treppen und militärischen Anlagen zusammenzusetzen. Es gibt ein großes Kriegsmuseum, eine Kriegergedenkstätte, eine Friedhof für Kuscheltiere Militärmaskottchen. Natürlich gibt es auch unzählige Kanonen zu sehen, darunter das Riesengeschütz der Mons Meg und die 1 Uhr-Mittags-Kanone.

Uns hat das erst mal gereicht, zumal es zunehmend schlechteres Wetter wurde. Wir sind ein bisschen durch die Stadt geschlappt, auch mal Closes und Treppen unterhalb des Castles hinab, und haben was gegessen. Wir sind zur Princess Street zurückgekehrt und haben entschieden, doch noch auf Scotts Monument zu steigen.



Über der melancholischen Statue des Dichters erhebt sich ein gotisch anmutender Überbau. 287 Stufen führen in die Höhe – und vor allem werden diese Stufen immer steiler und enger und enger und enger, so dass man auf den letzten Metern wie ein Korken im Flaschenhals steckt und sich mühsam nach außen wurschtelt. Puh, nichts für Leute mit Platz- oder Höhenangst. Und blöd bei Gegenverkehr, wenn man in dem eh schon engen Raum aneinander vorbei muss. Aber zweifellos eine Erfahrung und ein – trotz trübem Wetter – verhältnismäßig guter Ausblick.

Wir – also zumindest ich – waren schon ziemlich fußlahm und so haben wir nur noch einen Stopp im National Museum of Scotland gemacht. Ein sehr schönes Museum, in dem es quasi etwas über alles zu sehen und zu lernen gab. Und vor allem ist ein Museum zum Anfassen, wo man lustige Knöpfe drücken kann. Sowas mögen wir doch immer. Kann man durchaus bei schlechtem Wetter mal anschauen. :)


Stimmung:
fußlahm
rabensturm: (feder)
Zwei Tage Großstadtleben haben mir völlig ausgereicht; am nächsten Tag haben wir Edinburgh aber auch wieder verlassen.

Zuerst wird es wieder mystisch:



Das ist Rosslyn Chapel, knapp südlich vor Edinburgh. Die Kapelle ist mit ihren vielen kunstvollen Steinmetzarbeiten sicherlich sehenswert – zum Anziehungspunkt machen sie aber die Legenden der Tempelritter. Der Erbauer der Kapelle war der erste Großmeister der Freimaurer von Schottland, Dan Brown in seinem „Sakrileg“ und andere machten die Kapelle zum Rückzugspunkt der Templer, ihrer Schätze und ihres Wissens. Oder auch zum Versteck vom Gral. Große Mystik also. Genau wie die hübsche Erzählung, dass die Garben auf einem der Fenstereliefs Maispflanzen darstellen – die Kapelle wurde aber schon vor der Entdeckung Amerikas erbaut. Man folgert daraus, dass eine kleine Gruppe Tempelritter bis nach Amerika gekommen ist, mit freundlichen Indianern überwintert hat und Jahrzehnte nach ihrer Rückkehr Steinmetze gut genug anleiten konnte, um Maispflanzen darzustellen. Natürlich. ;)

Ich möchte an der Stelle gern auf Umberto Ecos „Foucaultsches Pendel“ verweisen und die wunderbare Argumentation, dass Irre am Ende immer die Templer aus dem Hut ziehen. *g*

Wir haben die Touristenscharen verlassen und sind weiter nach Süden gefahren, zunächst zur Abtei von Melrose.



Und willst du des Zaubers sicher sein
so besuche Melrose bei Mondenschein.
die Goldene Sonne, des Tages Licht
sie passen zu seinem Zauber nicht


So schwärmte schon Sir Walter Scott und so übersetzte es Fontane.

Wir besuchten Melrose bei Regen, gefallen hat uns die Abtei aber trotzdem sehr gut. Man kann die ursprüngliche Form noch gut erkennen und schön, dass die Fenster noch viel vom alten Maßwerk zeigen.

Und dann gibt’s in Melrose natürlich noch das Herz von King Robert THE BRUCE.



Man vermutet zumindest, dass sich das Herz hier unter dieser Platte befindet, nachdem es auf seiner Reise nach Jerusalem schon bis Spanien gekommen war. Der Legende nach hatte der sterbende König sich das für sein Herz gewünscht, da er es selbst nie in die Heilige Stadt geschafft hatte. Seine vertrauten Ritter übernahmen diese Aufgabe, wurden in Spanien aber vorn feindlichen Mauren überrannt und unterlagen in heftigem Kampf. Da sie sich aber so tapfer gezeigt hätten, erlaubten die Mauren, dass die Ritter und das Herz nach Schottland zurückkehren (die Kapelle von Rossylyn, für ihre Mystik bekannt, leuchtete anlässlich dieses Dramas übrigens die ganze Nacht in mystischem rot – obwohl sie erst knapp 100 Jahre später gebaut wurde…)

Wir haben uns in der netten Touri-Info noch eine letzte Unterkunft buchen lassen und im Regen auf den Weg zur nächsten Abtei gemacht.

Dryburgh Abbey – einer der Lieblingsplätze für Sir Walter Scott, der hier auch begraben liegt.



Unsere Lieblingsabbey an diesem Tag. ;) Die Ruinen sind zwar weniger vollständig, aber sie bilden mit den wundervollen alten Bäumen ein ganz zauberhaftes Ganzes. Das allerdings nicht ganz zufällig. Schon 1786 kaufte der 12. Earl of Buchan das Land. Er bemühte sich, zu bewahren, was noch von den Ruinen erhalten war, und legte um diese herum einen großen Garten an. Und das entspricht wohl auch heute noch dem Geschmack von Schönheit und Romantik. Unserem jedenfalls. ;)

Der Regen begann hier erst, als wir schon fast wieder beim Auto waren – bescherte uns aber schon mal ein paar erste Seen auf der Straße. Unser nächstes Ziel war dann auch reichlich durchnässt:



Jedburgh beeindruckt durch die schiere Größe. Durch die Mauern oben auf dem Hügeln wirkt sie schon sehr kompakt und eindrucksvoll.

Jedburgh befindet sich nahe der englischen Grenze, geriet daher immer wieder in die kriegerischen Auseinandersetzungen von England und Schottland. Mehrfach wurden Kirche und Kloster zerstört und niedergebrannt und wieder aufgebaut und wieder zerstört. 1560 mit Beginn der schottischen Reformation, war aber das Ende der großen Abtei gekommen und so steht sie seitdem als Ruine auf ihrem Hügel.



Man kann an der Ruine auch architektonische Geschichte entdecken. Die unteren Bögen sind romanisch gestaltet, die oberen sind hingegen schon gotische Spitzbögen. Weil sich eben während der Bauzeit die Baustile und –fähigkeiten änderten.

Uns war es mittlerweile in den Borders zu nass geworden. Wir haben also beschlossen, nach Süden zu fahren, nach Nordengland, uns ein Quartier suchen, um am nächsten Tag den Hadrianswall zu besuchen. Schlechte Idee, wie ganz am Anfang schon mal erwähnt.

Es regnete schon tagelang, in Nordengland hatte es schon Überschwemmungen gegeben. Auf dem Weg durch die Borders und dem Northumberland-Nationalpark gab es mehr und mehr Seen auf den Straßen, Bäche, die von den Feldern über die Straße strömte. Man konnte nicht einschätzen, wie tief diese Wassermassen so waren, und ich hab mehr als einmal befürchtet, dass wir den Boden unter den Füßen verlieren, der Auspuff absäuft oder das Wasser zu den Türen reinströmt. *irx*



Eine Strecke von etwa 50 Meilen, die wir nicht sicher waren, ob wir heil durchkommen. Aber endlich hatten wir Hexham in Nordengland erreicht und fanden auch gleich ein B&B. Mit zitternden Händen und Knien konnten wir da aufatmen und unserem tapferen Auto danken.

Hexham ist übrigens ein sehr hübsches Städtchen mit Kathedrale, Stadttor, hübschen Marktplatz. Und einem Wetherspoons, der uns die Suche nach einem Abendessen abgenommen hat. *g*


Stimmung:
adrenalingebeutelt

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