13 Nov 2012
Ich hatte ja schon angedeutet, dass wir neulich in Würzburg waren. Würzburg eigentlich nur deshalb, weil es halbwegs mittig zwischen den Beteiligten lag und gut zu erreichen. Wir haben ein nettes, günstiges Hostel in der Nähe des Bahnhofes gefunden und die Stadt sollte ja auch ganz nett sein…
Würzburg ist tatsächlich eine nette Stadt. Überschaubar, sehr lebendig und sehr jung durch die vielen Studenten, die das Angebot von Läden, Cafés und Kneipen prägen. Und zum Ansehen gab es auch genug, obwohl die Stadt im 2. Weltkrieg großflächig zerstört wurde. Man hat die Stadt entsprechend der teils mittelalterlichen, teils barocken Grundrisse wieder aufgebaut und so den Charakter erhalten. Und schöne restaurierte Häuser gibt es auch zu sehen. Außerdem befindet sich Würzburg am Main, das war mir vorher auch nicht bewusst gewesen…
Wir haben uns natürlich in der Stadt umgesehen und die ein oder andere Sehenswürdigkeit erkundetund statt Studentenkneipen dann doch eher Buchläden. Wir haben uns aber auch drei Führungen gegönnt und dazu möchte ich natürlich ein bisschen mehr sagen.
Stadtführung Würzburg
Die Stadtführung brachte uns informativ und unterhaltsam von der Touristinformation im Haus zum Falken zunächst zur Marienkapelle, wo wir die Geschichte mit der unberührten Empfängnis durchs Ohr gezeigt bekommen haben. Es ging weiter durch die Stadt und durch die Geschichte, durch den Bauernkrieg zum berühmten Bilderschnitzer Tilman Riemenschneider, zu Walter von der Vogelweide, dessen Grabstein sich Würzburg befindet und natürlich auch zu den beiden großen Kirchen:
Der Kiliansdom

Der Würzburger Dom ist dem Heiligen Kilian geweiht. Zudem ist der Dom das viertgrößte romanische Kirchenbauwerk aus der Zeit der salischen Kaiser. Leider konnten wir ihn nicht von Innen besichtigen, da er gerade restauriert wird.
Der Dom ist dem Heiligen Kilian gewidmet, der mit seinen Freunden Kolonat und Totnan in Würzburg im Jahr 689 den Märtyrertod starb. Kilian, Kolonat und Totnan waren irische Mönche, die Franken missioniert haben. Sie waren auch Berater des bereits christlich getauften Herzogs Gozbert von Thüringen, den sie zur Trennung von seiner Frau Gailana drängten. Die Verbindung war nämlich aus ihrer Sicht blutschänderisch und verwerflich, weil es sich bei Gailana um die Witwe von Gozberts Bruder gehandelt hat. Die war verständlicherweise wenig begeistert vom Ansinnen der Mönche – und ließ sie kurzerhand während einer Abwesenheit ihres Mannes umbringen und im Pferdestall verscharren. Jahrzehnte später kam ein blinder Mönch in die Stadt, der im Pferdestall eine besondere Macht zu spüren behauptete. Er ließ graben – die Gebeine wurden gefunden – und der Blinde konnte wieder sehen. Wunder! Oh Wunder!
Würzburg wurde Wallfahrtsort (und Bistum) und natürlich brauchte man da eine passende Kirche und so wurde der Dom errichtet. Kilian und seine Kollegen liegen aber nicht im Kiliansdom – sondern im Neumünster, gleich daneben:

Das war nämlich laut Legende der Ort des Märtyrertods und des Wundersder Pferdestall also. Immerhin passt das Wunder des geheilten Blinden zu den vielen Optikern in der Stadt. ;)
Die ganzen Heiligen – und etliche mehr – finden sich dann auch noch auf der alten Mainbrücke, wo sie als Statuen nach Prager Vorbild die Brücke bewachen. Sehr hübsch, auch wenn sie durch den Schabernack der Studenten oder Touristen schon mal eine Mütze aufhaben oder ein Bierglas in der Hand. ;)
Die Residenz
Würzburg wurde nicht von Königen oder Herzögen regiert sondern von den Fürstbischöfen, bei denen sich weltliche und geistliche Macht versammelte. Die lebten aber auch nicht gerade bescheiden und spartanisch, zumal nicht in der Barockzeit, wo Prunk und Pracht so viel galt. Da musste ein standesgemäßes Häuschen her, um mit den anderen hohen Herrenmitzuhalten. Bescheidenes Häuschen… die Residenz:

Die Residenz ist heute Weltkulturerbe und ist einer der bedeutendsten Residenzbauten des Spätbarock. Der berühmte Barockbaumeister Balthasar Neumann war für den Entwurf und den Bau verantwortlich, die wunderbaren Stuckarbeiten und Deckengemälde stammen von Giovanni Battista Tiepolo.
Leider darf man innen nicht fotografieren, die Führung war aber sehr unterhaltsam und informativ. Es ging erst mal durch Gartensaal und Vorhalle und dann hinauf in die Pracht des Treppenhauses. In die Prunkgemächer mit den wunderbaren Deckengemäldenund Chronos, der rückwärts durch die Zeit fliegt.. Weiter durch die Wohnräume, die wie üblich von Warteräumen, Audienzräumen hin zu den Privatgemächern immer intimer – und immer prächtiger – wurden. Als Höhepunkt noch nach dem hochnoblen Schlafzimmer findet sich das besonders prächtige Spiegelkabinett. Eines der Paradezimmer des Kaisers, vollkommenstes Raumkunstwerk des Rokoko. Spiegel überall, Gold und Farben, Schnörkel und Pracht – man kann sich kaum vorstellen, wie sich das in Kerzenlicht ausnehmen mag, Lichter, die sich in der Vielzahl der Spiegel bis Unendliche brechen. Zum Schlafen oder zum Wohnen wär’ mir persönlich die Pracht aber nichts – Barock und Rokoko sind halt doch meistens etwas zu viel des Guten. ;)
Wir sind dann noch ein bisschen alleine in den Räumen herumgeschlendert und auch hinten im Garten, der sich in Novemberbraun allerdings ein bisschen trostlos ausnahm. Trotzdem eine hübsche Anlage mit hübschen Statuen.
Und zur dritten Führung und der Festung Marienberg komme ich dann ein andermal…
Stimmung:
unterwegs
Würzburg ist tatsächlich eine nette Stadt. Überschaubar, sehr lebendig und sehr jung durch die vielen Studenten, die das Angebot von Läden, Cafés und Kneipen prägen. Und zum Ansehen gab es auch genug, obwohl die Stadt im 2. Weltkrieg großflächig zerstört wurde. Man hat die Stadt entsprechend der teils mittelalterlichen, teils barocken Grundrisse wieder aufgebaut und so den Charakter erhalten. Und schöne restaurierte Häuser gibt es auch zu sehen. Außerdem befindet sich Würzburg am Main, das war mir vorher auch nicht bewusst gewesen…
Wir haben uns natürlich in der Stadt umgesehen und die ein oder andere Sehenswürdigkeit erkundet
Stadtführung Würzburg
Die Stadtführung brachte uns informativ und unterhaltsam von der Touristinformation im Haus zum Falken zunächst zur Marienkapelle, wo wir die Geschichte mit der unberührten Empfängnis durchs Ohr gezeigt bekommen haben. Es ging weiter durch die Stadt und durch die Geschichte, durch den Bauernkrieg zum berühmten Bilderschnitzer Tilman Riemenschneider, zu Walter von der Vogelweide, dessen Grabstein sich Würzburg befindet und natürlich auch zu den beiden großen Kirchen:
Der Kiliansdom

Der Würzburger Dom ist dem Heiligen Kilian geweiht. Zudem ist der Dom das viertgrößte romanische Kirchenbauwerk aus der Zeit der salischen Kaiser. Leider konnten wir ihn nicht von Innen besichtigen, da er gerade restauriert wird.
Der Dom ist dem Heiligen Kilian gewidmet, der mit seinen Freunden Kolonat und Totnan in Würzburg im Jahr 689 den Märtyrertod starb. Kilian, Kolonat und Totnan waren irische Mönche, die Franken missioniert haben. Sie waren auch Berater des bereits christlich getauften Herzogs Gozbert von Thüringen, den sie zur Trennung von seiner Frau Gailana drängten. Die Verbindung war nämlich aus ihrer Sicht blutschänderisch und verwerflich, weil es sich bei Gailana um die Witwe von Gozberts Bruder gehandelt hat. Die war verständlicherweise wenig begeistert vom Ansinnen der Mönche – und ließ sie kurzerhand während einer Abwesenheit ihres Mannes umbringen und im Pferdestall verscharren. Jahrzehnte später kam ein blinder Mönch in die Stadt, der im Pferdestall eine besondere Macht zu spüren behauptete. Er ließ graben – die Gebeine wurden gefunden – und der Blinde konnte wieder sehen. Wunder! Oh Wunder!
Würzburg wurde Wallfahrtsort (und Bistum) und natürlich brauchte man da eine passende Kirche und so wurde der Dom errichtet. Kilian und seine Kollegen liegen aber nicht im Kiliansdom – sondern im Neumünster, gleich daneben:

Das war nämlich laut Legende der Ort des Märtyrertods und des Wunders
Die ganzen Heiligen – und etliche mehr – finden sich dann auch noch auf der alten Mainbrücke, wo sie als Statuen nach Prager Vorbild die Brücke bewachen. Sehr hübsch, auch wenn sie durch den Schabernack der Studenten oder Touristen schon mal eine Mütze aufhaben oder ein Bierglas in der Hand. ;)
Die Residenz
Würzburg wurde nicht von Königen oder Herzögen regiert sondern von den Fürstbischöfen, bei denen sich weltliche und geistliche Macht versammelte. Die lebten aber auch nicht gerade bescheiden und spartanisch, zumal nicht in der Barockzeit, wo Prunk und Pracht so viel galt. Da musste ein standesgemäßes Häuschen her, um mit den anderen hohen Herrenmitzuhalten. Bescheidenes Häuschen… die Residenz:

Die Residenz ist heute Weltkulturerbe und ist einer der bedeutendsten Residenzbauten des Spätbarock. Der berühmte Barockbaumeister Balthasar Neumann war für den Entwurf und den Bau verantwortlich, die wunderbaren Stuckarbeiten und Deckengemälde stammen von Giovanni Battista Tiepolo.
Leider darf man innen nicht fotografieren, die Führung war aber sehr unterhaltsam und informativ. Es ging erst mal durch Gartensaal und Vorhalle und dann hinauf in die Pracht des Treppenhauses. In die Prunkgemächer mit den wunderbaren Deckengemälden
Wir sind dann noch ein bisschen alleine in den Räumen herumgeschlendert und auch hinten im Garten, der sich in Novemberbraun allerdings ein bisschen trostlos ausnahm. Trotzdem eine hübsche Anlage mit hübschen Statuen.
Und zur dritten Führung und der Festung Marienberg komme ich dann ein andermal…
Stimmung:
unterwegs
amüsiert