Der Dom zu Speyer
19 Nov 2012 09:33 pmWir haben in Würzburg gehört, dass der Kiliansdom der viertgrößte romanische Dom der Welt ist nach Speyer, Worms und Mainz. Nur über die Reihenfolge waren wir uns da nicht so ganz im Klaren. Aber doch, Speyer ist (nach der Zerstörung der Abtei Cluny) tatsächlich das größte erhaltene romanische Bauwerk. Er wurde von den salischen Kaisern errichtet, diente als deren Grabstätte und war lange Ort von Wallfahrt und Verehrung. Der Dom wurde aber auch mehrfach zerstört und wieder aufgebaut – und das tatsächlich so zurückhaltend, dass der Dom trotz moderner Elemente immer noch erfreulich schlicht und romanisch wirkt. Wenn man ein Gebäude dieser Größe überhaupt schlicht nennen kann!


Mit dem Dombau wurde im Jahr 1027 begonnen und sein Gründer, Kaiser Konrad II. erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Beeindruckend die riesige helle Säulenhalle und die Höhe von Basilika und Vierungsturm. Ob nun rein romanisch oder neo- oder sonstwie – das zu beurteilen bin ich nicht in der Lage. Beeindruckend ist die Halle aber auf jeden Fall.
Mindestens genau so beeindruckend die riesige Krypta, die sich unter der Querhaus und Chor befindet (gut, dass wir in Merseburg erst was über romanische Bauprinzipien gelernt haben).

Die im Jahr 1041 geweihte Krypta ist mit einer überbauten Fläche von 850 m² und einer Höhe von 7 m die größte romanische Säulenhalle Europas. Die 42 Kreuzgratgewölbe ruhen auf Säulen mit einfachen Würfelkapitellen. Die abwechselnd gemauerten gelben und roten Sandsteinquader sind typisch für die Zeit der Salier und der Staufer.
Fotos können die Raumwirkung natürlich nicht so wiedergeben (und schon mal gar nicht das schöne Licht zwischen den Säulen). Man verliert das Gefühl für Größe zwischen den Säulen, da es immer weitergeht und noch eine Ecke und noch einen Raum verbirgt. Es gibt Altäre in der Krypta mit modernen Kruzifixen – und es gibt natürlich die Grablege der Salischen Kaiser. Die ist in der heutigen Form allerdings nicht original, da sie erst in späteren Zeiten an einer Stelle zusammengeführt wurden. Es finden sich hier die Gräber von 8 deutschen Kaisern bzw. Königen, teils mit Gemahlin, und zwar:
· Konrad II. († 1039) und seine Gemahlin Gisela von Schwaben († 1043)
· Heinrich III. († 1056), Sohn Konrads II.
· Heinrich IV. († 1106), Sohn Heinrichs III., und seine Gemahlin Bertha von Savoyen († 1087)
· Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV.
· Beatrix von Burgund († 1184), zweite Gemahlin Friedrichs Barbarossa, und ihre Tochter Agnes († 1184)
· Philipp von Schwaben († 1208), Sohn Friedrich Barbarossas
· Rudolf von Habsburg († 1291)
· Adolf von Nassau († 1298)
· Albrecht von Österreich († 1308), Sohn Rudolfs von Habsburg
Man darf die romanische Grablege mit ihren Steinsärgen jetzt freilich nicht mit güldenen ägyptischen Sarkophagen vergleichen – aber es ist doch große deutsche Geschichte hier, die man quasi hautnah erleben kann. Das ist schon spannend und durchaus auch beeindruckend. :)
Wir haben uns aber wieder an die Oberfläche begeben, den Dom noch ein bisschen bewundert und auch von außen betrachtet. Und wir haben uns natürlich auch den Rest von Speyer angeschaut, der noch so in Laufweite war. – In Speyer ist quasi alles in Laufweite und wer das nicht möchte, kann das ausgezeichnete Bussystem nutzen, mit Bussen in 10-Minuten-Taktdas funktionierte nur nicht, als wir mit Reisegepäck zurück zum Auto wollten.
Speyer ist sehr viel weniger mittelalterlich, als ich erwartet hatte. Es ist eine offene Stadt, mit breiter Fußgängerzone, an der Cafés und Restaurants zum draußen sitzen einladen. Französisches oder gar mediterranes Flair, aber die Franzosen sind wohl auch nicht ganz unschuldig daran, da die großen Zerstörungen und Wiederaufbauarbeiten auf den pfälzischen Erbfolgekriegen beruhen und nicht zuletzt auch durch Napoleon verursacht wurden. Der Eindruck ist jedenfalls ein einladender und man kann sich gut einige Tage in der Stadt aufhalten und wohlfühlen.
Wir haben direkt in der Innenstadt am Altpörtel gewohnt, in den netten Cafés gegessen und auch die anderen Bereiche der Altstadt abgelaufen. So sind wir bis zum Magdalenenkloster gekommen, in dem die erst 1998 heiliggesprochene Edith Stein wirkte (die übrigens auch einen Altar im Dom hat). Auch haben wir die beiden gut 100 Jahre alten Kirchen besucht: Die Gedächtniskirche und die Josephskirche:

Die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete evangelische Gedächtniskirche (links) erinnert an die Speyerer Protestation im Jahr 1529. Die katholische Josephskirche (rechts) steht unmittelbar daneben und wurde als Reaktion auf den Bau der Gedächtniskirche errichtet und 1914 eingeweiht.
Und dann gibt es in der Stadt auch noch alte jüdische Spuren, von denen ich aber extra erzählen möchte. :)
Stimmung:
historisch


Mit dem Dombau wurde im Jahr 1027 begonnen und sein Gründer, Kaiser Konrad II. erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Beeindruckend die riesige helle Säulenhalle und die Höhe von Basilika und Vierungsturm. Ob nun rein romanisch oder neo- oder sonstwie – das zu beurteilen bin ich nicht in der Lage. Beeindruckend ist die Halle aber auf jeden Fall.
Mindestens genau so beeindruckend die riesige Krypta, die sich unter der Querhaus und Chor befindet (gut, dass wir in Merseburg erst was über romanische Bauprinzipien gelernt haben).

Die im Jahr 1041 geweihte Krypta ist mit einer überbauten Fläche von 850 m² und einer Höhe von 7 m die größte romanische Säulenhalle Europas. Die 42 Kreuzgratgewölbe ruhen auf Säulen mit einfachen Würfelkapitellen. Die abwechselnd gemauerten gelben und roten Sandsteinquader sind typisch für die Zeit der Salier und der Staufer.
Fotos können die Raumwirkung natürlich nicht so wiedergeben (und schon mal gar nicht das schöne Licht zwischen den Säulen). Man verliert das Gefühl für Größe zwischen den Säulen, da es immer weitergeht und noch eine Ecke und noch einen Raum verbirgt. Es gibt Altäre in der Krypta mit modernen Kruzifixen – und es gibt natürlich die Grablege der Salischen Kaiser. Die ist in der heutigen Form allerdings nicht original, da sie erst in späteren Zeiten an einer Stelle zusammengeführt wurden. Es finden sich hier die Gräber von 8 deutschen Kaisern bzw. Königen, teils mit Gemahlin, und zwar:
· Konrad II. († 1039) und seine Gemahlin Gisela von Schwaben († 1043)
· Heinrich III. († 1056), Sohn Konrads II.
· Heinrich IV. († 1106), Sohn Heinrichs III., und seine Gemahlin Bertha von Savoyen († 1087)
· Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV.
· Beatrix von Burgund († 1184), zweite Gemahlin Friedrichs Barbarossa, und ihre Tochter Agnes († 1184)
· Philipp von Schwaben († 1208), Sohn Friedrich Barbarossas
· Rudolf von Habsburg († 1291)
· Adolf von Nassau († 1298)
· Albrecht von Österreich († 1308), Sohn Rudolfs von Habsburg
Man darf die romanische Grablege mit ihren Steinsärgen jetzt freilich nicht mit güldenen ägyptischen Sarkophagen vergleichen – aber es ist doch große deutsche Geschichte hier, die man quasi hautnah erleben kann. Das ist schon spannend und durchaus auch beeindruckend. :)
Wir haben uns aber wieder an die Oberfläche begeben, den Dom noch ein bisschen bewundert und auch von außen betrachtet. Und wir haben uns natürlich auch den Rest von Speyer angeschaut, der noch so in Laufweite war. – In Speyer ist quasi alles in Laufweite und wer das nicht möchte, kann das ausgezeichnete Bussystem nutzen, mit Bussen in 10-Minuten-Takt
Speyer ist sehr viel weniger mittelalterlich, als ich erwartet hatte. Es ist eine offene Stadt, mit breiter Fußgängerzone, an der Cafés und Restaurants zum draußen sitzen einladen. Französisches oder gar mediterranes Flair, aber die Franzosen sind wohl auch nicht ganz unschuldig daran, da die großen Zerstörungen und Wiederaufbauarbeiten auf den pfälzischen Erbfolgekriegen beruhen und nicht zuletzt auch durch Napoleon verursacht wurden. Der Eindruck ist jedenfalls ein einladender und man kann sich gut einige Tage in der Stadt aufhalten und wohlfühlen.
Wir haben direkt in der Innenstadt am Altpörtel gewohnt, in den netten Cafés gegessen und auch die anderen Bereiche der Altstadt abgelaufen. So sind wir bis zum Magdalenenkloster gekommen, in dem die erst 1998 heiliggesprochene Edith Stein wirkte (die übrigens auch einen Altar im Dom hat). Auch haben wir die beiden gut 100 Jahre alten Kirchen besucht: Die Gedächtniskirche und die Josephskirche:

Die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete evangelische Gedächtniskirche (links) erinnert an die Speyerer Protestation im Jahr 1529. Die katholische Josephskirche (rechts) steht unmittelbar daneben und wurde als Reaktion auf den Bau der Gedächtniskirche errichtet und 1914 eingeweiht.
Und dann gibt es in der Stadt auch noch alte jüdische Spuren, von denen ich aber extra erzählen möchte. :)
Stimmung:
historisch
farbenfroh

historisch